Investitionen im Gesundheitswesen – für die neueste Technik

Eine gute digitale Infrastruktur braucht innovative Finanzierungslösungen und starke Partner

Kostendruck, immer kürzere Innovationszyklen und steigender Wettbewerb sind heutige Herausforderungen der Leistungserbringer im Gesundheitswesen. Eine gut funktionierende digitale Infrastruktur ist auch hier künftig das A und O – und mit enormen Kosten verbunden. Investitionsentscheidungen sollten wirtschaftlich sinnvoll sein und gleichermaßen den Patientinnen und Patienten zugutekommen. Doch wie können diese hohen Investitionen finanziert werden?

Bekannte Technologien wie auch die vielversprechenden Technologien der künstlichen Intelligenz starten durch den Digitalisierungskatalysator „Corona“ jetzt richtig durch.
Jan Mariß, Radiologe und Geschäftsführer von RadMedics

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Digitalisierung im Gesundheitswesen gilt als eines der vielversprechendsten Vorhaben zur besseren Gesundheitsversorgung der Bevölkerung wie auch zur Kostendämmung.
  • Viele Kliniken und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland haben nach wie vor großen Digitalisierungsbedarf.
  • Staatliche Fördermittel kombiniert mit Finanzierungslösungen externer Expertinnen und Experten sowie Investitionspartnerinnen und -partner können die Digitalisierung in der Branche vorantreiben.
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Millionen

digitale Sprechstunden wurden im Jahr 2020 angeboten und in Anspruch genommen

Medizinische Angebote werden digitaler

Dass die Digitalisierung auch im Gesundheitswesen enorm wichtig ist, zeigte sich zum Beispiel im Jahr 2020 durch das stark zugenommene Angebot von Videosprechstunden der Ärzte und Ärztinnen aufgrund der Corona-Maßnahmen. Zwischen März und Dezember wurden rund 2,5 Millionen digitale Sprechstunden in Anspruch genommen. Im Vorjahreszeitraum waren es knapp 3000, wie der „Tabellarische Trendreport 2020“ des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland zeigt.

Doch mit der technischen Ausstattung für Videosprechstunden allein ist es nicht getan. Oft scheitert die Anschaffung moderner Geräte oder digitaler Technik, die das Gesundheitswesen digital voranbringen würde, an der Finanzierung. Neue Behandlungsansätze oder ein verbessertes Zusammenspiel von medizinischem Personal sowie Patientinnen und Patienten können folglich nicht ausreichend gewährleistet werden.

Fakt ist, die aktuelle Corona-Situation hat die Bedeutung einer guten digitalen Infrastruktur, die Verbesserung von Prozessen sowie von Krisen- und Risikomanagement im operativen Geschäft der Gesundheitsbranche noch einmal herausgestellt.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Wie in vielen anderen Bereichen bekommen die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit auch im Gesundheitswesen einen immer höheren Stellenwert. Die digitale Transformation in der Gesundheits- und Medizinbranche hat zwar bereits vor Corona begonnen, aufgrund der besonderen Herausforderungen durch die Pandemie aber einen weiteren Schub erhalten.

Im Gesundheitswesen gilt die Digitalisierung als eines der vielversprechendsten Vorhaben zur optimaleren Gesundheitsversorgung der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land. Moderne medizinische Geräte und Technologien bis hin zur künstlichen Intelligenz können die Diagnostik sowie die Behandlung von Patientinnen und Patienten verbessern und ermöglichen neue Therapieansätze. Gleichzeitig sollen Investitionen in die Digitalisierung des Gesundheitswesens folglich die hohen Kosten senken.

Bestehende und künftige Herausforderungen wie die zunehmende Alterung der Bevölkerung, der anhaltende Fachkräftemangel oder die Unterversorgung in strukturschwachen Regionen verlangen nach innovativen und an die Bedingungen angepasste Rahmenbedingungen der Gesundheitsversorgung in Deutschland.



Erfolgreiche Investitionen in Digitalisierung senken die Fixkosten und steigern die Effizienz

Durch eine funktionierende digitale Infrastruktur könnten einerseits bestimmte Gesundheitsausgaben enorm reduziert werden. Bis zu 34 Milliarden Euro hätten beispielsweise im Jahr 2018 eingespart werden können – rund 12 Prozent der Gesamtkosten von Versorgung und Gesundheit in Deutschland – wäre im Gesundheitswesen bereits stärker digital gearbeitet worden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Andererseits führt eine digitale Infrastruktur zu einer starken und nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Gesundheitsanbieter.

Gesetzgeber verschafft Krankenhäusern digitales Update

Viele Kliniken und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland haben nach wie vor großen Digitalisierungsbedarf. Trotz der Einführung der elektronischen Patientenakte werden vielerorts Patientendaten und Dokumentationen noch auf Papier erfasst, Prozesse nicht sauber dokumentiert.  Andererseits bedarf es bei digital erfassten sensiblen Informationen von Patientinnen und Patienten Schutz vor Angriffen von außen. Auch Störungen oder Ausfälle der IT können wichtige medizinische Behandlungsprozesse beeinträchtigen und die Gesundheit der Bevölkerung gefährden.

Die digitalen Nachholmaßnahmen bedeuten allerdings erhebliche finanzielle Anstrengungen – das hat auch der Gesetzgeber erkannt. Durch das Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) mit zeitlich eng gestecktem Rahmen soll die Digitalisierung im Gesundheitssektor zügig vorangetrieben werden. Insgesamt steht bis Ende 2021 ein Fördervolumen von 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung – drei Milliarden Euro vom Bund, weitere 1,3 Milliarden Euro sollen Länder und Krankenhausträger beisteuern.

Duales Krankenhausfinanzierungssystem

Krankenhäuser werden in Deutschland in der Regel durch ein duales Finanzierungssystem getragen. Das heißt, die Bundesländer übernehmen die Investitionskosten ihrer Krankenhäuser (z. B. für die Errichtung von Gebäuden, den Erwerb von neuen Geräten), die in den Krankenhausplan aufgenommen wurden. Die Krankenkassen und selbst zahlende Patientinnen und Patienten wiederum finanzieren mit den für ihren Krankenhausaufenthalt zu entrichtenden Entgelten die Betriebskosten (z. B. Personal, Gebäudeerhaltung, Verbrauchsgüter).

Investitionsmaßnahmen im Krankenhausbereich sind nach dem Prinzip der dualen Finanzierung also Aufgabe der Länder. Bereits seit Anfang der 90er-Jahre ist allerdings ein Rückgang der Ländermittel für Krankenhausinvestitionen zu verzeichnen, der sukzessive eine enorme Investitionslücke gerissen hat.

Die Fördermittel des KHZG werden für die notwendigen Digitalisierungsprojekte allerdings nicht ausreichen. Ein Vorteil des Gesetzes sind die möglichen Schnittstellen zu privatwirtschaftlichen Expertinnen und Experten sowie Investitionspartnern.

Best Practice – innovative Finanzierungslösungen durch starke Investitionspartner

Um selbst kleinste medizinische Auffälligkeiten oder Verletzungen in schwierig zu untersuchenden Körperbereichen aufzuspüren, bedarf es zum Beispiel in der diagnostischen Radiologie modernster Hightech-Geräte.

RadMedics ist einer der größten Praxisverbunde für radiologische und strahlentherapeutische Leistungen mit 13 Standorten in Deutschland. Die dazugehörigen Praxen decken neben moderner Schnittbilddiagnostik mit MRT und CT auch Leistungen wie konventionelles Röntgen, Durchleuchtung, Mammographie, Ultraschalldiagnostik sowie die interventionelle Radiologie ab. Um die Menschen auf hohem medizinischem Niveau zu untersuchen, investiert RadMedics ständig in die neueste Technik – und das ist kostspielig.

Für eine Investition holte sich der Radiologe und Geschäftsführer dieses Praxisverbunds, Jan Mariß, beispielsweise Hilfe von starken Partnern aus der Sparkassen-Finanzgruppe.

KI wird über verschiedene Algorithmen, neuronale Netzwerkstrukturen und selbstlernende Logiken die Radiologie und die übrige Medizin revolutionieren.
Jan Mariß, Radiologe und Geschäftsführer von RadMedics

KI wird die Medizin revolutionieren

Der Arzt schaffte für die zum Verbund gehörende Radiologiepraxis des Krankenhauses Eichhof im hessischen Lauterbach ein Premium-MRT-Gerät an, um die dort angebotenen CT- und Röntgenuntersuchungen weiter auszubauen. Es gibt derzeit lediglich zwei dieser Art in Deutschland. Was das Gerät so besonders macht, ist die verbaute Software mit künstlicher Intelligenz (KI). Bei der Bilderstellung können selbst kleinste medizinische Abweichungen oder Anomalien in schwierig zu untersuchenden Körperbereichen aufgespürt werden. Das erleichtert die Früherkennung und macht künftige Therapieansätze fortschrittlicher. Das MRT-Gerät sticht außerdem durch seine große Öffnung hervor – eine Erleichterung vor allem für Platzangstpatientinnen und -patienten.

„KI werde über verschiedene Algorithmen, neuronale Netzwerkstrukturen und selbstlernende Logiken die Radiologie, aber auch die übrige Medizin revolutionieren“, ist sich Mariß sicher.

Starkes Tandem in der Finanzierung

Die Deutsche Anlagen-Leasing (DAL), ein Unternehmen der Deutschen Leasing, finanzierte das innovative MRT-Gerät über einen Mietkauf. Zusätzlich band sie in die Finanzierung staatliche Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit ein – das sogenannte Globaldarlehen. Im Gegensatz zum Abschluss eines klassischen Förderkredits ist die Abwicklung der staatlich bezuschussten Finanzierung ohne großen Aufwand möglich: „Die KfW macht es uns und unseren Kundinnen und Kunden hier recht leicht, da sich die Verträge mit KfW-Globaldarlehen bis auf ein zusätzliches Dokument praktisch wie Standardverträge abwickeln lassen. Das stellt neben den niedrigen Zinskonditionen einen weiteren großen Vorteil dar“, sagt Cristian Diete, Finanzierungspezialist für den Bereich Gesundheitswesen bei der DAL.

Attraktive Refinanzierungsmittel für Unternehmen

Das KfW-Paket der DAL können Unternehmen in Deutschland, die sich mehrheitlich im Privatbesitz befinden sowie Freiberuflerinnen und Freiberuflern in Anspruch nehmen. Beispielsweise haben niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus der Radiologie und Strahlentherapie, Orthopädie, der Zahnheilkunde sowie private Medizinische Versorgungszentren (MVZ) die Möglichkeit, von den Fördermitteln zu profitieren und bleiben somit in der Gesundheitsbranche wettbewerbsfähig.


Wie steht es um die digitale Transformation im Gesundheitswesen wirklich?

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Nachgefragt bei
Dr. Jan Mariß
Radiologe und Geschäftsführer von RadMedics

Herr Dr. Mariß, Sie sind nicht nur Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie, sondern zugleich Unternehmer und Manager und führen eine der größten Radiologiepraxen in Deutschland, die RadMedics GmbH. Wie müssen sich Laien Ihren Berufsalltag zwischen Medizin und Management vorstellen?

Im Gegensatz zu dem Beginn meiner Karriere arbeite ich nicht mehr 100 Prozent medizinisch. Aktuell habe ich meine Arbeit im Verhältnis 1:1 hinsichtlich Medizin und Management aufgeteilt. Dabei bin ich an circa 2 bis 3 Tagen medizinisch tätig, um Lücken zu füllen – und das bewusst an unterschiedlichen Standorten, um den Kontakt nicht zu verlieren. Genauso wichtig sind mir jedoch die Weiterentwicklung, Vereinheitlichung und Digitalisierung unserer Prozesse.

Der Autor und Blogger Sascha Lobo schreibt Radiologinnen und Radiologen in Bezug auf den digitalen Wandel eine Art Avantgarde-Funktion innerhalb des Gesundheitssystems zu. Der Bereich der Radiologie macht aus seiner Sicht die größten Fortschritte durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Sie investieren ständig in neueste Technik für RadMedics, kürzlich auch in ein hochmodernes MRT-Gerät, das mit künstlicher Intelligenz (KI) arbeitet. Welches Potenzial sehen Sie in KI für Ihren Fachbereich, wo stößt die digitale Technologie an ihre Grenzen?

Möglicherweise hat die Medizin in Bezug auf KI aktuell das größte Entwicklungspotenzial. Hier wurde – auch speziell in der Radiologie – in den letzten Jahren viel auf Kongressen über KI und Co. gesprochen. Im operativen Geschäft ist davon bisher aber noch relativ wenig angekommen.

Wenn man bedenkt, dass wir bereits vor mehr als 10 Jahren über computerassistierte Detektion (CAD) von pulmonalen Rundherden (eine von Lungengewebe umgebene, scharf abgegrenzte, mehr oder weniger runde Verschattung, Anm. d. Red.). gesprochen haben, ist es etwas irritierend, dass diese Technologie in der radiologischen Normalpraxis nach wie vor selten vertreten ist. Die Entwicklung weist starke Ähnlichkeiten zur Elektromobilität der letzten 10 Jahre auf. Jeder kennt sie, jeder spricht darüber, aber an der Umsetzung scheitert es meistens. Bis zum Beginn der Corona-Pandemie. Mein Eindruck ist, dass bekannte, aber auch die vielversprechenden Technologien der KI mit dem Digitalisierungskatalysator „Corona“ jetzt richtig durchstarten. Start-ups sprießen aus dem Boden wie Pilze. Es geht gerade erst richtig los.

Welche Folgen hat die zunehmende Digitalisierung tatsächlich für Ihre tägliche Arbeit? Inwiefern werden sich die Anforderungen an Radiologinnen und Radiologen ändern?

In Zukunft sehe ich die Hauptstärken in der Senkung der Untersuchungszeiten bei unveränderter Bildqualität, erhöhte Bildqualität bei gleichen Untersuchungszeiten und vor allem in einer verbesserten Befunderhebung. Durch KI-Algorithmen wird dem Radiologen oder der Radiologin wegweisend in der Bildbetrachtung geholfen, sodass durch Wiedererkennung von Mustern suspekte Befunde vormarkiert werden, die dann durch den erfahrenen Radiologen beziehungsweise die erfahrene Radiologin plausibilisiert, gewertet und entsprechend freigegeben oder verworfen werden. Der Radiologe der Zukunft wird also von einem befundenen Ackergaul zu einer Art Diagnoseprüfer werden, was Qualität und Effizienz maßgeblich verbessern kann.

Der Einsatz moderner Anlagen, wie zum Beispiel des MRT-Gerätes, führt nicht nur zu einer präziseren Diagnostik und zu Therapien auf Basis der Nutzung und Analyse großer Datenmengen, sondern bringt auch wirtschaftliche Vorteile. Wie genau sehen die in Ihrem Fall aus?

Stand heute können die Geräte bei gesenkter Untersuchungszeit (im Schnitt unter 10 Minuten bei Standarduntersuchungen in nativer Untersuchungstechnik) mit sogar leicht verbesserter Bildqualität zu besseren Befunden führen. Dies führt in der Regel zu Untersuchungsslots von 15 Minuten, was bei sinkender Vergütung den wirtschaftlichen Fortbestand sichert. Leider wird die Investition in moderne Technik und Weiterentwicklung nicht durch das Gesundheitssystem gewürdigt, was sicherlich ein Thema für die nächste Bundesregierung sein könnte.

Hierbei müssten insbesondere meist nicht radiologische Facharztgruppen näher unter die Lupe genommen werden, die mit Niedrig-Tesla-Geräten und mit veralteter Technik sich Privatpatienten häufig selbst zuweisen und hiermit die 10-fache Vergütung von Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erwirtschaften. Somit leidet nicht nur die Qualität, sondern es fällt auch die Mischkalkulation aus, die wiederum für Investitionen in die Qualität wichtig ist.

Was sind die größten Chancen der Digitalisierung für die Gesundheitsbranche in den nächsten fünf bis zehn Jahren und wo liegen die größten Herausforderungen?

Die Erforschung neuer Technologien und die konsequente Weiterentwicklung der Digitalisierung sind die Voraussetzung zur Etablierung und Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz, was wiederum die Grundlage für den Fortbestand der Radiologie darstellt. Diese Entwicklung wird auch dem Umstand eines zunehmenden Fachpersonalmangels entgegenzusetzen sein. Eine weitere Entwicklung – nicht nur in der Radiologie – ist ein Paradigmenwechsel bei Ärztinnen und Ärzten – Stichwort Work-Life-Balance! Auch Ärztinnen und Ärzte haben begriffen, dass das Leben endlich ist, durch Digitalisierung nicht länger wird und das Familienleben und die Natur ein noch höheres Gut darstellen. Da kann ich nicht widersprechen.