Bestellungen aus Großbritannien, China & Co werden teurer

E-Commerce: Das ändert sich bei der Einfuhrumsatzsteuer

Günstige Handyhüllen aus China, Pflegeprodukte aus Großbritannien oder exklusive Lebensmittel aus den USA – für Bestellungen von Online-Händlern aus dem EU-Ausland gibt es viele Gründe. In Zukunft müssen sich Käuferinnen und Käufer allerdings auf höhere Kosten einstellen. Die bisherige Freigrenze von 22 Euro bei der Einfuhrumsatzsteuer entfällt. Stattdessen gilt der reguläre Mehrwertsteuersatz. Hier erfahren Sie, welche Gründe dahinterstecken, und mit welchen Auswirkungen Sie rechnen müssen.

Ein Mann reicht einer Frau ein Paket an der Haustür

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit dem 1. Juli werden bei Waren, die weniger als 22 Euro kosten und nicht aus dem europäischen Inland stammen, 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen. Für Bücher und Lebensmittel gilt ein Steuersatz von sieben Prozent.
  • Die Europäische Kommission stoppt damit steuerrechtliche Bevorzugungen von ausländischen Versandhändlern, schützt Kundinnen und Kunden vor versteckten Zusatzkosten und verhindert Steuerbetrug. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, für die der alte Steuersatz gilt.
  • Die Zoll- und Finanzgesellschaft (BDZ) steht der Änderung kritisch gegenüber, da mit einem deutlichen Mehraufwand für Zollbeamte gerechnet werden müsse. 

Höherer Umsatzsteuersatz bei niedrigpreisigen Bestellungen

Sollten Sie Waren aus einem Nicht-EU-Land bestellen, müssen Sie künftig mit höheren Preisen rechnen. Die bisherige Freigrenze von 22 Euro entfällt bei der Einfuhrumsatzsteuer. So werden beispielsweise für eine Schallplatte aus den USA mit einem Wert von 20 Euro zukünftig 23,80 Euro fällig. Die Besteuerung von Büchern und Lebensmitteln bleibt mit sieben Prozent geringer.

Schutz vor steuerrechtlichen Bevorzugungen, versteckten Kosten und Steuerbetrug

Die Europäische Kommission sieht in der Regelung den Vorteil, steuerrechtliche Bevorzugungen von ausländischen Unternehmern zu beenden. Zuvor konnten Händler aus einem Nicht-EU-Land im Inland ansässige Wettbewerber unterbieten. Außerdem soll die Neuregelung Kundinnen und Kunden vor versteckten Zoll- und Lieferkosten schützen. Wenn Sie in Zukunft also aus dem Nicht-EU-Ausland bestellen, können Sie davon ausgehen, dass Ihnen der finale Endpreis angezeigt wird. Dadurch lassen sich Preise einfacher vergleichen.

Zusätzlich wird Steuerbetrug vorgebeugt. In der Vergangenheit wurde die Freigrenze oftmals dafür missbraucht, das Zollamt zu täuschen. Pakete mit teureren Waren wurden als niedrigpreisige Sendungen gekennzeichnet. Den dadurch entstandenen Schaden schätzt die EU-Kommission auf sieben Milliarden Euro jährlich.

Ausnahmen sind möglich

Der Paketdienstleister DHL weist darauf hin, dass Ausnahmen möglich sind. Diese greifen, falls der Warenwert so gering ist, dass die anfallende Einfuhrumsatzsteuer weniger als einen Euro ausmacht. Bis zu einem Warenwert von 5,23 Euro verzichtet der Zoll auf die Erhebung der Abgaben. Wenn Sie Waren von einem Online-Händler bestellen, der bereits in der EU registriert ist und die anfallende Mehrwertsteuer in einen EU-Mitgliedstaat abführt, entfällt die Einfuhrabgabe ebenso.

Auch können für Sie Kosten bei der Lieferung anfallen. Dies geschieht, wenn der Versender die steuerliche Leistung nicht im Voraus gezahlt hat. In diesem Falle verlangt DHL nach eigenen Angaben die fällige Steuer beim Empfänger des Pakets. Dazu kommt noch eine Auslagepauschale von sechs Euro.

Kritik seitens der Zoll- und Finanzgesellschaft (BDZ)

Die Zoll- und Finanzgesellschaft steht der Änderung kritisch gegenüber. Grund dafür ist der deutliche Mehraufwand, mit dem Zollbeamte nun rechnen müssen. Laut BDZ werden mehr als 100 Millionen zusätzliche Sendungen zur Zollabfertigung anfallen.

(Stand 06.07.2021)


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