Offenbach liest

Egal ob Roman, Krimi oder Sachbuch: Wer in Offenbach ein neues Buch lesen möchte, muss nicht unbedingt in einen Laden gehen oder den Weg zur Stadtbibliothek auf sich nehmen. Denn in der Stadt am Main kann man sich seine Literatur ganz unkompliziert bei der Sparkasse besorgen – ohne Ausweis, Leihfrist oder Mahngebühr.

Dienstagnachmittag, kurz vor 14 Uhr. Die Filiale Heinrich-Heine-Straße der Sparkasse Offenbach öffnet zwar erst in wenigen Minuten wieder. Aber im Vorraum gehen dennoch immer wieder Menschen ein und aus. Die meisten nutzen den Kontoauszugsdrucker oder den Geldautomaten. Aber einige kommen aus einem anderen Grund: Sie möchten sich ein Buch ausleihen. Oder sie möchten eines ihrer ausgelesenen Bücher anderen Offenbachern zur Verfügung stellen. Das ist möglich, weil die Sparkasse vor gut drei Jahren in der Filiale zwischen Rhönstraße und Landgrafenring ein öffentliches Bücherregal aufgestellt hat. Sparkassenrot leuchtet es direkt neben Kontoauszugsdrucker und Geldautomat. Hier finden sich so bekannte Titel wie „Dona Flor und ihre zwei Ehemänner“ oder „Mein Herz so weiß“.

„Die Idee dazu kam von dem Netzwerk ‚Frauen für Offenbach‘“, erzählt Filialleiter Marcel Boog. Es habe zwar schon öffentliche Bücherregale in einigen Geschäften gegeben. Aber diese seien natürlich nur zu den Öffnungszeiten nutzbar. „Bei uns können die Menschen fast rund um die Uhr ein neues Buch mitnehmen, da unser Vorraum lediglich zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens geschlossen ist – auch wenn sie keine Sparkassenkunden sind“, erklärt Boog.

Eine der Personen, die das Bücherregal sehr rege nutzt, ist Irene Mich. Als die 84-Jährige die Filiale betritt, steuert sie geradewegs darauf zu. „Dieses Angebot ist ein echter Segen“, sagt sie, während sie einige Bücher aus einer Stofftasche nimmt und in das Regal einsortiert. „Früher bin ich immer in die Bibliothek in unserem Stadtteil gegangen. Aber die wurde schon vor einigen Jahren geschlossen. Daher bin ich froh, mich jetzt bei der Sparkasse mit neuen Büchern versorgen zu können.“ Dann nimmt Irene Mich den Roman „Feuerherz“ aus dem Regal, liest kurz den Klappentext, befindet ihn für gut und steckt das Buch in ihre Stofftasche. Als nächstes folgen noch ein Bildband über die Alpen und ein Kochbuch.

Marcel Boog freut sich darüber, wie selbstverständlich das Bücherregal genutzt wird. „Das war von Anfang an so – obwohl wir zuerst unsere Zweifel hatten“, erinnert er sich. Außerdem ist er begeistert davon, wie häufig die Offenbacher eigene Bücher spenden: „Wir bekommen so viele Bücher von den Netzwerk-Frauen und von den Menschen, die das Regal nutzen, dass es fast immer gut gefüllt ist.“ Dieser Erfolg macht Schule. Seit 2015 steht auch im Vorraum der Filiale in Bürgel ein sparkassenrotes Bücherregal. Es wird ähnlich stark genutzt wie in der Heinrich-Heine-Straße. Der Anspruch dort sei der gleiche wie in seiner Filiale, betont Boog: „Das Frauennetzwerk und wir achten darauf, dass darin immer  Bücher stehen, die man auch selbst gerne liest.“

Irene Mich geht nun zufrieden zum Ausgang. „Nächste Woche komme ich wieder her“, sagt sie noch, bevor sie mit ihren drei Büchern in der Tasche die Tür hinter sich schließt.