9-Euro-Ticket 2.0 – wann es kommt, was es kostet

Der Finanzierungsstreit geht in die nächste Runde

Für 27 Euro drei Monate lang deutschlandweit unbegrenzt reisen – so günstig war der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) noch nie. Das 9-Euro-Ticket hats möglich gemacht – das ist nun passé. Rund 52 Millionen Mal wurde das Rabattticket erworben – ein Verkaufsschlager. Die Bundesregierung plant im Rahmen des dritten Entlastungspakets ein ähnliches, aber deutlich teureres Nachfolgeticket. Der aktuelle Stand im Überblick.

Mann steht auf einem Bahnhof und schaut aufs Handy

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das 9-Euro-Ticket ist ausgelaufen und kommt so günstig nicht zurück.
  • Laut Regierung könnte es ab Januar 2023 ein bundeseinheitliches Nachfolgemodell des 9-Euro-Tickets für den Nahverkehr geben – bei einer gleichverteilten Mitfinanzierung der Länder.
  • Diese Pläne sorgen bei Letzteren bereits für Widerstand.

Kommt das 9-Euro-Ticket 2.0?

Das beliebte 9-Euro-Ticket soll ein Nachfolgemodell bekommen. Am 12. Oktober wollen sich der Bund und die Länder auf der Verkehrsministerkonferenz dazu einigen.

Das Ticket soll bestenfalls ab Januar 2023 gültig sein. Die Bundesländer sind sich darüber einig, einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket mitzufinanzieren. Dazu müsste jedoch deutlich mehr Geld des Bundes als die bisher geplanten 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Bundesverkehrsminister Volker Wissing begrüßte die Bereitschaft, stellte bisher jedoch keine weiteren finanziellen Mittel in Aussicht.



Wie viel wird das neue Ticket kosten?

Das Ticket soll sich laut Bundesregierung in einer Preisspanne zwischen 49 und 69 Euro bewegen. Der finale Preis muss noch mit den Bundesländern verhandelt werden. Am wahrscheinlichsten sei ein Preis von 60 Euro, wie das Nachrichtenportal „Business Insider“ aus Koalitionskreisen erfuhr.

Ein Ticket im Wert von 49 Euro, wie es beispielsweise die SPD vorschlägt, würde für die Stadtgebiete teils erheblichen Rabatt bedeuten. In Hamburg (Ersparnis: 65,30 Euro), Köln (Ersparnis: 60,70 Euro) und Nürnberg (Ersparnis: 45 Euro) würden die Menschen am meisten Geld sparen.

Weniger lohnen würde sich so ein Rabattticket in München (Ersparnis: 10,10 Euro) und Bremen (Ersparnis: 18,80 Euro).

Bevölkerungsbefragung: So viel darf ein Nachfolgeticket kosten

Ein Großteil der Bevölkerung wäre grundsätzlich bereit, einen Preis von rund 50 Euro für eine Nachfolgelösung des 9-Euro-Tickets zu zahlen. Das ergab die Studie „Mobilität.Leben“  der Technischen Universität München (TUM). Die Zahlungsbereitschaft hänge dabei vor allem von der individuellen finanziellen Situation der Menschen ab. Personen mit höheren Einkommen können sich laut der Studie vorstellen, bis zu 15 Euro mehr im Monat zu bezahlen als Menschen mit niedrigeren Einkommen.

Struktur des neuen Tickets – jetzt auch für Fernbusse

Das Nachfolgeticket soll sich in seinen Grundeigenschaften wenig vom 9-Euro-Ticket unterscheiden. Das Monatsabo soll deutschlandweit im Nah- und Regionalverkehr gelten und auch digital buchbar sein.

Das alte 9-Euro-Ticket galt in Linien- aber nicht in Fernbussen. Die Fahrgastzahlen in Fernbussen seien in den drei Sommermonaten wegen des günstigen Tickets massiv eingebrochen – teils bis zu über 60 Prozent, beklagten Anbieter laut Branchenverband der privaten Busunternehmen.

Flixbus hat als erstes Busunternehmen jetzt bekannt gegeben, sein nationales Fernbusangebot für Nutzerinnen und Nutzer eines Nachfolgetickets der 9-Euro-Variante bereitzustellen. Gespräche mit der Politik in Bund und Ländern laufen. Das Unternehmen wolle damit die Lücke zwischen Regional- und Fernverkehr schließen. Vor allem im ländlichen Raum, wo der Fernbus oft die einzig verfügbare Alternative zum Pkw sei, entstünde dadurch künftig ein Mehrwert für Millionen Menschen.

Ab wann kommt das Nachfolgeticket?

Wann genau das neue Ticket eingeführt wird, steht noch nicht genau fest. Volker Wissing setzt auf eine zügige Klärung: „Unser Ziel ist, zu Beginn des Jahres 2023 ein neues Ticket zu haben“, sagte der Verkehrsminister am 6. September im Bundestag.

Die Frage ist, wann und wie sich Bund und Länder einigen – und da liegt die Krux. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) hat in diesem Zusammenhang auf die angespannte Finanzlage vieler Länder verwiesen und rechnet daher mit "intensiven Gesprächen mit dem Bund“. "Für das Saarland gilt: Wir haben an keiner Stelle Geld übrig, sagte sie der "Rheinischen Post". Die Einnahmesituation des Bundes sei deutlich komfortabler als die der Länder.

Bayern hat als erstes Bundesland bereits die Bremse angezogen. „Wenn der Bund das haben will, muss der Bund das finanzieren“, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland einen Sprecher des bayerischen Verkehrsministeriums.

Auch Verbraucherschutz sieht Bund in der Pflicht

Auch die Verbraucherschützerinnen und -schützer sehen den Bund in dieser Angelegenheit in der Pflicht. Notfalls müsse der Bund allein ein Rabatt-Ticket finanzieren, sagte Ramona Pop, Leiterin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, dem "Tagesspiegel".  "Wir hatten uns gewünscht, dass es ab September ein bundesweit gültiges 29-Euro-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr gibt." Jetzt werde das Gezerre zwischen Bund und Ländern losgehen, wer wie viel bezahlt. Das könne dauern.

Die Hauptstadt geht Voraus

Berlin führt fernab der nationalen Pläne bereits in zwei Wochen einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket ein. Von Oktober bis Dezember können Berliner und Berlinerinnen im Abo-Modell für 29 Euro monatlich Bus und Bahn fahren. Entgegen der ursprünglichen Planung schließt sich Brandenburg nicht an. Laut des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg gilt das Ticket für den Tarifbereich AB – also den Stadtkern. Pendlerinnen und Pendler aus dem Umland profitieren deswegen nicht von dem Ticket.

(Stand: 21.09.2022)


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