Und am Anfang der Rente steht ein Haus am See

Wie stellen sich unter 30-Jährige das Leben im Alter vor? Welche Wünsche, Träume, Hoffnungen haben sie? Worauf sparen sie – und unterscheidet sich das von der Generation ihrer Eltern und Großeltern? Wir haben mal nachgefragt.

„Wenn ich 64 bin“, texteten die Beatles in den 60er-Jahren im Song „When I'm Sixty-Four“. „Machen wir sonntagvormittags Ausflüge, arbeiten im Garten... kann man sich mehr wünschen?“ Bescheidene Träume eines Ruhestandes, der für die damals jungen Männer in weiter Ferne lag.

Heute klingt das ambitionierter. Peter Fox singt in seinem Hit „Und am Ende der Straße steht ein Haus am See“ und trifft damit einen Nerv – zumindest, wenn man nach den jungen Menschen geht, die wir auf der Straße gefragt haben, was sie sich im Ruhestand wünschen – in Zukunft wird das für die meisten sogar mit 67 Jahren sein.

Viele träumen von der Immobilie an einem möglichst exotischen Ort, vom eigenen Boot oder vom Leben im sonnigen Ausland. Sind die Vorstellungen vom Alter unrealistischer geworden? Ja und nein, sagt der Hamburger Trendforscher und Chef der Agentur Sturm und Drang Stefan Baumann: Die seit den 80er-Jahren geborenen jungen Menschen – sogenannte „Millenials“ – bewerteten Geld und Sparen zwar oft anders als Generationen vor ihnen – landen am Ende aber doch bei ähnlichen Wünschen. „Der Planungshorizont für Sparvorhaben hat sich im non-linearen Zeitalter für die Millenials dramatisch verkürzt“, so Baumann:

„Das Leben wird in aufeinanderfolgenden Projekten erfahren und nach vorne gelebt. Wo sich alles von einem auf den anderen Tag ändern kann, lebt man besser für den Moment und hält sich handlungsoffen.“

Studien bestätigen: Nur 77 Prozent der bundesdeutschen Verbraucher planen, fürs Alter vorzusorgen. Von den jüngeren Deutschen glaubt lediglich die Hälfte, dass private Altersvorsorge äußerst oder sehr wichtig sei. „Für Millenials hat sich Geld lifestylisiert“, sagt Baumann: „Sparen ist für sie nur dann sexy, wenn man nicht gegen etwas wie Altersarmut anspart, sondern für ein sinnlich greifbares Ereignis – für einen Urlaub, eine Hochzeit, ein Haus, das erste Kind, das Sabbatical, das eigene Start-up.“ Und dann landen sie durchaus wieder bei den ganz bürgerlichen und konservativen Träumen, die man sich selbst leisten können möchte. Mein Haus, mein Auto, meine Jacht.

„Die wenigsten werden sich im Alter das Haus am Meer leisten können. Aber im Ruhestand zufrieden zu leben, das ist möglich“, mahnt Gerrit Steinert, beim Sparkassenverband zuständig für Wertpapiergeschäft und Altersvorsorge. „Wir müssen immer länger arbeiten und bekommen im Alter immer weniger aus der gesetzlichen Rente heraus. Deshalb sollten wir möglichst klug sparen, zum Beispiel mit Riesterrente oder Wertpapiersparen, und Beratung in Anspruch nehmen.“ Man könnte – nach der vergleichsweise unbeschwerten Generation Golf – heute von der Generation Vorsorge sprechen.

Ein Thema, das die Beatles damals auch schon kannten. Im Song heißt es: „Wenn's nicht zu teuer kommt, könnten wir uns jeden Sommer ein Ferienhaus auf der Isle of Wight mieten – wir sollten halt rechtzeitig anfangen, dafür zu sparen ...“