Ciao Kakao: Drohen leere Schokoladenregale?

Harte Zeiten für Naschkatzen in Aussicht

Eis, Schokolade und Pralinen: Die Süßwarenindustrie warnt, dass es aufgrund des Krieges in der Ukraine zu Lieferengpässen kommen könnte. Allerdings erst in den Sommermonaten. Osterhasen müssen sich keine Sorgen machen. Hauptgrund, weshalb es zu Schwierigkeiten kommen könnte, ist eine wichtige Zutat, das Bindemittel Sonnenblumenlecithin. Auch Herstellung, Verpackung und Transport bieten Hürden.

Kleiner Junge mit schokoladenverschmiertem Mund

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zur Herstellung von Süßwaren wird ein Bindemittel benötigt. Dafür wird zu großen Teilen Sonnenblumenlecithin verwendet, dass aus der Ukraine importiert wird.
  • Für die Produktion muss eine lückenlose Energieversorgung gewährleistet werden. In den meisten Fällen mit Gas, dass zu großen Teilen aus Russland kommt.
  • Werden alternative Emulgatoren verwendet, müssen Verpackungen neu beschriftet werden. Aufgrund von Materialknappheit bangt die Branche.

Es gibt zu wenig Sonnenblumenlecithin

Bastian Fassin, Vorsitzender des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), warnt vor leeren Süßwarenregalen in den kommenden Monaten. Der Hauptgrund: In den meisten Naschereien wird der Emulgator Sonnenblumenlecithin verarbeitet. Er sorgt dafür, dass sich Fett und Wasser verbinden. Das Lecithin wird aus Sonnenblumenkernen gewonnen – doch 80 Prozent jenes Rohstoffs kommen aus der Ukraine. Nun fallen die gewohnten Lieferungen aus.

Schokoladenzutaten sind teurer geworden

Durch den Krieg in der Ukraine sind auch die Preise für Weizen, Zucker, Öl und Milch gestiegen. Das sind wichtige Zutaten – gerade für die Produktion von Schokoladen – und seit einiger Zeit auch echte Preistreiber.

Energieversorgung der Süßwarenherstellung

Deutschland ist Europas Süßwarenhersteller Nummer Eins. Die Branche hat jedoch keinen Anspruch, immer ausreichend mit Energie versorgt zu werden, da sie aktuell nicht als systemrelevant gilt. Sollte das Gas knapp werden, droht ein kompletter Produktionsstillstand. Gas ist für die meisten Unternehmen ein unumgänglicher Energieträger. Sollten zukünftig Rationierungen für Gas verordnet werden, müsste die Süßwarenindustrie als systemrelevante Branche eingestuft werden. So würde die Energieversorgung erhalten bleiben. Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) betonte sich dafür einsetzen zu wollen, die Landwirtschaft und die gesamte Lebensmittelindustrie als systemrelevant einzuordnen.

Die Verpackung entscheidet

Glück im Unglück: Firmen können für das nötige Bindemittel auch auf Soja- und Rapslecithin ausweichen. Das kann ausreichend produziert oder importiert werden. Sollten durch die neuen Rezepturen keine Gefährdungen für Verbraucher und Verbraucherinnen entstehen, rät das Bundesagrarministerium Unternehmen, vorhandene Spielräume bei der Etikettierung zu nutzen.

Das Lebensmittelrecht schreibt eine korrekte Volldeklaration auf Verpackungen vor. Andernfalls dürfen Lebensmittel nicht verkauft werden. Um eine Verpackung mit neuen Angaben zu drucken, sind jedoch 6 bis 12 Monate Vorlauf nötig, während Verpackungsmaterial gerade sehr knapp und teuer ist. Deshalb empfiehlt das Bundesagrarministerium den Unternehmen, bestehende Etiketten zu überkleben, damit nicht eine gesamte Branche zeitgleich auf die Änderungen reagieren muss.

Kosten für Transport und Auslieferung

BDSI-Chef Bastian Fassin äußerte sich auch zum Transport des Naschwerks. Die Preise für Container hätten sich verdreifacht, sodass der Container teils mehr kostet als der Inhalt. Ein weiterer Faktor, der sich auf die Preisentwicklung auswirkt.

Auf ein Osterfest ohne Schokohasen und bunte Eier müssen Sie sich aber nicht einstellen. Süßwaren für die kommenden Wochen sind bereits produziert und in den Geschäften erhältlich. Und wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit einer Tüte bunter Gummitierchen?

(Stand: 11.04.2022)


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