Energiepreisexplosion: So viel Geld sollten Mieterinnen und Mieter zurücklegen

Haushalten drohen hohe Nachzahlungen

Die Energiekosten steigen seit Jahresbeginn massiv an – eine Entspannung ist derzeit nicht in Sicht. Der Ukraine-Krieg hat die Gas-, Öl- und Strompreise zusätzlich nach oben getrieben. Mieterinnen und Mietern drohen trotz des milden Winters hohe Nachzahlungen. Wie Sie jetzt am besten vorsorgen und sinnvoll handeln.

Frau liest eine Rechnung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Aufgrund der gestiegenen Energiepreise erwartet vielen Mieterinnen und Mietern mit der nächsten Betriebskostenabrechnung eine hohe Nachzahlung.
  • Viele Vermietende verlangen bereits jetzt höhere Abschläge. Mieterinnen und Mieter sind dazu allerdings nicht verpflichtet.
  • Wichtig ist es, wo es geht, sich rechtzeitig finanziell zu wappnen und Energie zu sparen.

Jeder Miethaushalt in Deutschland bekommt einmal im Jahr eine Nebenkostenabrechnung – in der Regel mit dem Abrechnungszeitraum des vorangegangenen Kalenderjahres. Den größten Kostenpunkt dabei machen die Energiekosten aus. An die hohen Nachzahlungen des laufenden Jahres, die erst 2023 fällig werden, denken schon jetzt viele Mieterinnen und Mieter. Wer die Möglichkeit hat, sollte anfangen, dafür etwas Geld beiseitezulegen.

Trotz mildem Winter – Ausgaben für die aktuelle Heizperiode sind stark gestiegen

Der vergangene Winter war einer der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung, teilt der Deutsche Wetterdienst mit. Der Heizbedarf der Menschen ist demnach zwischen September 2021 und April 2022 im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Finanzielle Vorteile ergeben sich für Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten daraus allerdings kaum. Es gibt zudem deutliche Unterschiede bei den Ausgaben zwischen Haushalten mit Gas- und Ölheizung.

Für die aktuelle Heizperiode (September bis März) zahlen Gaskundinnen und -kunden im Durchschnitt 15 Prozent mehr. Für eine Familie mit Gasheizung sind das im Durchschnitt 1402 Euro. 182 Euro mehr als im Vorjahr, wie Berechnungen des Vergleichsportals Verivox ergaben.

Personen, die ihre vier Wände mit Öl erwärmen, müssen aktuell sogar mit 78 Prozent mehr an Kosten rechnen. Das entspricht durchschnittlichen Mehrkosten für Heizöl von rund 694 Euro.

Im Geldbeutel bemerkbar machen werden sich die Preisanstiege bei den meisten Menschen erst bei der nächsten Betriebskostenabrechnung ihrer Vermieterin oder des Verwalters.

Mieter- und Vermietervertreter warnen gleichermaßen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), der Verband Haus & Grund aber auch Wohnungskonzerne wie Vonovia haben bereits davor gewarnt, dass aufgrund der stark steigenden Energiekosten durch den Ukraine-Krieg noch in diesem Jahr, spätestens aber 2023, auf Privathaushalte hohe Nachzahlungen von Nebenkosten zukommen werden.

Die Nachzahlungen könnten für manche Mieterinnen und Mieter bis zu zwei Monatsmieten ausmachen, so Rolf Buch, Chef von Vonovia, Deutschlands größtem Wohnungskonzern, im „Spiegel“. Das würde vor allem für einkommensschwächere Haushalte eine hohe finanzielle Zusatzbelastung bedeutet.

Diese Kosten könnten auf Sie zukommen

Wie hoch die Nebenkosten für den Energieverbrauch genau ausfallen werden, lässt sich nur schätzen. Erste Berechnungen lassen erahnen, welche finanziellen Belastungen auf Singles, Paare und Familien zukommen können. Je nach Verbrauch und Größe der Wohnung müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mit mehr als dem Doppelten ihrer Heizkosten zwischen April 2021 und April 2022 (bis zu 110 Prozent) rechnen:


Musterhaushalt mit 1 Person Heizkosten 2021      Heizkosten 2022
30-Quadratmeter-Wohnung    Gas: 325 Euro
Öl: 235 Euro
Gas: 572 Euro
Öl: 494 Euro
50-Quadratmeter-Wohnung Gas: 391 Euro
Öl: 309 Euro
Gas: 717 Euro
Öl: 650 Euro
80-Quadratmeter-Wohnung     Gas: 496 Euro
Öl: 309 Euro
Gas: 910 €
Öl: 433 €
Musterhaushalt mit 2 Personen Heizkosten 2021 Heizkosten 2022
50-Quadratmeter-Wohnung    
Gas: 496 Euro
Öl: 433 Euro
Gas: 956 Euro
Öl: 910 Euro
80-Quadratmeter-Wohnung    
Gas: 654 Euro
Öl: 618 Euro
Gas: 1306 Euro
Öl: 1300 Euro
100-Quadratmeter-Wohnung Gas: 763 Euro
Öl: 742 Euro
Gas: 1543 Euro
Öl: 1560 Euro
Musterhaushalt mit 4 Personen Heizkosten 2021 Heizkosten 2022
80-Quadratmeter-Wohnung Gas: 763 Euro
Öl: 742 Euro
Gas: 1543 Euro
Öl: 1560 Euro
100-Quadratmeter-Wohnung Gas: 932 Euro
Öl: 927 Euro
Gas: 1889 Euro
Öl: 1951 Euro
120-Quadratmeter-Wohnung Gas: 1041 Euro
Öl: 1051 Euro
Gas: 2120 Euro
Öl: 2.211 Euro

(Quelle: Focus online/Verivox)


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Prozent

aller Haushalte zahlen zu viel Heizkosten. (Quelle: co2online)


Kosten abfedern und vorbeugen

Bis die nächste Nebenkostenabrechnung im Briefkasten liegt, dauert es bei den meisten noch eine Weile. Zeit, die Sie nutzen sollten, um Ihre Haushaltsplanung anzupassen und wenn möglich Geld zurückzulegen.

Ein bisschen einsparen können sie auch, indem Sie im Haushalt Stromfresser identifizieren, energiesparend heizen, kochen oder waschen.  Nutzen Sie unsere Energiespartipps. Nach Angaben der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online zahlen 90 Prozent aller Haushalte zu viel Heizkosten und hätten ein durchschnittliches Einsparpotenzial von 490 Euro.

Mit dem Heizkostenrechner können Sie ihr persönliches Sparpotenzial ermitteln.

Unterstützung durch Entlastungspaket für Verbraucherinnen und Verbraucher

Vor allem einkommensschwache Bürgerinnen und Bürger sollen ab Sommer 2022 von einem umfangreichen Energieentlastungspaket profitieren. Die Maßnahmen beinhalten unter anderem zusätzliches Energiegeld für einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige, eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, das 9-Euro-Ticket für den ÖPNV und den Regionalfernverkehr sowie einen Kinderbonus.

Vor allem für Geringverdienerinnen und Geringverdiener werden diese Entlastungen vermutlich nicht ausreichen. Die Energiepreispauschale wiederum greife weder bei Rentnerinnen und Rentnern noch bei Minijobberinnen und Minijobber, sagte der Leiter der VZBV, Thomas Engelke, zum „Handelsblatt“  und fordert Nachbesserung der Maßnahmen.

Erste Vermieter verlangen höhere Nebenkostenabschläge

Auch Vermieterinnen und Vermieter belasten die hohen Energiekosten. Um nicht auf unbezahlten Rechnungen für Öl-, Gas- oder Fernwärme sitzen zu bleiben, wollen einige bereits im laufenden Abrechnungsjahr höhere monatliche Vorauszahlungen von Mieterinnen und Mieter, so der Deutsche Mieterbund.

Als Mieterin oder Mieter sind sie nicht verpflichtet, der Forderungen höherer Abschläge im Voraus nachzukommen. Eine Erhöhung sollte immer auf der Grundlage der Nebenkostenabrechnung erfolgen, dann haben Vermieter und Vermieterinnen Anspruch darauf, heißt es auf der Website des Berliner Mietervereins. Sei eine Nachzahlung fällig, könne eine Erhöhung von bis zu 30 Prozent vertretbar sein.

Eine angemessene Erhöhung der Vorauszahlungen könne aber im Einzelfall sinnvoll sein, vor allem dann, wenn die Abschläge von vornherein zu eng kalkuliert sind.

Besser sei es, sofern Mieterinnen und Mieter dazu wirtschaftlich in der Lage seien, für den Ernstfall Geld zu sparen. Sie sollten zudem das Gespräch mit Vermietenden suchen und sich frühzeitig um einvernehmliche Lösungen kümmern, beispielsweise Ratenzahlungen, sagt Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund.

Kostenkalkulation kann helfen

Über die genannten Maßnahmen hinaus gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten, die Kostenwelle abzuwehren. Hilfreich für eine ungefähre Kalkulation Ihrer individuellen Nachzahlung kann auch der Nachzahlungsrechner der Stiftung Warentest sein. Den müssen Sie allerdings selbst mit den wichtigsten Daten füttern. Sie brauchen dazu die letzte Heizkostenabrechnung und müssen bei der Vermieterin oder dem Vermieter den aktuellen Öl- oder Gaspreis erfragen. Das Ergebnis ist nur ein Richtwert und muss bei jeder Heizöllieferung oder Gaspreiserhöhung neu berechnet werden.

(Stand: 9. Mai 2022)


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