In der Heidelberger Bahnstadt ist jeder Bewohner auch ein Energielieferant

Viele Besucher aus dem In- und Ausland haben sich schon auf den Weg hierher gemacht. Minister waren da, Wirtschaftsvertreter, Städteplaner, kürzlich ein Kamerateam aus New York. Sie alle kamen, um eines der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte der Welt zu sehen: die Heidelberger Bahnstadt.

Wer in die Zukunft reisen will, gibt folgende Adresse ins Navi ein. Postleitzahl: 69115; Stadt: Heidelberg; Straße: Langer Anger. Mit der Bahnstadt entsteht hier zurzeit nicht nur ein komplett neues Stadtviertel, sondern auch die größte Passivhaussiedlung der Welt. Laut „Wirtschaftswoche“ ist das Projekt ein „weltweit einzigartiger Versuch, die Stadt der Zukunft zu bauen.“

Passivhäuser benötigen fast keine Heizungen. Wärmedämmungen an Wänden und Fenstern absorbieren die Abwärme der Bewohner und ihrer Haushaltsgeräte und geben diese zurück in die Räume. Jeder Mensch, jeder Computer ist im Passivhaus ein Heizkörper. Im Vergleich zum gewöhnlichen Neubau spart man 75 Prozent an Energie.

Fast jedes Gebäude der Bahnstadt soll ein Passivhaus sein, wenn 2020 die Bauarbeiten abgeschlossen sind. 6000 Menschen werden dann hier wohnen, 7000 hier arbeiten. Heute sind bereits 2000 Bewohner in dem neuen Quartier zu Hause. Die ersten fertigen Häuser stehen in der Straße Langer Anger, der Nordwest-Südost-Ader der Bahnstadt.

Zwischen Kränen und Baustellen vervollständigt sich auf dem 116 Hektar großen Areal des ehemaligen Güterbahnhofs peu à peu das Puzzlebild eines modernen Viertels. Forschungs- und Hightech-Unternehmen siedeln sich in den Skylabs, einem 19.000 Quadratmeter großen Labor- und Bürogebäude, an. Mütter und Väter fahren ihre Kinder im Carsharing-Wagen zur Kita. Vom Kiosk bis zum Tätowierer kommen ständig neue Kleingewerbe dazu.

In der Heidelberger Bahnstadt ist jeder Bewohner auch ein Energielieferant
Grund zur Freude für Kinder – und Eltern: Seit 2012 gibt es in der Bahnstadt eine Kita. (Foto: Thomas Gasparini)

Die Sparkasse ist in Bahnstadt-Dimensionen schon alteingesessen. Die erste Filiale eröffnete im Juni 2012 mit drei Mitarbeitern – für damals 300 Bewohner. „Wir waren die erste Infrastruktur“, sagt Helmut Schleweis, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Heidelberg.

Die Sparkasse Heidelberg begleitet das circa zwei Milliarden teure Bauprojekt als Finanzierer und Investor. „Sparkassen sind dazu da, dafür zu sorgen, dass Geld aus der Region in der Region bleibt. Wir wollen Finanzdienstleistung bieten, wo die Menschen leben“, sagt Schleweis. Um in die Zukunft zu reisen, braucht der Sparkassen-Vorstand kein Navi. Sie liegt vor seiner Haustür.