Pfandleihe: So funktioniert’s

Das sind die Vor- und Nachteile

Die Pfandleihe ist ein Geschäftsmodell aus der Antike. Lange hing ihr ein zwielichtiger Ruf an. Dabei ist sie in Deutschland seit vielen Jahrzehnten reguliert und sehr seriös. Seit einigen Monaten boomt das Geschäft mit dem schnellen Kleinkredit für persönliche Wertgegenstände wieder. Aber warum nutzen Menschen die Pfandleihe, anstatt zu einer Sparkasse oder einer Bank zu gehen? Und wie genau funktioniert sie?

Euroscheine in Männerhand davor Goldschmuck auf einem Tisch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Angesichts der aktuell hohen Inflation haben immer mehr Menschen finanzielle Probleme.
  • Viele von ihnen besorgen sich im Pfandleihhaus unkompliziert ohne Bonitätsprüfung Geld, um kurzfristig zahlungsfähig zu sein.
  • Die Zinsen und Gebühren eines Pfandkredits können aber so hoch sein, dass ein regulärer Kredit die bessere Lösung ist.

Pfandkredite boomen wieder

Sobald sie das Wort Pfandleihe hören, denken viele Menschen an Wucherer in dunklen Hinterzimmern, die Geld zu Horrorzinsen gegen persönliche Wertgegenstände verleihen. Dabei handelt es sich dabei um ein ebenso einfaches wie seriöses Geschäftsmodell: Wer schnell und unbürokratisch Bargeld braucht, kann im Pfandleihhaus einen Wertgegenstand hinterlegen. Dafür werden eine monatliche Gebühr sowie festgelegte Zinsen fällig. Sobald man das geliehene Geld zurückzahlt, gibt's den hinterlegten Gegenstand zurück.

Außerdem gibt es in Deutschland schon seit mehr als 50 Jahren die sogenannte Pfandleiherverordnung. Sie stellt sicher, dass kein Interesse daran bestehen kann, den Wert einer Ware zu sehr zu drücken. Denn der Verdienst der Pfandleihhäuser über die Zinsen und Gebühren orientiert sich an diesem Auszahlungsbetrag.

Wegen der hohen Inflation – vor allem der Preissteigerung von Lebensmitteln und Strom – boomt dieses Geschäftsmodell wieder. Laut der Statistikplattform Statista ist der Zulauf an Neukunden und -kundinnen in diesem Jahr um rund 30 Prozent angestiegen. Zuletzt waren Pfandkredite zu Zeiten der Weltfinanzkrise 2008 und in den Folgejahren so stark nachgefragt.

Tipps und Ratschläge für den Gang ins Pfandleihhaus

Ein Pfandkredit eignet sich, um kurzfristig und unbürokratisch einen finanziellen Engpass zu überbrücken. Im Gegensatz zu anderen Krediten spielt die Bonität, also Zahlungsfähigkeit, keine Rolle. Außerdem entfällt die Nachfrage bei Kreditauskunfteien wie der Schufa. Aber: Der finanzielle Gegenwert, also der Auszahlungsbetrag hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

Neben der Art der Wertsache spielen auch die individuellen Konditionen des jeweiligen Pfandhauses eine Rolle. In der Regel können die Verpfänderin oder der Verpfänder mit 40 bis 70 Prozent des aktuellen Marktwertes rechnen. Manchmal erhalten Sie aber auch nur ein Viertel bis die Hälfte des derzeitigen Verkaufswerts.

So funktioniert die Pfandleihe

  • Sie gehen ins Pfandleihhaus und legen einen Wertgegenstand als mögliches Pfand vor.
  • Voraussetzung ist, dass Sie volljährig sind und sich mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass ausweisen können.
  • Außerdem muss der Pfandgegenstand Ihr persönliches Eigentum und vollständig bezahlt sein.
  • Ein sogenannter Taxator oder eine Taxatorin begutachtet den Gegenstand und macht ein Angebot über die Höhe des Pfandkredits sowie über Zinsen und Gebühren.
  • Wenn Sie mit dem Betrag und den Konditionen einverstanden sind, wird ein Pfandschein erstellt und Sie erhalten Ihr Geld umgehend in bar.
  • Sobald Sie Ihren Pfandkredit zuzüglich der angefallenen Zinsen und Gebühren zurückzahlen, erhalten Sie Ihr Pfand wieder.
  • Lösen Sie Ihr Pfand nicht innerhalb der vereinbarten Laufzeit aus, wird es versteigert.
  • An einem eventuellen Gewinn werden Sie beteiligt.

Von A bis Z: Diese Wertgegenstände können Sie beleihen

Viele Kundinnen und Kunden möchten nur Schmuck oder Uhren beleihen. Aber die Pfandleihhäuser nehmen auch andere Gegenstände an. Viele von ihnen sind auf bestimmte Wertsachen spezialisiert. Es gibt sogar Auto-Pfandleihhäuser, um Autos oder Motorräder zu beleihen.

Im besten Fall bekommen Sie bis zu 80 Prozent des Autozeitwertes sofort ausgezahlt. Orientiert wird sich dabei an den marktüblichen Listenpreisen. Der Auszahlungsbetrag kann sich weiter erhöhen, wenn Sie als Kreditnehmerin oder Kreditnehmer das Auto in einem gepflegten Zustand abgeben und ein Checkheft nachweisen können. Und: Durch das Sale-and-Rent-Back-Verfahren können Sie Ihr Auto weiter nutzen.

Übliche Gegenstände für die Pfandleihe sind unter anderem:

  • Armbanduhren
  • Autos
  • Bilder
  • Brillantschmuck
  • Edelmetallbarren und handelsübliche -münzen
  • Fahrräder
  • Ferngläser
  • Fernsehgeräte
  • Goldschmuck
  • Großuhren besonderer Marken
  • Heimwerkergeräte
  • Kameras
  • Luxusartikel renommierter Marken (Handtaschen, Koffer, Portemonnaies)
  • Motorräder
  • Musikinstrumente
  • Notebooks
  • Pelzkleidung
  • Porzellan
  • Silberwaren
  • Spiele-Konsolen
  • Taschenuhren
  • Weine renommierter Weingüter
  • Zigarrenabschneider aus Edelmetall

Vorteile der Pfandleihe

Wenn Sie dringend Geld benötigen, ist der Pfandkredit ein schneller und unkomplizierter Weg, um kurzfristig Bares zu erhalten. Sie beleihen einen Gegenstand ohne weitere Risiken einzugehen. Dafür benötigen Sie weder einen Einkommensnachweis noch die Schufa-Auskunft. Der Pfandkreditvertrag zwischen beiden Parteien sieht einen Zinssatz vor, der sich an banküblichen Konditionen orientiert. Auch der Zeitraum ist gesetzlich vorgegeben und beträgt drei Monate. Das Pfand bleibt während der vereinbarten Laufzeit Ihr Eigentum. Es wird ordnungsgemäß verwahrt und ist sogar versichert – gegen Feuer, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl und Raub.

Nachteile der Pfandleihe

Als Kreditnehmerin oder Kreditnehmer sollten Sie besonders auf die Gebühren achten. Sie können vom jeweiligen Pfandleihhaus frei gestaltet werden. Müssen Sie Ihren Pfandkredit mehrmals verlängern, wird dieser schnell unrentabel: Durch Zinsen und Gebühren ergibt sich häufig ein effektiver Jahreszins von etwa 40 Prozent oder mehr.

Sind die drei Monate abgelaufen und Sie sind nicht in der Lage, Ihren Wertgegenstand auszulösen, also den vereinbarten Betrag zurückzuzahlen, geht Ihr Eigentum an das Pfandhaus über. In der Regel wird es im Rahmen einer Auktion verkauft. Daher eignet sich ein Pfandleihgeschäft vor allem für Personen, die überschaubare Finanznöte überbrücken müssen.

Alternative: Ratenkredit

Generell sollten Sie überlegen, ob Sie auf bestimmte Gegenstände, wie etwa Unterhaltungselektronik oder Markenkleidung beziehungsweise Luxusartikel, dauerhaft verzichten können – und sie eher verkaufen. Zudem ist es ratsam abzuwägen, ob sich die finanzielle Lage in den kommenden Wochen wirklich so sehr verbessert, dass Sie die Wertsachen wieder auslösen können.

Als mittel- bis langfristige Lösung empfiehlt sich auf jeden Fall ein regulärer Ratenkredit bei Ihrer Sparkasse oder Bank. Der ist zwar mit mehr Bürokratie verbunden. Aber er wird in der Regel auch schnell ausbezahlt – und ist in vielen Situationen sehr viel günstiger. Außerdem kann Ihnen eine persönliche Kreditberatung dabei helfen, sich vor Überschuldung oder Privatinsolvenz zu schützen.

(Stand: 08.11.2022)


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