Am Tag, als Deutschland eins wurde

Strahlendes Symbol der Freiheit: Bei der Wiedervereinigungsfeier in Berlin stieg eine „Lichtgrenze“ aus 7.000 Leuchtballons in den Himmel. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Sparkasse, die den Fall der Mauer vor 25 Jahren live miterlebt haben, erinnern sich an bewegte Zeiten.

Trabis auf dem Ku‘Damm, Tränen in den Augen der Menschen – die Bilder vom Wunder der Wende bleiben unvergessen. „Wir haben uns von der Euphorie einfach über die Grenze tragen lassen“, sagt Dörte Knott, die 1989 gerade erst bei der Ostberliner Sparkasse angefangen hatte. „Bis vier Uhr morgens haben wir mit den Menschen im Westen gefeiert. Erst dann merkte ich, dass ich gar keinen Ausweis dabei hatte.“ Zurück nach Hause schaffte sie es trotzdem. Schließlich musste sie am nächsten Morgen wieder für ihre Kunden da sein – und das hieß am Tag nach dem 9. November vor allem: Geld auszahlen und umtauschen.

Am Tag, als Deutschland eins wurde
Dörte Knott: „Mit den Menschen im Westen gefeiert“

Ähnlich ging es Angela Rothe, damals noch Auszubildende in Westberlin. Als sie in der Filiale an der Sonnenallee Begrüßungsgeld auszahlen wollte, kam sie erst gar nicht durch die Menschenmassen. Heute denkt sie gern zurück an jene wilden Tage, da überall Stände mit völlig überteuerten Bananen aus dem Boden schossen. „Wir wurden oft gefragt, was das üblicherweise kostet“, erinnert sie sich. Da habe man schließlich kleine Preislisten rausgegeben – damit die Leute sich besser zurechtfinden konnten.

Am Tag, als Deutschland eins wurde
Angela Rothe: „Kleine Preislisten zur Orientierung.“

Den Menschen Orientierung geben – das beschäftigte auch den Westberliner Anlageberater Andreas Felske. Der ließ sich nicht lange bitten, als die Sparkasse im Ostteil der Stadt zur Währungsunion Verstärkung suchte: Felske half den Ostdeutschen, ihre nagelneue D-Mark anzulegen. „Das war schon teilweise chaotisch, weil die Leute sich quasi vorm Beratungsschalter stapelten“, erinnert er sich schmunzelnd. „Aber man spürte jederzeit diese Euphorie – übrigens auch unter Sparkassenkollegen.“

Am Tag, als Deutschland eins wurde
Andreas Felske: „Jederzeit Euphorie.“

Olaf Grassnik hat noch eine ganz andere Beziehung zur Mauer: Sein Geburtstag ist der 13. August 1961, der Tag des Mauerbaus. Kurz nach der Wende verließ er seine Heimat Westfalen und ging in die aufblühende, frisch vereinte Stadt. „Berlin entstehen und wachsen zu sehen: Was für eine schöne, teils dramatische Erfahrung.“

Am Tag, als Deutschland eins wurde
Olaf Grassnik: „Dramatische Erfahrung.“

Dörte Knott, Angela Rothe, Andreas Felske und Olaf Grassnik – sie alle verbinden ihre eigenen Geschichten mit dem Mauerfall. Und machten begeistert als Sparkassen-Ballonpaten bei der Lichtgrenze mit. Die international beachtete Jubiläumsaktion hatte in der Berliner Sparkasse mit ihren 100 Paten einen engagierten Sponsor – der damit neben dem Wunder der Wende ein klein wenig auch die eigene Wiedervereinigung feierte. Denn eine Sparkasse im Osten und eine im Westen Berlins: Auch das ist seit nunmehr 25 Jahren Geschichte.