Mit vereinten Kräften

Wie Sparkassen und ihre Stiftungen Vereine durch die Krise begleiten

Die Corona-Krise hat den wirtschaftlichen Druck auf Vereine stark erhöht. Sparkassenstiftungen überall im Land helfen mit Notprogrammen, denn sie wissen: Ohne ehrenamtlich engagierte Menschen wäre unsere Gesellschaft sehr viel ärmer. Die Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg stellt deshalb bevorzugt Azubis ein, die im Verein aktiv sind.

Rettung aus Lebensgefahr

Eigentlich retten die Mitglieder der DLRG im schleswig-holsteinischen Lütjenburg Menschen aus Lebensgefahr. Jetzt brauchen sie selbst dringend Hilfe. Geschlossene Bäder, keine Schwimmschüler, keine Wassergymnastik und keine Regatten, die sie als Sanitäter begleiten könnten: Durch die Corona-Pandemie sind den knapp 100 Vereinsmitgliedern von einem Tag auf den anderen die Hände gebunden – und dem Verein fehlen wichtige Einnahmen.

„Mit Unterricht und der Begleitung von Veranstaltungen finanzieren wir normalerweise unseren Verein, aber jetzt liegt alles danieder“, erzählt der stellvertretende Vorsitzende Marc Kielmann. „Die Kosten für unser Vereinsheim und die Fahrzeuge laufen trotzdem weiter.“ 

Ein DLRG-Mitarbeiter läuft am Strand
Die Lebensretter des DLRG Lütjenburg brauchen nun selbst Hilfe: Sie können nicht wie gewohnt arbeiten. Deshalb fehlen Einnahmen. Fotocredit: Tjark Petersohn

Chor, Sport, Kinderschutz – Vereine aus allen Bereichen brauchen Unterstützung

Gemeinsam mehr bewegen im Ehrenamt

In dieser Notlage sind viele Vereine, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern überall im Land. Für ihr Geschäftsgebiet hat die Stiftergemeinschaft der Förde Sparkasse mit Hauptsitz in Kiel einen Corona-Hilfsfonds über 120.000 Euro aufgesetzt, um betroffenen Vereinen rasch zu helfen.

77 gemeinnützige Projekte erhalten finanzielle Unterstützung, darunter Sportvereine, soziale Einrichtungen, gemeinnützige Initiativen für Kultur oder Bildung. Ein Chor ist dabei, der Förderverein eines Tierparks und ein Ortsverein des Deutschen Kinderschutzbunds.

„All diejenigen, die auch nach der Krise weiterhin mit viel Engagement dafür sorgen werden, dass dieser sehr wichtige Bereich unserer Zivilgesellschaft seine Funktion erfüllen kann, dürfen nicht vergessen werden“, sagt Carsten Zarp, Vorstand der Stiftergemeinschaft. Es sei originäre Aufgabe von Stiftungen, hier zu helfen.

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hat die Stiftergemeinschaft der Förde Sparkasse mit Hauptsitz in Kiel aufgebracht, um betroffenen Vereinen zu helfen.

Obdachlosenhilfe: Höherer Bedarf, aber weniger Kontakt

Auch der Verein „Hempels“ bekommt Geld aus dem Hilfsfonds. Er setzt sich für von Armut und Wohnungslosigkeit betroffene Menschen in Schleswig-Holstein ein, unter anderem mit der Produktion des Straßenmagazins „HEMPELS“ und einer Essensausgabe in der Landeshauptstadt Kiel.

Die Arbeit in der Wohnungslosenhilfe ist in der Krise nicht weniger geworden. Ganz im Gegenteil: „Es sind viele neue Gesichter dazugekommen“, sagt Geschäftsführer Lukas Lehmann, „unter anderem Menschen aus prekären Beschäftigungsverhältnissen, die nicht in Kurzarbeit geschickt, sondern entlassen wurden.“

Die Essensausgabe habe komplett neu organisiert werden müssen – zum Schutz der Gäste, von denen viele zur Hochrisikogruppe gehören, und zum Schutz der Helfer. Statt das Essen wie bisher bei drei Mittagstischen auszugeben, erhalten einige Gäste ihre Mahlzeiten nun auf dem weitläufigen Hof. Andere werden über Fahrdienste oder mit Carepaketen versorgt.

„Unheimlich viele Leute haben sich bei uns gemeldet, um uns ehrenamtlich zu unterstützen. Wir konnten gar nicht alle einsetzen“, erzählt Lehmann begeistert. Auch die Spendenbereitschaft sei gestiegen.

Hempels‘ wichtigste Einnahmequelle versiegte jedoch: „Wir haben 30.000 Euro weniger eingenommen, weil unser Magazin während der Corona-Hochphase nicht auf der Straße verkauft werden konnte und manche Verkäufer noch immer nicht arbeiten können.“ Auch die Schreibwerkstätten, die Mitarbeiter regelmäßig in Justizvollzugsanstalten anbieten, mussten ausfallen – und damit die Bezahlung. Das Geld von der Sparkassenstiftung helfe da etwas.

Zwei Mitarbeiter des Vereins "Hempels"
Mittagessen für Bedürftige: Die Essenausgabe von Hempels musste komplett neu organisiert werden, um Gäste und Helfer zu schützen. Fotocredit: Peter Werner

Corona zwingt zum Ausbau der digitalen Infrastruktur

Vereine haben nicht nur mit Einnahmeverlusten zu kämpfen, sie müssen auch ihre digitale Infrastruktur ausbauen. Denn plötzlich gilt es, die Organisation aus dem Homeoffice zu managen und neue Kanäle für den Kontakt zu Mitgliedern, Gästen und Kunden aufzubauen.

Um entsprechende Fördermittel der Braunschweigischen Sparkassenstiftung bewarben sich innerhalb weniger Tage mehr als 90 Vereine. Die Stiftung stellte kurzfristig 20.000 Euro für die Digitalisierung von Vereinen zur Verfügung – beispielsweise für Laptops, Video- und Soundsysteme oder Software.

Schulfördervereine meldeten sich genauso wie Schützenvereine, Initiativen aus der Flüchtlingshilfe ebenso wie die Freiwillige Feuerwehr. Auch viele Sportvereine waren dabei. 

Vereine haben große Bedeutung für das Miteinander

„Unser Geschäftsgebiet ist außerhalb von Braunschweig eher ländlich geprägt. Gerade dort haben Vereine eine große Bedeutung für das soziale Leben und das Miteinander“, sagt Werner Schilli, Vorstandsmitglied der Braunschweigischen Sparkassenstiftung. Umso wichtiger sei die schnelle Hilfe beim Entwickeln digitaler Lösungen.

Unterstützung von der Stiftung enthält auch der Verein Kreativregion e. V. „Wir bauen gerade ein Onlineportal für Freiberufler auf, damit sie darüber neue Auftraggeber finden können“, sagt Vereinsmitglied Jens Martens. „Die Idee hatte unser derzeitiger Präsident Andreas Cichon schon vor der Krise, aber jetzt wird eine solche Plattform umso dringender gebraucht. Freiberufler in Kreativberufen haben es gerade besonders schwer.“

Gemeinsam mit anderen Kreativen und Kulturschaffenden engagiert sich der PR-Fachmann Martens ehrenamtlich für die Belange seiner Branche. Das Netzwerken fällt in Zeiten von Kontakteinschränkungen nicht leicht. „Wir bieten inzwischen digitale Veranstaltungsformate an, auch wenn das nicht dasselbe ist wie persönliche Treffen“, sagt Martens.

Ein Mann trommelt auf Sieben auf einem öffentlichen Platz
Die Mitglieder des Vereins Kreativregion e. V. trommeln für die Belange von Freiberuflern, hier bei einer Veranstaltung vor Beginn der Corona-Pandemie. Fotocredit: Günter Poley

Mit VIP-Ticket zum Vorstellungsgespräch

Die soziale Kompetenz, die viele ehrenamtlich engagierte Menschen mitbringen, zeichnet sie meist auch im Job aus. Deshalb legt die Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg bei der Suche nach Auszubildenden den Fokus auf das ehrenamtliche Engagement von Bewerbern.

„Ehrenamt statt Schulnoten“ heißt das Konzept der Sparkasse. Konkret bedeutet das: Die Sparkasse vergibt VIP-Tickets an junge Bewerberinnen und Bewerber, die im Verein aktiv sind.

„Trainiert ein Kandidat junge Kicker im Fußballverein, engagiert er sich in der Freiwilligen Feuerwehr oder in einer Kindergruppe, bekommt er von uns das VIP-Ticket“, erklärt Sparkassenvorstand Dr. Patrick Kuchelmeister. „VIP-Ticket heißt, dass wir sie direkt ohne Eignungsprüfung einladen.“

Der übliche Weg über einen computerbasierten Einstellungstest entfällt für diese jungen Menschen. „Sie haben eben anders ausgeprägte, eher soziale Skills. Für uns ist der Mensch mehr als seine Noten. Deshalb ist das VIP-Ticket meine persönliche Herzensangelegenheit“, so Kuchelmeister.

„Ob unsere Bewerber sozial kompetent sind, können wir nur bedingt an ihren Noten erkennen“, betont er. Haben sie sich aber einige Jahre ehrenamtlich bewiesen, lasse das darauf schließen, dass sie gut mit Menschen umgehen können.

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betrugen die Ausschüttungen der Stiftungen im vergangenen Jahr.

Engagement zählt mehr als Einsen auf dem Zeugnis

Davon ist auch der Verantwortliche für die Ausbildung der Sparkasse überzeugt. „Natürlich reicht es nicht allein, wenn ein Bewerber in der Vereinsarbeit glänzt, aber weder rechnen noch schreiben kann“, sagt Sönke Brockmann.

Aber wenn er die Wahl zwischen zwei Bewerbern habe, einer mit Einser-Durchschnitt und keinerlei außerschulischen Interessen, der zweite mit einem Dreier-Durchschnitt, dafür aber in der Freizeit engagiert, bevorzuge er den zweiten, betont Brockmann.

Das könnte zwar bedeuten, dass die Ausbilder den Kandidaten enger begleiten müssten. „Ich glaube aber, dass am Ende der zweite Bewerber aufgrund seiner Persönlichkeit ein großer Mehrwert ist“, so der Ausbildungsleiter.

Die breite Förderung des Vereinslebens hat für die Niedersachsen noch einen weiteren Grund: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse sind mit mehr als 400 unterschiedlichen ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Region und ihrem Vereinsleben verankert. „Davon profitieren die Region und die Menschen, die hier leben – aber auch die Sparkasse“, betont Vorstand Kuchelmeister. Denn so sei das Institut in der gesamten Region vernetzt. 


Gesellschaft gestalten – mit Stiftungen

Etwa jede 28. Stiftung in Deutschland geht auf die Initiative der Sparkassen zurück. Mit 754 gemeinnützigen Stiftungen ist die Sparkassen-Finanzgruppe die stifterisch engagierteste Unternehmensgruppe in Deutschland.

Die Stiftungen unterstützen medizinische und soziale Einrichtungen wie etwa Seniorenheime, außerdem Sportvereine, Museen, Theater und unzählige weitere große und kleine Initiativen. Von den 432 Millionen Euro flossen im vergangenen Jahr mehr als 74 Millionen Euro als Stiftungsausschüttungen in verschiedene ehrenamtlich umgesetzte Initiativen und in nationale und internationale Projekte.

Aufgrund ihrer besonderen Bedeutung ehrt die Sparkassen-Finanzgruppe einmal jährlich herausragende kleinere Projekte mit dem Stiftungspreis DAVID. Das können Projekte sein, die besonders gut in die Region passen, Projekte mit Nachhaltigkeit und Vorbildcharakter, aber auch Projekte, die nicht viel Geld brauchen, um viel zu bewirken.