Die Börsenstars aus dem Ruhrgebiet

Wie vier junge Frauen beim Börsen-Planspiel der Sparkassen abräumen.

Im Herbst des Jahres 2015 saßen Caroline Strie, Louisa Elvermann, Alina Stevens und Madeleine Schlautmann, die eine Ausbildung zur Kauffrau für Groß- und Außenhandel machen, in einem Klassenraum des Essener Robert-Schmidt-Berufskollegs. Der Lehrer war krank, Kollege Lutz Klein musste kurzfristig übernehmen.

„Ich habe der Klasse vom Planspiel Börse erzählt und die Schüler gefragt, ob sie Teams bilden und mitmachen wollen“, sagt Klein. Bereits seit Jahren nutzt er unter anderem dieses Projekt und andere Angebote zur Finanzbildung der Sparkasse Essen, die Hausbank und Kooperationspartner der Schule ist. Um seinen Schülern realitätsnah zu erklären, wie man sinnvoll und nachhaltig Geld anlegen und vermehren kann.

Mit dem Planspiel Börse vermitteln die Sparkassen seit 1983 jungen Menschen, wie Finanzmärkte funktionieren. Zehn Wochen lang treten Teams aus Schülern und Studenten in jeweils unterschiedlichen Wettbewerben an, um ein fiktives Startkapital in Wertpapiere zu investieren.

Die vier Schülerinnen wollten sofort mitmachen und meldeten sich bei der Sparkasse Essen zum Planspiel Börse an. Nach einer kurzen Beratung nannten sie ihr Team „Börsenbambis“. „Weil wir ja Anfängerinnen waren“, wie Madeleine Schlautmann sagt. Und weil Mitspielerin Louisa auf dem linken Unterarm ein großes Tattoo mit der Figur Bambi aus dem gleichnamigen Disney-Film trägt. Ein Name, der sich später als maximales Understatement erweisen sollte. Denn am Ende stand der große Erfolg: Platz eins im Planspiel Börse. In Essen. Im Rheinland. In Deutschland. Und sogar in ganz Europa. Aus 50.000 Euro Startkapital hatten die vier Frauen nach nur zwei Monaten genau 63.544 Euro und 36 Cent gemacht. Fast dreißig Prozent Rendite. Wie schafft man das?

„Wir haben uns gleich am Anfang auf eine ganz klare Linie festgelegt“, sagt Alina Stevens. Diese Linie bestand darin, in nur drei „Nebenwerte“ zu investieren und diese bis zum Ende des Spiels zu halten.  „Die Schüler sollten nicht zocken, sondern sich für einen Ansatz entscheiden, ihn begründen und verteidigen“, sagt Lutz Klein. Denn beim Planspiel hantiert zwar niemand mit echtem Geld. Ansonsten entspricht alles der Realität: Wer kauft und verkauft, zahlt Gebühren. Verliert die echte Aktie an Wert, zeigt auch die Kurve im Planspiel nach unten. Krisen, Nachrichten und das Weihnachtsgeschäft beeinflussen den Wert des Depots im Planspiel. Wer am Ende aus seinen 50.000 (Schüler) oder 100.000 (Studenten) Euro Startkapital das meiste Geld gemacht hat, gewinnt den Wettbewerb – wie die „Börsenbambis“ aus Essen.

Neben ihnen haben 2015 mehr als 40.000 Teams aus Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden, Luxemburg und dem Gastland Mexiko teilgenommen. Viele von ihnen hatten vorher schon mehrfach mitgespielt. Und auch die „Börsenbambis“ werden im kommenden Jahr wieder versuchen, ganz oben zu landen – zuvor fahren sie allerdings auf Siegerreise und treffen im süditalienischen Salerno auf die besten Planspiel-Börse-Teams aus Europa.

Mehr Informationen zum Planspiel Börse gibt es unter www.planspiel-boerse.de. Die Anmeldung startet jährlich im Oktober, anmelden kann man sich bei der Sparkasse am Wohnort. Wer auf vordere Plätze kommt, wird mit Geldprämien und Ehrungen belohnt.