Der Quereinstieg in eine neue Karriere boomt

Der Fachkräftemangel erleichtert eine berufliche Umorientierung

Deutsche Unternehmen suchen dringend Fachkräfte – aber der Arbeitsmarkt ist in manchen Bereichen wie leergefegt. Auch Behörden und Institutionen stellt der akute Fachkräftemangel vor Probleme. Im Wettbewerb um neue Arbeitskräfte eröffnen private Unternehmen und öffentliche Dienststellen immer häufiger auch fachfremden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern – sogenannten Quereinsteigern – neue berufliche Chancen. 

Mann erklärt etwas an Flipchart

Das Wichtigste in Kürze:

  • Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind gesucht – denn Fachkräfte sind „Mangelware“
  • Ein Quereinstieg kann persönliche Chancen eröffnen – auch jenseits von bislang erworbenen Qualifikationen
  • Ein Quereinstieg ist in vielen Branchen und Berufen möglich – etwa als Lehrkraft im Schuldienst, im IT-Bereich oder in der Beratung von Banken und Sparkassen

Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger gehören keiner seltenen Spezies mehr an. In immer mehr Unternehmen gehören sie heute selbstverständlich dazu – auch jenseits der dafür klassischen Branchen wie Werbung und Medien. Vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erscheint ein Quereinstieg in einem neuen Berufsfeld zudem möglich und sogar attraktiv: Etwa, weil der bisherige Job weniger erfüllend als gedacht ist oder nicht mehr den ursprünglichen Vorstellungen entspricht.

Ursächlich für den Wunsch nach beruflicher Neuorientierung kann auch Unzufriedenheit über eng begrenzte Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten im ausgeübten Beruf sein oder die Erfahrung, dass in einer Branche Arbeitsplätze und damit auch persönliche Chancen schwinden. 

Was sind typische Jobs für Quereinsteiger?

Für einen Quereinstieg eignen sich in erster Linie Tätigkeiten, deren Berufsbezeichnung nicht geschützt ist und für die man sich „on the job“ qualifizieren kann. Als typische Branchen für Quereinstiege gelten traditionell Tätigkeiten, die „irgendwas mit Medien“ zu tun haben, wie beispielsweise Journalismus, Public Relations (PR), Werbung. Auch das weite Feld der Beratungs- und Vertriebs- sowie Managementtätigkeiten lässt sich hier verorten.

Weiterhin bieten Unternehmen und Institutionen in diesen Branchen Quereinsteigern gute Aufstiegs- und Verdienstchancen. Ein zunehmend wichtiger Bereich mit guten Quereinstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind soziale und medizinische Pflegeberufe, gerade auch für Menschen ohne Hochschulabschluss. Ob in der Kranken- oder in der Altenpflege, der Bedarf an zusätzlichen Kräften ist in beiden Berufsfeldern riesig.

Arbeitnehmermarkt öffnet neue Berufsfelder für den Quereinstieg

Aufgrund des branchenübergreifenden akuten Fachkräftemangels in Deutschland öffnen sich zunehmend weitere Berufsfelder für Quer- und Seiteneinsteigerinnen, die lange nur einschlägig qualifizierten Personen vorbehalten waren. Besonders hoch ist heute der Bedarf an IT-Fachkräften, nicht nur in der IT-Branche. Viele Firmen, Behörden und andere Institutionen bieten hier Bewerberinnen und Bewerbern mit fachfremden Berufshintergründen eine Chance zum Quereinstieg, sogar ohne Vorkenntnisse in Informatik oder Coding.

Bei erfolgreicher Weiterbildung oder Aneignung der erforderlichen Kenntnisse winken hier gute Verdienstmöglichkeiten. Stets von Vorteil – nicht nur für angehende IT-Fachkräfte – sind gute Schul-, Berufs- und Hochschulabschlüsse sowie alle anderen Vorkenntnisse und Qualifikationen, auf die sich neues Fachwissen aufbauen lässt.

Klar ist: Ein Branchenwechsel erfordert persönlichen Mut. Denn wer den Quereinstieg in ein neues Betätigungsfeld wagt, muss sich im neuen Job mit jenen messen, die eine einschlägige berufliche Ausbildung vorweisen können. Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen mit Managementaufgaben und Geistes- oder sozialwissenschaftlichem Studium stehen in direkter Konkurrenz zu Menschen mit kaufmännischen oder wirtschaftswissenschaftlichen Qualifikationen. 

Geschütze Berufe: Kein Anschluss für Quereinsteiger

Nach wie vor eignen sich nicht alle Berufe und Branchen für einen Quereinstieg. Vor allem Tätigkeiten mit einer geschützten Berufsbezeichnung wie Arzt- und Ingenieureberufe, Psycho- und Physiotherapeutin bzw. -therapeut oder Rechtanwältinnen und -anwälte. Hier sind die entsprechenden Ausbildungen und Abschlüsse nachzuweisen. 

Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen fürs Lehramt gesucht

Angesichts des akuten und erwarteten Mangels an Lehrkräften in allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen ermöglichen heute die meisten Bundesländer Quereinsteigern einen Wechsel ins Lehramt – ganz ohne Referendariat und Staatsexamen. Die Möglichkeit zum Quereinstieg ins Lehramt gilt als unverzichtbar, um den Bedarf zu decken. Bis 2035 werden an den Schulen in unserem Land wenigstens 23.800 Lehrerinnen und Lehrer fehlen, prognostiziert die Kultusministerkonferenz. 

Bewerberinnen und Bewerber, die einen Hochschulabschluss in einem MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) auf Master- bzw. Diplomniveau vorweisen können – oder ein Fach studiert haben, das einem bestimmten Mangelschulfach zuordenbar ist und vielleicht sogar über einen Master of Education-Abschluss verfügen – dürfen sich gute Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung ausrechnen.

Fehlende pädagogische Kenntnisse werden in der Regel nachgeschult. Alle Bundesländer – ausgenommen das Saarland – haben heute Programme für den Berufsumstieg zur Lehrerin oder zum Lehrer an einer Grundschule, Berufsschule oder einem Gymnasium. Aber Achtung: Schulangelegenheiten fallen in die Zuständigkeit der Bundesländer. Deshalb gelten für den Quer- bzw. Seiteneinstieg in den Schuldienst Zugangsvoraussetzungen, die je nach Bundesland sehr unterschiedlich ausfallen können.

Beruflicher Quereinstieg in der Sparkassen-Finanzgruppe – die besondere Karrierechance

Angesichts des branchenübergreifenden Fachkräftemangels freuen sich auch viele der 363 Sparkassen, der Landesbanken und weitere Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe über qualifizierte und qualifizierbare Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Branchen. Die Sparkassen-Finanzgruppe bietet Quereinstegerinnen und Quereinsteigern zahlreiche interessante und anspruchsvolle Tätigkeiten sowie gute Möglichkeiten zur Weiterbildung und aussichtsreiche Karrierepfade. Gesucht werden Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger u.a. für Karrieren in den Bereichen Beratung/Kundenservice und Kreditanalyse.

Hier erfahren Sie mehr über Chancen für einen Quereinstieg in einer Sparkasse oder einem anderen Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe.

Häufige Fragen und Antworten

Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger – mitunter wird auch von Seiteneinstieg gesprochen – wechseln ihre berufliche Richtung, ohne dafür die übliche Ausbildung zu durchlaufen. Der Umstieg erfolgt dabei aus einem gelernten und in der Regel bereits ausgeübten Beruf heraus, ob mit abgeschlossener Ausbildung oder Studium.

Nicht als Quereinstieg gilt ein Jobeinstieg oder Unternehmenswechsel nach einer Umschulung, einem Lehrgang oder nach einer zweiten Ausbildung bzw. Zweitstudium in einem angestrebten Berufsfeld. Auch wer „on the job“ bzw. nachträglich formale Schlüsselqualifikationen im neuen Berufsfeld erwirbt, sollte nicht mehr als Quereinsteigerin oder Quereinsteiger angesehen werden.

Klassische Branchen für den Quereinstieg sind Medien, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bzw. Public Relations. Eine gute Allgemeinbildung mit Abitur, Ausbildung und hohe Motivation reichten und reichen vielfach als Qualifikation für eine Einstiegschance aus. Auch ein nicht zu Ende geführtes Studium muss hier kein Hindernis für eine erfolgversprechende Karriere sein.

Von Quereinsteigern wird viel erwartet – erhalten sie doch vom neuen Arbeitgeber eine Art Vertrauensvorschuss in ihre Fähigkeiten. Informieren Sie sich ausführlich über den neuen Beruf und die neue Branche. Schildern Sie bei einer Bewerbung Ihre Motivation für den angestrebten Jobwechsel. Benennen Sie Ihre Qualifikationen und erläutern Sie, warum diese für Ihre Arbeit im neuen Job und für das einstellende Unternehmen von Vorteil sind. So zeigen Sie, dass Sie den Quereinstieg tatsächlich wollen. Motivierte und verantwortlich handelnde Bewerber/Innen haben bei Bewerbungen die besten Chancen.

Quereinsteiger werden derzeit in vielen Branchen gesucht, besonders dringlich in sozialen Dienstleistungsbereichen und im der IT-Branche. Auch Schulen, Behörden und Institutionen wie zum Beispiel die Bundeswehr ermöglichen Interessierten zunehmend den beruflichen Quereinstieg. Prinzipiell ist ein Quereinstieg in allen Branchen und Berufen möglich. Eine bedeutende Ausnahme bilden die gesetzlich geschützten Berufe und Berufsbezeichnungen/ Berufstitel. Für deren Ausübung bzw. Führung sind bestimmte formale Qualifikationen vorgeschrieben. Geschützte Berufsbezeichnungen gibt es in Deutschland in großer Zahl, zum Beispiel Arzt/Ärztin, Erzieher/in, Steuerberater/in oder Polier/in.

(Stand: 10.06.2022)


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