Die Rezession und ihre Herausforderungen

Kommt auf Deutschland ein wirtschaftlicher Einbruch zu – oder ist er schon da?

Das Leben kennt Höhen und Tiefen, die Wirtschaftsentwicklung auch. Gerade werden in Deutschland die Wachstumsprognosen aufgrund des Krieges in der Ukraine nach unten korrigiert. Dabei sah es vor kurzem ganz anders aus. Hier finden Sie aktuelle Fragen und Antworten zu dieser neuen Entwicklung.

Besorgter Gastwirt schaut aus dem Fenster

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Unsicherheit in Deutschland steigt, ob eine Rezession bevorsteht.
  • Mehrere Wirtschaftsexperten haben die Prognosen für das zweite Quartal 2022 nach unten korrigiert.
  • Durch den Krieg in der Ukraine mehren sich die Stimmen, die sagen, dass Deutschland ein Wirtschaftsabschwung bevorstehen könnte.

Noch Ende Januar 2022 erwartete die Bundesregierung, dass sich die deutsche Wirtschaft nach der Corona-Flaute erholen wird und das Bruttoinlandsprodukt um 3,6 Prozent wächst. Doch dann folgte am 24. Februar 2022 die russische Invasion in der Ukraine. Nun gehen Ifo-Forscher davon aus, dass dieser Krieg die Konjunktur dämpft: wegen der deutlich gestiegenen Rohstoffpreise, der Sanktionen und der Lieferengpässe bei Rohmaterialien.

Gleichzeitig fallen die Exporterwartungen – das drückt auf die Stimmung. So haben sich, laut eines Berichts des Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) von Mitte März 2022, die Erwartungen drastisch gesenkt: auf 2,1 Prozent. Der für das zweite Quartal erwartete Aufschwung wird sich also verschieben. Das klingt nach Abschwung, oder auch: Rezession. Viele Fragen bewegen in diesem Zusammenhang die Menschen:

Was ist eine Rezession?

Die Rezession ist eine von vier Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung: die Phase des so genannten Abschwungs. Stagniert die Summe aller Produkte und Dienstleistungen, die ein Land erwirtschaftet zwei Quartale hintereinander, so droht eine Rezession. Schrumpft die Wirtschaftsleistung, dann befindet sich die Gesellschaft mitten in einer Rezession. Maßstab für die Gesamtwirtschaft ist dabei das Bruttoinlandsprodukt (also der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft produziert werden) – kurz BIP genannt. Zum Vergleich dienen immer die jeweiligen Quartalszahlen vom Vorjahr.

Was ist der Unterschied zwischen Rezession und Inflation?

Eine Rezession ist ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität, kurz: die Wirtschaft schrumpft. Inflation bedeutet höhere Verbraucherpreise, vieles wird also teurer. Besonders kritisch ist die Stagflation (Stagnation und Inflation), eine Mischung aus fehlendem Wirtschaftswachstum und erhöhten Inflationsraten. Letzteres erschwert es dann beispielsweise den Zentralbanken, durch eine lockere Geldpolitik die Wirtschaft wieder anzukurbeln, weil sie Wert auf moderate Entwicklungen bei den Verbraucherpreisen legen.

Wie gefährlich ist eine Rezession?

Üblicherweise expandiert die Gesamtwirtschaft. Die Aufträge wachsen, die Einnahmen auch – das ist der wirtschaftliche Aufschwung. Das mögen die Menschen, das stärkt die Gesellschaft. Doch die volkswirtschaftliche Entwicklung eines Landes geht nicht nur aufwärts, sondern von Zeit zu Zeit auch abwärts. So befand sich Deutschland zuletzt in den Jahren 1993, 2008 und 2009 im Abschwung. In dieser Phase wachsen leider nicht mehr die Umsätze, sondern die wirtschaftlichen Probleme und Herausforderungen.

Manche sagen: „Es gibt kein Wachstum ohne Regen.“ Soll heißen: Es kann nicht immer nur aufwärts gehen. Und tatsächlich: Ein Abschwung ist nicht ungewöhnlich oder automatisch gefährlich, sondern gehört zum Wesen einer Entwicklung. Die Konjunktur, also der Zustand der Volkswirtschaft, wird ohnehin in diese vier unterschiedlichen Phasen geteilt.

Droht eine Rezession

Wie kommt es zu einer Rezession?

Für eine Rezession kann es völlig unterschiedliche Ursachen geben: Naturkatastrophen, Handelseinschränkungen, pandemische Situationen oder militärische Konflikte können beispielsweise eine Rezession auslösen. Auch Privatleute, die weniger konsumieren, oder Unternehmen, die nur sich nur noch zurückhaltend oder gar nicht mehr einbringen, hemmen das Wirtschaftswachstum.

Fehlende Kauflust, sinkende Produktionen, gebremste Investitionen und fallende Gewinne können also dazu führen, dass die Lagerbestände wachsen, die Arbeitslosenzahlen und die Kurzarbeit steigen, während zugleich die Preise und Zinsen sinken, die Aktien- und Börsenkurse fallen. Wenn weniger nachgefragt, weniger gekauft, weniger produziert, weniger investiert wird – führt das nicht nur zum Stillstand oder Stau, sondern zum Rückgang. Die Folge sind negative Zukunftsprognosen. 

Daran erkennt man eine Rezession:

Machen die Unternehmen nicht mehr so gute Geschäfte und nimmt die Nachfrage der Konsumenten ab, dann wird das Bruttoinlandsprodukt deutlich geschwächt. Schrumpft die Volkswirtschaft mehr als sechs Monate hintereinander – ist das ein Zeichen für eine Rezession.  

Was sind die Folgen einer Rezession?

Eine Rezession, also ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität, kann sich mild oder sehr stark auswirken. Entsprechend deutlich können die Unterschiede sein. In manchen Fällen ist eine Rezession für die meisten Menschen kaum spürbar – in anderen Fällen steigt die Arbeitslosigkeit deutlich an, Firmen reagieren mit Änderungskündigungen, müssen Kurzarbeit oder Insolvenz anmelden. Für Privatpersonen kann eine Rezession mit persönlichen Einschränkungen einhergehen – denn es können Lohn- oder andere Einnahmen wegfallen, zugleich bleiben die Kosten für Miete, Verträge und andere Verpflichtungen weiterhin bestehen. Sie müssen also in solchen Zeiten besonders auf ihre Ausgaben achten.

Was bedeutet eine Rezession für Deutschland?

Generell steht Deutschland wirtschaftlich gut da und könnte im Krisenfall ein umfangreiches Konjunkturpaket schnüren, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln. Im Kleinen ist das mit dem am 24. März 2022 verkündeten Energie-Entlastungspaket zu beobachten.


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Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Kommt auf Deutschland eine Rezession zu? Oder ist sie vielleicht schon da?

Rein volkswirtschaftlich betrachtet scheint Deutschland bereits in einer milden Rezession zu sein. In unserem Hauptszenario gehen wir davon aus, dass Deutschland in diesem und im kommenden Jahr solide wachsen wird, um 1,5 Prozent im laufenden Jahr beziehungsweise 2,9 Prozent im kommenden. Allerdings sind die Prognoserisiken aktuell deutlich größer als gewöhnlich.

Wird durch den Krieg in der Ukraine eine Wirtschaftskrise ausbrechen?

Solange der Krieg nicht auf andere Länder ausgeweitet wird, sollten die rein wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges beherrschbar sein. Im Falle einer längeren Unterbrechung der russischen Energieversorgung dürfte es vorübergehend zu spürbaren wirtschaftlichen Belastungen kommen. Dann dürfte die wirtschaftliche Aktivität auch im zweiten Quartal schrumpfen und im Gesamtjahr 2022 das Bruttoinlandsprodukt in etwa stagnieren.

Kurzarbeit könnte in diesem Fall zunehmen und damit den Anstieg der Arbeitslosenquote deutlich abfedern. Aber Marktwirtschaften passen sich an neue Rahmenbedingungen an: Innerhalb kurzer Zeit dürften Produktionsstrukturen aufgebaut sein, die ohne Rohstoffe aus Russland auskommen.

Welche Aktien soll man bei einer Rezession kaufen? Und wie sieht es mit Aktien von einheimischen Unternehmen aus?

Die USA sind vom Ukraine-Krieg weniger stark betroffen und könnten sich bei einer hierdurch ausgelösten Rezession vergleichsweise besser entwickeln, zudem ist der US-Aktienmarkt von der Struktur weniger zyklisch als der europäische. Im Falle einer Rezession sollten sich defensive Aktien wie Versorger, Grundkonsum oder Pharma besser schlagen als von der wirtschaftlichen Entwicklung stärker abhängige Aktien, sogenannte Zykliker. Hierzu zählen vor allem die Sektoren Industrie, zyklischer Konsum (Auto-Aktien sind ein Teil hiervon) und Finanzen.

Solange keine globale Rezession absehbar ist, erscheinen vor allem Energieaktien attraktiv (niedrige Bewertung, hohe Dividendenrenditen, Profiteure des hohen Ölpreises). Generell gilt unverändert, dass vor allem in Krisenzeiten ein über Vermögensklassen, Regionen und Sektoren breit gestreutes Portfolio seine Stärken auszahlen sollte. Anlegerinnen und Anleger tun gut daran, langfristig zu denken und die Phase der Unsicherheit durchzustehen.

(Stand: 28.03.2022)


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