Die Zukunft wird: schlecht. Oder nicht?

Was eine Konjunkturprognose wirklich sagt

Jeden Monat neu: Drei Fragen zu Geld, drei Antworten. Diesmal: Chefvolkswirte veröffentlichen regelmäßig Konjunkturprognosen. Wie verlässlich sind diese? Was kann ich mit dem Ergebnis anfangen? Worauf basiert eine Konjunkturprognose? Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, klärt auf.

3 Fragen zu Geld
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose um 0,6 Prozentpunkte gesenkt: Das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone werde 2019 nur noch um 1,3 Prozent zunehmen. Auch das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) hat seine Konjunkturprognose für den Euroraum nach unten korrigiert. Das Weltwirtschaftsklima ist so schlecht wie seit über sieben Jahren nicht mehr. Wie verlässlich ist so eine Konjunkturprognose?

Dr. Ulrich Kater: Wirtschaft in Zahlen zu fassen, ist angesichts der hohen Komplexität sehr schwierig. Das Bruttoinlandsprodukt ist letztlich ein statistisches Konstrukt. Und wer sagt uns, dass es der ausschlaggebende Indikator für den Wohlstand eines Landes ist, wo es doch Themen wie Vermögen, Zufriedenheit oder Umweltschutz nicht enthält?

Die Statistik hat erstmal genug damit zu tun, einigermaßen verlässlich abzubilden, was gegenwärtig in der Wirtschaft geschieht. Den Verlauf vorherzusagen, ist ein Abenteuer für sich. Den genauen Wachstumswert des kommenden Jahres treffen die Prognosen selten. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Nicht der Prozentwert aufs Komma genau ist wesentlich, sondern die Richtung der Konjunktur.

Den Unternehmen in Deutschland geht es gut. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Die meisten Menschen haben Geld auf dem Konto. Was soll ich mit dem Ergebnis einer Konjunkturprognose anfangen?

Die Menschen reagieren richtigerweise nicht auf eine Veränderung von einigen zehntel Prozentpunkten bei den Prognosen. Auch wenn dies regelmäßig bei der Berichterstattung zu einem Ereignis hochgejubelt wird. Nur wenn es wirklich deutliche Ausschläge bei der Konjunkturlage gibt, wirkt die Berichterstattung auf das Verhalten durch.

Wenn es eindeutig Richtung Rezession geht, sollte man nicht mehr so große ökonomische Risiken eingehen, wie man dies vielleicht in besseren Zeiten geneigt ist zu tun. Der Kredit beim Immobilienkauf sollte beispielsweise nicht zu groß ausfallen. So schlimm ist es gegenwärtig noch nicht. Man sollte lediglich wachsam sein und die weiteren Konjunkturnachrichten verfolgen.

Dr. Kater im Gespräch

Zahlen, Fakten, Meinungen: Was ist das Geheimnis einer Konjunkturprognose?

Es gibt bei den Statistischen Ämtern dieser Welt ein großes Definitions- und Regelwerk, womit das Bruttoinlandsprodukt ermittelt wird – und das, soweit möglich, in allen Ländern ähnlich. Konjunkturprognosen versuchen, anhand der Einflussfaktoren auf die wichtigsten Komponenten des BIP (wie etwa Konsum, Investitionen oder Außenhandel) die Entwicklung vorherzusagen. Für zwei oder drei Quartale geht das ganz gut, danach werden die Aussagen sehr unsicher.

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