Ein Bild von Zahlen machen

Die Sparkassenstiftung unterstützt Finanzinstitutionen in Entwicklungsländern, die ihren Kunden sogenannte bedarfsgerechte Dienstleistungen bieten. Das ist zum Beispiel der Mikrokredit, ein kleines Darlehen, das Menschen benötigen, um eine Existenz zu gründen, aber auch ganz schlicht ein Konto, auf dem sie Geld sparen können.

Die Arbeit lässt sich in Zahlen und Fakten darstellen, doch die Sparkassenstiftung wählte einen anderen Weg: Sie beauftragte den Ulmer Fotografen Philip Ruopp, sich ein Bild vor Ort zu machen. "Bankgeschäfte gelten ja allgemein als langweilig", sagt Niclaus Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation. "Wir wollten unserer Projektarbeit durch die Fotos ein emotionales Gesicht geben."

Mehrere Wochen war Ruopp in Ghana, Laos und Vietnam unterwegs. Er besuchte Bauern, Kleinunternehmer und Handwerker. Der 32-Jährige lernte sie kennen und setzte sie in ihrer alltäglichen Umgebung in Szene. Das ist wörtlich zu nehmen: Fotograf Ruopp setzt nicht auf Zufallsaufnahmen, er plant sein Bild. Dazu gehört der Kontakt: "Mir ist es wichtig zu wissen, was die Leute beschäftigt und wie es ihnen geht", sagt er.

Um das zu erfahren, hatte er Dolmetscher an seiner Seite. "In Vietnam habe ich sehr, sehr viel Tee getrunken", sagt der Fotograf. Erst wenn Ruopp das Gefühl hatte, eine Verbindung aufgebaut zu haben, machte er sich ans Werk. "Meistens habe ich die Leute gebeten, einfach ihrer Arbeit nachzugehen." So entstanden trotz Blitzlicht und Equipment-Aufbau beeindruckende Porträts, die den Betrachter nahe an den Menschen rücken. Ruopp musste niemanden überreden, sich fotografieren zu lassen. "Jeder fühlte sich geehrt, Teil dieses Projekts zu sein."

“Meistens habe ich die Leute gebeten, einfach ihrer Arbeit nachzugehen.”

Ruopps Lieblingsbild aus Vietnam ist das einer sehr alten Frau aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Sa Pa in der Provinz Lào Cai. Mithilfe des Übersetzers fragte er sie, wie alt sie sei: "Sie hat mich angelächelt und wollte von mir wissen, warum das eine Rolle spielt. Ich merkte, wie recht sie hat: Es geht nur darum, wie man sich fühlt und was man macht." Die Ruhe und die Gelassenheit, die sie ausstrahlt, hat der Fotograf mit nach Hause genommen: Das Bild hängt bei ihm im Wohnzimmer.

Die Wanderausstellung "Entwicklungsgeld" ist noch bis zum 26. Oktober 2014 beim DSGV in Berlin, Charlottenstraße 47. Vom 30. Oktober bis 21. November ist sie in der Sparkasse Esslingen-Nürtingen, Bahnhofstraße 8, zu sehen. Über die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel zieht die Ausstellung zur Finanz-IT nach Frankfurt am Main, Theodor-Heuss-Allee 90.