Wussten Sie, dass wir Deutsche und Polen näher zusammenbringen?

Nie war der Handel zwischen Deutschland und Polen so bedeutend wie heute. Das liegt an der EU und an den offenen Grenzen. Und am kleinen Beitrag eines einzigartigen Projektes der Sparkassen: des Deutsch-Polnischen Kooperationsbüros.

Wer nach Zeichen dafür sucht, wie Deutschland und Polen mehr als zehn Jahre nach dem EU-Beitritt des östlichen Nachbarn wirtschaftlich zusammengewachsen sind, landet in einem Gewerbegebiet in der kleinen Stadt Müllrose in Brandenburg. Hier, eine Autostunde östlich von Berlin und nur wenige Kilometer entfernt von der deutsch-polnischen Grenze, sitzt die Firma Oderglas. Knapp 80 Mitarbeiter produzieren an riesigen Maschinen Spezialglas für Fassaden, das zum Beispiel besonders gut dämmt oder Sensoren für Alarmanlagen enthält. Von hier wird das Glas gut verpackt in alle Himmelsrichtungen verschickt und immer öfter heißt das: nach Osten, nach Polen.

Das ist kein Zufall, sondern hat System. „Wir haben uns gezielt nach Polen ausgerichtet“, sagt Geschäftsführer Christian Dahlick, der Oderglas mit seinem Vater Burkhard Dahlick leitet. Er stellte deshalb in den vergangenen Jahren viele Mitarbeiter ein, die deutsch und polnisch sprechen - mit Erfolg. So stammt etwa das gesamte Glas für das neue Terminal des Danziger Flughafens, eröffnet zur Fußball-EM 2012, aus Müllrose.

Damit Unternehmen wie Oderglas nicht allein dastehen, wenn sie ihr Geschäft nach Polen ausdehnen wollen und im Gegenzug auch polnische Unternehmer in Deutschland Fuß fassen können, gibt es einige Kilometer weiter östlich in Frankfurt (Oder) eine einzigartige Einrichtung: das Deutsch-Polnische Kooperationsbüro der Sparkassen. Die Chefin Marta Sztelmach-Więcek spricht beide Sprachen und ist in einer Person Kulturmittlerin, Unternehmensberaterin und Wirtschaftsförderin. Mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen hilft Sztelmach-Więcek hier allen, die grenzüberschreitend Geschäfte machen wollen. Das Büro ist an das internationale Netzwerk der Sparkassen angeschlossen, den „S-CountryDesk“. Kunden einer Sparkasse, die in Polen investieren wollen, werden darüber schnell an das Büro in Frankfurt (Oder) vermittelt.

“Wir ersetzen Vorurteile durch Tatsachen!”

Manchmal geht es nur darum, ein Konto im anderen Land zu eröffnen. Und manchmal darum, eine ganze Firma neu zu gründen oder Gebäude zu errichten. „Wir bieten wirklich alles aus einer Hand, kennen spezialisierte Steuerberater, Rechtsanwälte, können den jeweiligen Markt einschätzen oder Kredite bei polnischen Banken vermitteln. Wir ersetzen Vorurteile durch Tatsachen“, sagt Sztelmach-Więcek.

Das Büro gibt es bereits seit dem Jahr 2000. Damals stand die wirtschaftliche Entwicklung zwischen Deutschland und Polen noch am Anfang. Seitdem ist viel passiert. Im Jahr 2014 hat der Handel zwischen Deutschland und Polen mit einem Volumen von 87 Milliarden Euro wieder einen neuen Rekord erreicht. Polen ist Deutschlands wichtigster Handelspartner im Osten, vor Tschechien und Russland. Im polnischen Außenhandel wiederum steht Deutschland seit Jahren an erster Stelle.

Die meisten Anfragen erhält Sztelmach-Więcek nicht aus grenznahen Regionen, sondern aus Bayern, Baden-Württemberg und NRW. „Bisher nutzen viele Firmen aus Brandenburg oder Sachsen nicht die Chance, ihren auf den Westen gerichteten 180-Grad-Blick zu einem 360-Grad-Blick zu erweitern“, sagt Sztelmach-Więcek. Sie lächelt. Denn sie weiß, dass das Potenzial hier, nur einen Kilometer entfernt von der Grenze, noch groß ist. Einer, der das Potenzial längst erkannt hat, ist Christian Dahlick von Oderglas. Er überlegt zurzeit, noch stärker nach Polen zu expandieren und eine eigene Niederlassung im Nachbarland zu gründen. Dass er dann mit Marta Sztelmach-Więcek sprechen wird, ist eine ausgemachte Sache.

Unterstützt auch Ihre Sparkasse ein Projekt, das wir hier vorstellen sollten? Dann schreiben Sie uns an: meinegeschichte@sparkasse.de.