Erste Schritte in ein eigenständiges Leben

Waffeln, Kakao und ein Konto zum Tag der offenen Tür für Flüchtlinge: Wie eine kleine Sparkasse im Landkreis Hannover einen großen Beitrag zur Flüchtlingshilfe leistet.

„Sie sind da!“, ruft jemand. Zögernd sind einige scheu um sich blickende Menschen an der gläsernen Tür zur Hauptfiliale der Stadtsparkasse Barsinghausen erschienen. Lächelnd läuft René Apel auf die Flüchtlinge zu. „Willkommen“, ruft der Filialleiter und lädt sie mit ausgebreiteten Armen ein, an den Empfangstresen zu treten. Dort wartet sein Team bereits mit frischen Waffeln. In Eigenregie sorgen die Mitarbeiter für eine Willkommensstärkung. Kaffee wird gereicht, die Kinder bekommen Kakao.

Schnell weicht die anfängliche Schüchternheit einer heiteren, konzentrierten Grundstimmung. In kleinen Grüppchen setzt man sich zusammen. Für die Flüchtlinge geht es um einen ersten Schritt in ein eigenständiges Leben: die Kontoeröffnung. Warum das so wichtig ist? „Zur Integration zählt, dass man bargeldlosen Zahlungsverkehr in Anspruch nehmen kann“, sagt Dr. Georg Robra. Der Erste Stadtrat von Barsinghausen hatte beobachtet, dass asylsuchende Menschen ihr Geld ständig mit sich herumtrugen. „Ein Konto macht vieles einfacher und manches im gesellschaftlichen Leben überhaupt erst möglich. Darum haben wir bei der Stadtsparkasse angefragt, ob man da nicht was machen könne.“ Man konnte. Allerdings nur, weil die  Auflagen zur Legitimationspflicht von Kunden durch die Bundesanstalt für Finanzaufsicht zuletzt deutlich reduziert wurden, wie Vorstandsvorsitzender Reinhard Meyer erläutert. Der Tag der offenen Tür, den sein Haus bereits zum wiederholten Mal außerhalb der Öffnungszeiten veranstaltet, bringt Flüchtlinge und Sparkasse dafür ins Gespräch.

„Wir fühlen uns wirklich willkommen und möchten ganz Deutschland danken, dass wir hier sein dürfen.“

Rouba Ghazzaoui ermöglicht dabei das gegenseitige Verständnis. Die gebürtige Libanesin bildet vor Ort Integrationslotsen aus und dolmetscht für Arabisch sprechende Flüchtlinge. Viele der von ihr Betreuten haben dramatische Tage hinter sich. Dakhil Rashoo etwa, der aus der Region des Sindschar-Gebirges im Nordirak stammt und zur besonders verfolgten Minderheit der Jesiden gehört. Nachdem er sich wochenlag in den Bergen versteckt hatte, ist er zum Teil zu Fuß, zum Teil mit Schleppern geflohen. Die letzte Strecke von Bulgarien bis Deutschland legte er mit 36 Flüchtlingen zusammengepfercht in einem LKW zurück. „Meine Frau und meine Kinder sind noch im Flüchtlingslager im Irak. Meine Kusine und ihre vier Kinder wurden vom IS entführt, niemand weiß, was mit ihnen geschehen ist“, sagt er mit zitternder Stimme. „Wir fühlen uns wirklich willkommen“, ergänzt Fahima Khamo Dino, die aus derselben Region flüchtete, „und wir möchten ganz Deutschland danken, dass wir hier sein dürfen.“

„Es ist wichtig, dass wir den Menschen einen selbstständigeren Umgang mit Geld ermöglichen.“

 „Man hört wirklich viele traurige Geschichten“, sagt Ferit Tarak, der Kundenberater bei der SSK Barsinghausen ist und selbst einen kurdischen Hintergrund hat. Er weiß aber auch um die zunehmend angespannte Lage vor Ort: „Der anhaltende Flüchtlingsstrom ist eine spezielle Situation für viele Bürger hier. Ich merke schon, dass zum Beispiel ältere Menschen, die in einer Schlange mit 20 Flüchtlingen am Schalter stehen, verunsichert sind. Auch deshalb ist es wichtig, dass wir den Menschen einen selbständigeren Umgang mit Geld ermöglichen.“ Die Aktion seines Hauses unterstützt er aus ganzem Herzen. „Die Flüchtlinge sind total offen und haben mit diesem herzlichen Empfang nicht gerechnet. Man merkt, dass sie das gute Gefühl haben, man kümmert sich um sie.“

Auch andere kümmern sich: Erk Bratke etwa vom TSV Barsinghausen. Auf Einladung der Sparkasse ist er hier, um vor allem den Kleinsten  Trikots und Fußbälle zu schenken und ihnen den örtlichen Sportverein nahezubringen. „Fußball ist Integrationssport Nummer eins“, weiß Bratke und berichtet von mehreren Flüchtlingen, die bereits den Weg zum regelmäßigen Training gefunden haben.

Tag der offenen Tür für Flüchtlinge

Ob Sparkasse, Sportverein oder Stadt: Allen Kümmerern gemein ist, dass sie sich früh und engagiert den großen Herausforderungen stellen, die der Flüchtlingsstrom mit sich bringt. Sie wissen, dass sie gebraucht werden. Und: Sie sind da.