Auf dem Fahrradlenker stehen und dabei auch noch rückwärts fahren

Fynn hat eine Wette laufen: Wenn er heute den Drehsprung nicht schafft, bekommt seine Mutter einen Kuss. Also übt der achtjährige Kunstradfahrer unverdrossen: Er schiebt das Fahrrad an, stellt einen Fuß auf die verlängerte Nabe des Hinterrads, den Dorn, und tritt mit dem anderen in die Pedale. Dann schwingt er sich über den Lenker, auf dem er nun mit dem Bauch ruhen sollte – und rutscht ab. "Macht nichts!", ruft Babett Kolbe (39), seine Trainerin. "Versuch´s gleich noch mal!"

Wir sind im Trainingslager des SV Grün Weiß Märkisch Buchholz, einem kleinen Sportverein im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald. Am Rande der Stadt Märkisch Buchholz, die 771 Einwohner zählt, steht die Sporthalle mitten im Forst. Angeschlossen ist der neue Festsaal, die ehemalige Radsporthalle, mit frisch eingedecktem Dach. Das hat die Sparkasse bezuschusst.  Sobald der Bau abgenommen ist, wollen die Sportler hier feiern.

Grund dafür haben sie: In der Region ist der SV Grün Weiß eine Hausnummer im Kunstradfahren. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer und Trainer – darunter Sparkassenmitarbeiterin Kolbe – bringt der Verein seine 21 Mädchen und Jungen sehr weit in ihrem Sport. Wie zum Beispiel Isabella Zübner (16), die gerade auf dem Hinterrad rollt, die rechte Hand zwischen den Speichen des hochgezogenen Vorderrades. Ihre Konzentration scheint sich durch die ganze Halle zu verbreiten. Um solche Figuren zu fahren, muss man früh anfangen, am besten noch unter zehn Jahren. Nur dann gelinge es, das dynamische Gleichgewicht einzuüben, erklärt Babett Kolbe.

Grund dafür haben sie: In der Region ist der SV Grün Weiß eine Hausnummer im Kunstradfahren. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer und Trainer – darunter Sparkassenmitarbeiterin Kolbe – bringt der Verein seine 21 Mädchen und Jungen sehr weit in ihrem Sport. Wie zum Beispiel Isabella Zübner (16), die gerade auf dem Hinterrad rollt, die rechte Hand zwischen den Speichen des hochgezogenen Vorderrades. Ihre Konzentration scheint sich durch die ganze Halle zu verbreiten. Um solche Figuren zu fahren, muss man früh anfangen, am besten noch unter zehn Jahren. Nur dann gelinge es, das dynamische Gleichgewicht einzuüben, erklärt Babett Kolbe.

„Wir gehen immer mit, damit nichts passiert“, sagt Babett Kolbe

Fynn versucht sich inzwischen wieder am Drehsprung. Dieses Mal fällt er nicht auf die Füße, sondern landet mit dem Beckenknochen auf dem Lenker. Das tut richtig weh. Gut, dass seine Mutter am Hallenrand auf einer Schwebebank sitzt und ihn trösten kann. Auch Babett Kolbe schaltet sich ein: "Mach mal einen Sattellenkerstand", lenkt sie ihn vom kommenden blauen Fleck ab. Heftige Stürze und gebrochene Arme seien selten, sagt sie, Hämatome und Blasen an den Fingern – vom Griff in die Speichen – gehörten jedoch zum Sport dazu.

Abseits von Trainingslagern und Wettbewerben ist Babett Kolbe drei Mal die Woche in der Halle. Meistens sammelt sie vorher noch einige Kinder ein, holt sie von der Schule und aus der KITA ab. "Kannst Du heute noch mal mit mir üben?", fragt Lucy (7) sie schüchtern. "Klar", sagt die Trainerin lächelnd und zieht mit der Kleinen los. Sattel und Händchen halten und immer mitlaufen – kein Wunder, dass sie so fit ist, obwohl sie selbst nicht mehr fährt. "Wir gehen immer mit, damit nichts passiert. Da mache ich schon meine Kilometer", sagt Babett Kolbe.

Fynn macht jetzt das, was er sollte. Er fährt sein Rad an den Bodenmarkierungen entlang in einen Kreis. Er steigt während der Fahrt hoch, setzt einen Fuß auf den Sattel, einen auf den Lenker, steht aufrecht und breitet die Arme aus. Perfekt ausbalanciert, aufmerksam und durch nichts zu stören, macht er seine Runden – dass er den Drehsprung hinbekommen wird, ist keine Frage.