Hier geht es hart zur Sache

In dem Dorf Wacken in Schleswig-Holstein findet nicht nur das größte Metal-Festival der Welt statt, sondern auch ein einzigartiges Musik-Camp für Jugendliche.

Eigentlich müsste während der Schulferien in der Grundschule des beschaulichen Ortes Wacken Ruhe herrschen. Doch im August 2015 ist hier in der schleswig-holsteinischen Provinz, 75 Kilometer nordwestlich von Hamburg, alles ganz anders.

Im Schulgebäude an der Bokelrehmer Straße wummern die Bässe, dröhnen die Drums und schrillen die E-Gitarren. Hin und wieder singt jemand, hier und da schafft es eine Violine oder eine Flöte, sich gegen die elektrisch verstärkten Instrumente durchzusetzen. 

Seit 2014 gibt es in Wacken nicht nur das weltbekannte Metal-Festival „Wacken Open Air“, zu dem jedes Jahr mehr als 80.000 Besucher kommen, sondern zwei Wochen später auch die Veranstaltung, die heute für den Lärm in der Schule verantwortlich ist, deren Unterrichtsräume jetzt Proberäume sind: das „Wacken Music Camp“. Ein einwöchiges Freizeit-Camp für Jugendliche, die gemeinsam Metal spielen wollen. Organisiert vom Wackener Verein „Kurs 54° Nord“ und den Musikschulen des Landes Schleswig-Holstein. 

Das Wacken Music Camp

Gut 90 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren ziehen hier ein Programm durch, für das Musiker normalerweise Monate oder Jahre brauchen. Innerhalb von nur einer Woche gründen sie eine Band, schreiben einen Song, nehmen diesen mit professionellem Equipment auf und spielen ihn am Ende der Woche live vor mehreren hundert Leuten. 

Damit nicht alle die ganze Zeit nur in den Proberäumen schwitzen und sich die Köpfe über Akkorde, Lyrics und Songstrukturen zerbrechen, bieten die Veranstalter auch ein Freizeitprogramm an: Klettern, Kanu fahren, im Freibad schwimmen. Auf einer Wiese in der Nähe der Schule haben die Jugendlichen ein großes Camp aufgebaut, in dem alle gemeinsam schlafen, essen und meist bis in den späten Abend hinein Musik machen.

Während die Jugendlichen an den Songs arbeiten, sind sie nicht auf sich allein gestellt, sondern bekommen professionelle Hilfe. Produzenten, die normalerweise mit bekannten Bands arbeiten. Coaches, die Gesang und Gitarrenspiel verbessern. Darunter auch Nibbs Carter, der Bassist der legendären englischen Metalband „Saxon“. Er sitzt mit den Kids in den Proberäumen, das Instrument in der Hand, und hilft den insgesamt 17 Bands mit Namen wie „Schwarmintelligenz“ „Trail of Dead“ und „Illuminati“ dabei, die Songs noch besser zu machen.

 „Wir wollten ein Projekt für junge Musiker machen und das mit einem Freizeit-Camp kombinieren“, sagt Enno Heymann, der einen Musikverlag hat und Bandmanager ist. Zusammen mit Helmut Kolzer vom Landesverband der Musikschulen in Schleswig-Holstein leitet er das „Wacken Music Camp“. 

Heymann ist beeindruckt, wie stark die Begeisterung für Musik die Jugendlichen zusammenbringt: „Die kommen mit so viel Feuer und Leidenschaft hierher, wollen sich kreativ ausprobieren. Die kennen sich eigentlich gar nicht. Aber die arbeiten hier so zusammen, als würden sie schon seit Jahren Freunde sein“, sagt Heymann.

Ohne das Engagement der gemeinnützigen „Wacken Foundation“ und der Sparkasse Westholstein wäre das „Wacken Music Camp“ für die geringe Gebühr nicht zu stemmen. Die Sparkasse unterstützt das Projekt nicht nur finanziell. Mehrere Mitarbeiter leben als Betreuer auch eine Woche lang mit den Jugendlichen im Camp. „Die Förderung der Sparkasse ist gerade hier in der Region unheimlich wichtig, vor allem weil das alles ziemlich unkompliziert und direkt läuft“, sagt Helmut Kolzer.

Außerschulische Projekte wie das „Wacken Music Camp“ hält Kolzer für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen für unverzichtbar: „Die Jugendlichen gehen hier mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein raus“, sagt Kolzer, „Ich würde mir wünschen, dass das in Zukunft noch mehr anerkannt wird.“