Neue Freunde

Monate- oder gar jahrelang prägten Zerstörung, Angst und Tod ihren Alltag. Letzter Ausweg war für die meisten die Flucht. Und auch dabei sahen sie sich oft Entbehrungen und Gewalt ausgesetzt. Das herzliche Willkommen im vergangenen Jahr hat vielen Flüchtlingen die Ankunft in Deutschland sicherlich erleichtert. Jetzt stehen sie vor einem Neuanfang – und die Sparkassen helfen dabei. Sie bieten Menschen aus Krisenregionen unkompliziert Konten an, einige stellen sie als Praktikanten oder Auszubildende ein. Und: Viele ihrer Mitarbeiter engagieren sich in der Freizeit auch ehrenamtlich für Geflüchtete.

Samstagvormittag auf der Ostalb. Die Sonne scheint. Bäume und Sträucher leuchten in saftigem Grün. Vögel zwitschern und Bienen summen. Sabine Fuchs wandert mit Ghazia Aldebbi und ihren Söhnen durch den Wald vor den Toren ihres Heimatdorfes Rechenberg. Die Jungs lieben die friedliche Stille des Waldes. Schließlich ist es noch nicht lange her, dass Explosionen, Schutt und Asche, schmerzhafte Verluste von Familienangehörigen, Freunden und Verwandten ihr Leben bestimmten. Die Jüngsten laufen aufgeregt umher. Immer wieder kommen sie zu Sabine, wie sie sie selbstverständlich nennen. In gebrochenem Deutsch stellen sie ihr eine Frage nach der anderen zu Kräutern, Bäumen oder Käfern, die sie gerade entdeckt haben.

Sabine Fuchs ist Mitarbeiterin der Kreissparkasse Ostalb. Ihr war schnell klar, dass die Integration der Menschen nur möglich ist, wenn jeder etwas dazu beiträgt. „Politik und Verwaltung können das alleine nicht leisten“, sagt sie. Daher arbeitet sie seit gut einem Jahr ehrenamtlich in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen. „Dort helfe ich in dem Eltern-Kind-Café“, erklärt sie. „Die Verständigung klappt ziemlich gut, da alle einen Deutschkurs besuchen. Vor allem die Kinder lernen sehr schnell.“

In der LEA hat sie auch Ghazia Aldebbi kennengelernt. Vor einigen Monaten bezog die 48-jährige Syrerin mit ihren fünf Söhnen dann eine Wohnung in Rechenberg. Dort besucht Sabine Fuchs sie manchmal oder lädt sie zu sich nach Hause ein. Sie mag die freundliche, bescheidene Art der Frau, die sich zur Flucht entschloss, nachdem sie eine Tochter im Krieg verloren hatte. Ihr Ehemann musste zurückleiben, um die Großeltern zu betreuen. Jetzt ist Ghazia mit ihren Söhnen auf sich gestellt und gibt sich große Mühe, hier ein neues Leben mit ihnen aufzubauen.

Die Sparkassenmitarbeiterin hat großen Respekt davor, wie Mutter und Söhne mit ihrem Schicksal umgehen: „Nicht nur Ghazia, auch die Jungs strengen sich sehr an, um sich bei uns zu integrieren“, betont sie. „Sie sind so dankbar, dass sie hier Zuflucht vor all den Schrecken in ihrer alten Heimat gefunden haben.“ Es bedeutet Sabine Fuchs viel, ihnen mit scheinbar simplen Dingen wie einer Waldwanderung eine Freude zu bereiten. „Ich helfe gerne. Vor allem das Strahlen in den Augen der Jungs ist es mir wert, einen Teil meiner Freizeit herzugeben“, betont sie – und fügt noch hinzu: „Außerdem sind wir im Laufe dieses Jahres Freunde geworden.“