Studienabbruch – und dann?

Studienabbruch – und dann? Von enttäuschten Erwartungen und dem Weg zum beruflichen Neuanfang

Sich weiter durch das Studium quälen oder irgendwann einen Schlussstrich ziehen? Vor dieser Entscheidung stehen mehr Studentinnen und Studenten, als man glaubt. In Deutschland brechen rund ein Drittel Ihr Studium ab. Doch welche Perspektiven gibt es in diesem Fall? 

Porträt Dimitry Artemenko
Interview mit
Dimitry Artemenko
Kundenberater im Bereich Privatkunden

Dimitry Artemenko: Studienabbrecher. Dimitry Artemenko: Neudurchstarter. Der 29-Jährige brach sein Studium ab. Dann machte er bei der Sparkasse eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Heute ist er Kundenberater im Bereich Privatkunden bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Wir haben mit ihm über das schwierige Thema Studienabbruch gesprochen.

Herr Artemenko, warum haben Sie studiert?

Ich kam vor 13 Jahren aus familiären Gründen aus der Ukraine nach Deutschland. Ich wohnte in einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt und machte Abitur. Danach entschied ich mich für das Studium der Wirtschaftsmathematik in Dresden. 

Warum haben Sie Ihr Studium abgebrochen?

Das Vordiplom hatte ich schon in der Tasche, nach knapp drei Jahren Studium. Dann kam die böse Überraschung: Mein Studium hatte plötzlich einen klaren Fokus auf Informatik. Ich sollte plötzlich fünf Programmiersprachen beherrschen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Vor allem: Mir liegt Programmieren überhaupt nicht. Das hat mir letzten Endes das Genick gebrochen. Vor allem, weil ich von einem Studium etwas ganz Anderes erwartet hatte. 

Sind Sie in ein Loch gefallen, als Sie gemerkt haben: ‚Das ist nichts für mich‘?

Langfristig bedrückt hat es mich nicht. Ich bin von Natur aus Optimist! Aber klar: Eine einfache Entscheidung war das nicht, diese drei Jahre einfach so wegzuschmeißen. Schließlich hatte ich viel in das Studium investiert. Aber ich habe mir dann die Frage gestellt: Bringt mir das Studium etwas für das, was ich später auch wirklich machen möchte, selbst wenn ich den Abschluss schaffe? 

Was haben Familie und Freunde zu Ihrer Entscheidung gesagt?

Alle hatten Verständnis für meine Entscheidung. Was mir auch sehr geholfen hat: Einer meiner Freunde hatte ein ganz ähnliches Schicksal und hat sein Studium abgebrochen. Mit ihm konnte ich mich damals sehr gut austauschen. Auch er hat dann einen anderen Weg eingeschlagen, eine Ausbildung gemacht und ist damit sehr glücklich. 

Wie ging es für Sie weiter?

Ich habe mich schon immer für das Finanzwesen interessiert. Außerdem hatte ich genug vom theoretischen Wissen und wollte endlich etwas Echtes, etwas Praktisches machen. Und, ganz klar: Ich wollte auch endlich Geld verdienen! 

Warum sind Sie ausgerechnet zur Sparkasse gekommen?

Seit ich denken kann, bin ich Kunde bei der Sparkasse. Deshalb habe ich mich dort nach Karrieremöglichkeiten umgeschaut. Das war übrigens die einzige Bewerbung, die ich geschrieben habe. 

Was wussten Sie über die Sparkasse?

Ich habe als Vorbereitung für mein Interview recherchiert, und für mich wurde klar: Hier stimmt das Gesamtpaket. Der öffentliche Auftrag, der soziale Gedanke, das hat mich überzeugt. Für mich ein klarer Unterschied zu Privatbanken und mir ungeheuer wichtig. Ohnehin ist die Sparkasse ein sehr attraktiver Arbeitgeber. Ich finde es wichtig, dass man sich mit seinem Arbeitgeber identifizieren kann. Die Sparkasse ist die erste Bank, an die man denkt. 

Und dort wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Was die Ausbildung angeht: Ich hatte es vorher gelesen und ich kann das bestätigen: Die Vorbereitung auf das Berufsleben ist top!

Haben Ihnen Ihre Erfahrungen im Studium bei der Sparkasse geholfen?

Ich bin etwas reifer an die Sache herangegangen, weil ich schon Erfahrungen gesammelt hatte. Vor allem beim Zeitmanagement war ich schon weiter als andere – ich war einfach schon ein wenig besser organisiert. Auch wenn manche das vielleicht denken: Bei dem dualen System mit Schule und Praxis ist nicht alles vorgegeben, sondern es erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation. Das habe ich schon mitgebracht.

Aber auch inhaltlich waren mir einige Dinge schon vertraut. Das betrifft vor allem die wirtschaftlichen Themen in der Berufsschule wie Rechnungswesen und Buchführung. Da hatte ich schon Vorkenntnisse. 

Wie ging Ihr Weg weiter nach der Ausbildung?

Nachdem ich meine Prüfungen sehr gut abgeschlossen habe, hat mir die Sparkasse direkt eine unbefristete Stelle in der Hauptfiliale in Dresden angeboten. Ich bin im Moment Berater im Bereich Privatkunden. Das macht mir sehr viel Spaß!

Wissen Sie schon, wie es bei Ihnen beruflich weitergeht?

Darüber mache ich mir natürlich meine Gedanken und ich habe auch schon Pläne. Nahe liegen die Weiterbildungen zum Bankfachwirt und zum Betriebsfachwirt. Ich will ja schließlich nicht stehen bleiben.

Solche Weiterbildungen ermöglichen die Entwicklung zum Senior Berater oder zu anderen Führungspositionen. Deshalb werde ich demnächst einen von diesen Studiengängen berufsbegleitend angehen. Ich will das lieber früher als später beginnen, bevor ich zu lange vom Studieren weg bin.

Was ich sehr gut finde: Bei der Sparkasse kann ich meine eigenen Förderungspotentiale erkunden und sehen: Wofür bin ich besonders geeignet? 

Was würden Sie Studienabbrechern raten, wenn sie sich beruflich neu orientieren?

Das ist eine wichtige Entscheidung, aber: Habt keine Angst davor, euch neu zu orientieren! Vertraut einfach darauf, dass eure Entscheidung richtig ist. Dann klappt auch alles.

Haben Sie es nie bereut, Ihr Studium abgebrochen zu haben?

Alles was passiert, passiert aus einem Grund. Ich denke nicht an die Zeit zurück in diesem Sinn: Hätte ich doch dies oder jenes anders gemacht. Es gab einfach bestimmte Erfahrungen, die ich machen musste. Das hat mir den wichtigen Einblick und Durchblick verschafft. Von daher sage ich: Es war die richtige Entscheidung. Das Studium ist für mich also rückblickend keine verschwendete Zeit. Ich bin vielmehr als Persönlichkeit gereift.