In Kleve entstand aus dem Nichts ein High-Tech-Campus

Peter Kisters hat in Kleve eine neue Hochschule mit aufgebaut. Lesen Sie hier, wie die Sparkasse dabei half, die regionale Wirtschaft ins Boot zu holen und warum Kisters nun auch noch einen Bagger kaufen will.

Wenn Professor Peter Kisters an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve die Tür zu der Halle öffnet, in dem seine großen Maschinen stehen, sieht man ein Lächeln in seinem Gesicht. Mit Stolz zeigt er die Geräte, die unter anderem dazu dienen, den Verschleiß von Bauteilen von Maschinen zu untersuchen. Denn dass diese Maschinen hier stehen, ist auch sein Verdienst.

Kisters Fachgebiet: Produktdesign im Maschinenbau. „Die Studenten lernen hier, wie man neue Maschinen entwirft, Bauteile optimiert und im Team an einer optimalen Lösung arbeitet“, sagt Kisters. Vor gut vier Jahren hat er die Abteilung mit aufgebaut. Von Grund auf.

Die Hochschule Rhein-Waal, an der Kisters lehrt, kann man durchaus als nagelneu bezeichnen. Erst seit 2009 gibt es die Einrichtung in Kleve, ganz im Westen Deutschlands, nahe der Grenze zu den Niederlanden. Am ehemaligen Getreidehafen am Spoykanal entstand in kurzer Zeit ein ganzer Campus mit zahlreichen neuen Gebäuden. Mehr als 5.000 Studenten studieren zurzeit hier und an einem weiteren Standort in Kamp-Lintfort. Die meisten von ihnen kommen nicht aus Deutschland.

In fast allen Studiengängen findet der Unterricht auf Englisch statt. Und das ohne Studiengebühren an einer staatlichen Hochschule. Bisher ist das, laut Kisters, einzigartig in Deutschland. „Viele Studenten kommen hierher, weil der deutsche Maschinenbau im Ausland so einen guten Ruf hat“, sagt er.

Die Stiftungsprofessur von Kisters ist von dreizehn regionalen Unternehmen für fünf Jahre finanziert, mit einer Dreiviertelmillion Euro. Die Sparkasse Kleve hatte in der regionalen Wirtschaft für die Hochschule geworben, das nötige Kapital für Kisters' Stiftungsprofessur zusammenzubekommen und finanziert die Professur auch selbst mit. Auch an den Deutschland-Stipendien, mit denen besonders begabte Studierende gefördert werden sollen, beteiligt sich die Sparkasse Kleve.

Schon im Bewerbungsverfahren für den neuen Hochschulstandort spielte die Beteiligung der Sparkasse Kleve eine wichtige Rolle, weil sie die regionalen Unternehmen dazu bewegen konnte, ihre Unterstützung zu signalisieren. Das beeindruckte auch die Entscheider des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Durch die Stiftungsprofessur bekomme ich schnellere Kontakte in die Wirtschaft. Und ich habe etwas mehr Geld zur Verfügung als bei einer normalen Professur“, sagt Kisters. Und was macht er mit dem Extra-Geld?

„Wir werden wahrscheinlich einen kleinen Bagger kaufen“, sagt Kisters. Was erst einmal wie der wahr gewordene Traum eines kleinen Jungen klingt, hat natürlich einen fachlichen Hintergrund. „An so einem Bagger können wir sehr anschaulich zeigen, wie eine Maschine arbeitet, wie die einzelnen Teile zusammenwirken“, sagt Kisters.

Anschaulichkeit, Praxisnähe und dass seine Studenten auch über Themen wie interkulturelle Kommunikation und das Recycling von Maschinen nachdenken – das sind wichtige Themen für Kisters. Er sagt: „Ich komme ja selbst aus der Praxis, von einem Mittelständler, habe dadurch auch viele Kontakte in der Industrie. Ich habe Werke und Maschinen auf der ganzen Welt gesehen.“ In den kommenden Jahren will er mit diesem Wissensschatz seine Studenten fit für die Maschinenwelt der Zukunft machen.