Der Renten Gap ist der große Bruder des Pay Gaps

Aber kaum jemand kennt ihn! Was steckt hinter der Rentenlücke zwischen Mann und Frau?

Männer bekommen doppelt so viel Rente wie Frauen. Wir erklären, warum Frauen bei der Altersvorsorge derart im Hintertreffen sind und was Sie selbst dagegen tun können.  

In Deutschland bekommen Frauen aktuell nur halb so viel Rente wie Männer. Diese Rentenlücke wird auch Renten Gap genannt. Während die Ungleichheit bei den Erwerbseinkommen („Pay Gap“) inzwischen breit diskutiert wird, spricht kaum jemand vom Renten Gap. Dabei ist der viel größer!

53 Prozent – so groß ist der Renten Gap im bundesweiten Durchschnitt. Neben der gesetzlichen Rente fließen betriebliche und private Renten in die Rechnung ein. Verglichen werden zwar immer die Altersbezüge der Frauen und Männer über 65 Jahren, also einer Generation, in der vor allem in Westdeutschland das Modell des männlichen Familienernährers und der Hausfrau verbreitet war.

Doch auch wenn heute mehr Frauen arbeiten, wird uns der Renten Gap in Zukunft weiterhin beschäftigen. Denn jüngere Frauen erwerben noch immer geringere Rentenansprüche als ihre männlichen Altersgenossen. Warum aber ist das so?

Von der Einkommenslücke ist es nicht weit zur Rentenlücke

Wer mehr verdient, zahlt mehr in die Gesetzliche Rentenversicherung ein und wird schlussendlich eine höhere Rente erhalten. Außerdem verfügen Besserverdiener über mehr Geld, das sie in die berufliche oder private Altersvorsorge stecken können. Frauen verdienten 2017 im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat.

Rund drei Viertel dieses Unterschieds beim Einkommen lassen sich dadurch erklären, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten oder geringfügig beschäftigt sind als Männer, dass sie öfter in schlechter bezahlten Branchen arbeiten oder seltener Führungskräfte werden.

Doch auch mit einer vergleichbaren Qualifikation oder bei einer vergleichbaren Tätigkeit verdienen Frauen in Deutschland immer noch etwa sechs Prozent weniger als Männer. Das Geschlecht führt also zu einer unterschiedlich hohen Bezahlung für die gleiche Arbeit.

Ein paar Jahre Teilzeit wegen der Kinder. Was macht das schon?

Bei der gesetzlichen Rente werden Kindererziehungszeiten inzwischen berücksichtigt. Das verringert den Renten Gap jedoch kaum. Zum einen, weil viele Mütter länger im Beruf aussetzen, als es die zusätzlichen Rentenpunkte ausgleichen könnten. Und zum anderen zahlen die Väter, die während dieser Zeit arbeiten, ja auch weiter in die Rentenversicherung ein. Der Abstand zwischen den Partnern wird also dadurch nicht kleiner.

Hinzu kommt: Häufig kehren Mütter nur in Teilzeit ins Berufsleben zurück, um Arbeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren. Es sind auch eher Frauen als Männer, die Angehörige pflegen. Ihre Ansprüche an die gesetzliche Rente steigen in diesen Jahren kaum.

„Wer in einer Partnerschaft lebt, findet Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau oft nicht so wichtig, weil der Lebensstandard von der Summe aller Einkünfte in einem Haushalt abhängt“, erklärt Frau Dr. Widmann. „Wichtig werden niedrigere Gehälter und Renten von Frauen oft erst dann, wenn die Beziehung auseinandergeht.“ Alleinstehende Frauen sind besonders von Altersarmut bedroht.

Bei der Vorsorge hilft eine gesunde Portion Egoismus

Die Expertin empfiehlt deshalb jeder Frau, ob Single oder in einer Partnerschaft, sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern, damit keine Versorgungslücke entsteht. „Viele Frauen neigen dazu, zuerst für alle anderen zu sorgen, bevor sie an sich denken“, sagt Dr. Widmann. „Auf dem Gebiet der Altersvorsorge rate ich zu einer gesunden Portion Egoismus, um die persönliche Zukunft abzusichern.“

Wer für die Kindererziehung im Job zurücksteht, sollte mit dem Partner vertraglich regeln, wie die Renteneinbußen durch private Vorsorge ausgeglichen werden können. Weitere Tipps für den Aufbau Ihrer Altersvorsorge finden Sie hier.

Auf zur finanziellen Unabhängigkeit! Sprechen Sie mit Ihrer Finanzberaterin.

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