Wie aus Nichts ein Weltall entsteht

Statt Anzug oder Kostüm tragen die Auszubildenden der Sparkasse Essen einmal im Jahr Blaumänner und Sicherheitsschuhe. Dann bestimmen vier Tage lang Säge, Bohrer und Hammer ihren Alltag. Denn in dieser Zeit bauen sie seit mittlerweile zwölf Jahren Spielplätze auf den Schulhöfen der ehemaligen Bergbaustadt. Aber die Azubis der Sparkasse Essen sind nicht die einzigen, die für Schulen und Kindergärten in ihren Kommunen in den Blaumann steigen.

Am fünften Tag sind alle überwältigt. Schuldirektorin Birgit Kuth-Widera und der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen stehen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Volker Behr auf einer improvisierten Bühne auf dem Schulhof und halten Dankesreden. Vor ihnen erstreckt sich dort, wo eine Woche zuvor noch nackter Teer war, ein Weltall-Spielplatz. Die 44 Auszubildenden im ersten Lehrjahr, Schüler, Lehrer und Eltern der Parkschule hören ihnen aufmerksam zu.

 

Vier erlebnisreiche Tage liegen hinter den Azubis. Gemeinsam mit zehn Schülern der Förderschule in Altenessen haben sie rund um das Schulgebäude ein Planetarium, eine Kletter-Rakete, einen Rundlauf mit Balance-Parcours, Holzliegen und rund 400 Meter Verkehrsübungsstraßen mit Kettcar-Parkplätzen gebaut. Anpacken lautete die Parole für die fünf Gruppen von jeweils acht bis neun Leuten. Feierabend war an diesen vier Tagen immer erst dann, wenn das gesteckte Tagesziel erreicht war. „Als wir am Montag angefangen haben, war hier noch gar nichts“, erzählt Azubi Leo Elsenheimer.

Um dieses stramme Pensum zu schaffen, übernachteten die Azubis sogar in der Schule. Dabei konnten einige am Anfang nicht einmal ein Werkzeug bedienen. „Aber mit der Zeit sind wir zu echten Profis geworden“, erzählt Linda Hackenberg, die am Planetarium mitgebaut hat. Gerade in der Gruppe zu arbeiten, hat ihr großen Spaß gemacht: „Es war einfach ein tolles Gefühl, etwas zusammen zu schaffen und damit anderen zu helfen“, schwärmt sie.

 

Die Ausbildungsleiterin der Sparkasse Essen Andrea Koch freut sich noch aus einem anderen Grund über das große Engagement. Neben dem sozialen Umfeld profitiere schließlich auch die Persönlichkeitsentwicklung der Auszubildenden: „Unsere Azubis lernen, wie man gemeinsam ein so großes Projekt plant, organisiert und gemeinsam erfolgreich vollendet“, sagt Koch. „Übrigens sind wir nicht das einzige Institut, dessen Azubis Spielplätze in den Kommunen bauen oder sanieren. Viele Sparkassen, wie etwa in Solingen oder Neuss, tun das ebenfalls seit Jahren.“

 

Serjan und Kai  sind zwei der Schüler, die mitgearbeitet haben. Sie freuen sich, dass ihr Schulhof nun den Weltall-Spielplatz hat. Außerdem hat es ihnen großen Spaß gemacht, helfen zu dürfen. „Bei der Arbeit mit den Azubis von der Sparkasse habe ich viel gelernt“, sagt Serjan. Er hat noch gelbe Farbe vom Holzstreichen an den Händen. Kai grinst, als er hinzufügt: „Jetzt können wir uns hier in den Pausen mit unseren Freunden so richtig austoben.“