Kommt jetzt die Rezession?

Der deutschen Wirtschaft geht die Puste aus

Jeden Monat neu: Drei Fragen zu Geld, drei Antworten. Diesmal: Wie schlecht steht es um die deutsche Wirtschaft? Sind die Verbraucher die größten Verlierer? Soll ich überhaupt noch in Aktien anlegen oder muss ich jetzt um mein Geld fürchten? Dr. Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank, klärt auf.

3 Fragen zu Geld
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Die deutsche Industrie ist angeschlagen: Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, meldet das Statistische Bundesamt. Herr Dr. Kater: Was ist da los?

Dr. Ulrich Kater:  Die Unsicherheiten rund um den Welthandel, aber auch die internen Wachstumsprobleme in China  haben die weltweite Industrie in den Abwärtsstrudel gezogen. Eine Weile lang konnten die deutschen Unternehmen dies noch mit hohen Auftragspolstern abfedern. Diese sind jedoch langsam aufgebraucht.

Die früheren Vorteile der deutschen Volkswirtschaft einer festen Verankerung im Außenhandel sind jetzt ihre Nachteile. Der Schauplatz des Handelskriegs liegt damit nicht nur in China und in den USA, sondern direkt vor der Haustür.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Unternehmen schon in den kommenden Monaten an die neuen Hemmnisse in der Weltwirtschaft angepasst haben. Ein negatives drittes Quartal in Deutschland ist wahrscheinlich - und damit auch eine zumindest leichte Rezession.

Die Deutschen sparen und sparen, doch der niedrige Zins frisst die Rendite auf. Gleichzeitig spart der deutsche Staat Milliarden aufgrund des Nullzinses. Sind die Verbraucher die größten Verlierer?

Die privaten Haushalte sind vieles zugleich: als Sparer sind sie negativ betroffen. Auf Tagesgeld und Sparbuch etwa erhalten sie kaum noch Zinsen. Die Politik der Negativzinsen  setzt übrigens auch dem bewährten Geschäftsmodell von Sparkassen und Banken in Deutschland sehr zu.

Als Kreditnehmer, etwa für eine Immobilienfinanzierung, sind die Haushalte dagegen positiv betroffen. Die Finanzierungskosten sind sehr gering. Dagegen muss man wiederum die hohen Kaufpreise von Immobilien rechnen. Teilweise sind diese durch die niedrigen Zinsen, teilweise durch den Zustrom in die Städte verursacht.

Schließlich sind auch die privaten Haushalte rund um die Welt eine der Ursachen für das niedrige Zinsniveau – neben der Geldpolitik. Denn das globale Sparvolumen ist höher als die Nachfrage nach Kapital, etwa durch die Unternehmen.

Der Staat ist ein großer Nutznießer dieser niedrigen Zinsen. Damit wiederum diejenigen, die Leistungen des Staates erhalten. Insgesamt gibt es also eine Fülle an Wirkungen der jetzigen Geldpolitik.

Wesentlich sollte jedoch sein, dass die problematischen Nebenwirkungen mittlerweile überhandnehmen gegenüber dem eigentlichen Zweck der Stimulierung der Konjunktur. Eine ernsthafte Debatte über Sinn und Unsinn dieser Geldpolitik ist überfällig.

Dr. Kater im Gespräch

Soll ich überhaupt noch in Aktien anlegen? Muss ich jetzt um mein Geld fürchten? Soll ich alles verkaufen?

Aktien sind gerade in diesem Umfeld eine vernünftige Anlage für die langfristigen Vermögensanteile. Eine Erhöhung der Aktienquote ist für die meisten privaten Haushalte in Deutschland eine Antwort auf das gegenwärtige Zinsumfeld.

Wer als privater Langfristanleger bei Kursschwankungen von 10 oder 20 Prozent sein Depot verkauft, der arbeitet an den eigenen Verlusten selber fleißig mit. Nur wer sich von seinen Papieren trennt, hat keine Chance mehr, die nächste Kurserholung mitzumachen.

Die Idee, Aktien im Abschwung zu verkaufen und danach billig zurückzukaufen, funktionierte in der Vergangenheit bereits kaum. In der gegenwärtigen Phase ist sie noch schwieriger. Weltweit lassen sich keine ausgeprägten Zyklen mehr feststellen.

Dazu kommt: Gegen größere Finanzkatastrophen sind breit gestreute Aktienportfolios als reale Vermögensanlagen langfristig eine der besten Versicherungen.

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