Das große Ziel im Blick

Im Jahr 2016 finden in Rio de Janeiro nicht nur die Olympischen Spiele statt, sondern auch die Paralympics. Der Sportschütze und Sparkassenmitarbeiter Josef Neumaier will dabei sein. Damit das klappt, muss alles stimmen – auf den Millimeter genau.

Josef Neumaier beherrscht die Kunst, Adrenalin direkt in Ruhe und Konzentration umzuwandeln. Während im Hintergrund ständig Schüsse fallen, atmet Neumaier gleichmäßig aus und ein, lehnt eine Wange auf sein Gewehr, visiert mit einem Auge das Ziel an. Sein Zeigefinger drückt leicht auf den Abzug. Einige Sekunden vergehen. Draußen zwitschern ein paar Vögel. Dann knallt es. Auf einem Monitor hinter Neumaier erscheint die Zahl 10,7. Die dritthöchste Punktzahl, die im Sportschießen möglich ist. Neumaier lächelt.

Das Ziel in fünfzig Metern Entfernung, das Neumaier mit seinem Kleinkaliber-Sportgewehr zu treffen versucht, ist ein Kreis mit einem Durchmesser von gut einem Zentimeter, etwa so groß wie ein Daumennagel. Trifft er diesen, erhält er eine Punktzahl von zehn oder mehr – je weiter in der Mitte er die Zielscheibe trifft, desto höher ist das Ergebnis. Neumaier schießt auf das kleine Ziel, um ein großes zu erreichen: sich für die Paralympics 2016 in Rio zu qualifizieren, den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung.

Die Paralympics im Visier ...

„Glück kann man erzwingen. Wenn man dranbleibt und niemals verzweifelt.“

Josef Neumaier ist 56 Jahre alt und arbeitet in der Abteilung Finanzen der Sparkasse Altötting-Mühldorf zwischen München und Passau. Wegen seiner Glasknochenkrankheit sitzt er im Rollstuhl. Hier auf der Olympia-Schießanlage in München-Hochbrück, errichtet für die Spiele 1972, trainieren jedoch vor allem Athleten, die nicht behindert sind. „Das Großartige am Schießsport ist, dass ich mich hier ständig mit Nicht-Behinderten messen kann. Das spornt mich unheimlich an“, sagt Neumaier. Schon fünfmal hat er an den Paralympics teilgenommen. Neumaier hat in seiner mehr als 20-jährigen Nationalmannschafts-Karriere schon so einiges gewonnen: Gold und Silber gleich bei seinen ersten Paralympics im Jahr 1996 in Atlanta. „Da war sicher auch viel Unbekümmertheit dabei“, sagt Neumaier. Im Jahr 2000 in Sydney gewann Neumaier wieder Silber und zuletzt 2012 bei den Spielen eine Bronzemedaille. „Das Glück spielt bei solchen Erfolgen schon eine Rolle. Aber Glück kann man erzwingen. Wenn man dranbleibt und niemals verzweifelt“, sagt Neumaier.

Neben dem Schießen trainiert er regelmäßig seine Atmung, um im richtigen Moment ohne Wackler zu bleiben. Auf der Olympia-Schießanlage trainiert Neumaier mit dem Kleinkaliber-Gewehr. Neben dem Luftgewehr ist das eine der beiden Disziplinen, in denen er bei Wettkämpfen antritt. Das „klein“ bezieht sich dabei auf die 22 Millimeter langen und 5,6 Millimeter breiten Patronen, die Neumaier während seines Trainings alle paar Minuten aus einer Pappschachtel nimmt und in sein Gewehr einlegt.

Seit 2013 unterstützen die Sparkassen die Paralympische Mannschaft, die für Deutschland im kommenden Jahr Medaillen holen soll. Im Radsport, der Leichtathletik und zahlreichen weiteren Disziplinen. Und eben auch im Sportschießen. Zwanzig Jahre nach seinem ersten großen Erfolg in Atlanta ist Neumaier drauf und dran, sich zum sechsten Mal für die Paralympics zu qualifizieren. „Meine Leistungen müssen stimmen. Wenn der nationale Verband jemanden nach Rio schickt, wollen die auch Medaillen sehen. Deshalb werden die Vorgaben ziemlich hoch sein. Aber ich gehe davon aus, es auch diesmal zu schaffen.“

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