
So finden Sie den passenden ETF nach ESG-Kriterien
Anlageprodukte nach ESG- Kriterien gewinnen bei Anlegerinnen und Anlegern an Bedeutung. Kein Wunder, denn Themen wie die Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, der Klimawandel, aber auch die Ausbeutung von Tieren und Natur haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten und sind so in das Bewusstsein vieler Menschen gerückt. Immer mehr Anlegerinnen und Anleger möchten ihr Geld nach ökologischen und sozialen Kriterien anlegen – etwa nach ESG-Merkmalen, wie sie in den Produktunterlagen ausgewiesen sind. ETFs nach ESG-Kriterien können vergleichbare Renditen wie klassische ETFs erzielen.
ETFs nach ESG-Kriterien unterscheiden sich von klassischen ETFs dadurch, dass sie neben Rendite, Sicherheit und Liquidität auch ökologische und soziale Aspekte sowie Aspekte der Unternehmensführung berücksichtigen.
Einheitliche Mindeststandards für ETFs nach ESG-Kriterien befinden sich auf EU-Ebene im Aufbau. Bis zur vollständigen Harmonisierung sollten Anlegerinnen und Anleger die in den Produktunterlagen ausgewiesenen ESG-Kriterien des jeweiligen ETF selbst prüfen.
Umso wichtiger ist es, dass die Anlegerinnen und Anleger selbst genau hinschauen, welchen Kriterien die ETFs entsprechen – und diese mit ihren persönlichen Wertvorstellungen abgleichen.
Was sind ETFs nach ESG-Kriterien?
ETFs nach ESG-Kriterien sind börsengehandelte Indexfonds. Sie beziehen sich auf einen Index, der Unternehmen nach ESG-Kriterien auswählt. Nach der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) sind Anbieter verpflichtet, offenzulegen, nach welchen ökologischen, sozialen und Unternehmensführungs-Kriterien der Fonds investiert. Die genauen Kriterien sind in den jeweiligen Produktunterlagen ausgewiesen. Denken Sie sich diese einfach als eine Liste von bestimmten Unternehmen, die an der Börse sind. Beim DAX sind 40 deutsche Unternehmen in der Liste. Beim Dow Jones sind es 30 US-amerikanische und beim EURO STOXX 50 sind es 50 aus verschiedenen europäischen Ländern. Die Unternehmen sind an der Börse – und Sie können ihre Aktien kaufen.
Je nachdem, ob die Aktienkurse der einzelnen Unternehmen steigen oder fallen, wirkt sich das auf den Kurs der jeweiligen Listen aus, in denen sie enthalten sind. Halten Sie eine einzelne Aktie und diese fällt im Kurs, ist Ihre Aktie sofort weniger wert. Investieren Sie dieselbe Summe, die Sie in die einzelne Aktie investiert hätten, stattdessen verteilt in alle Unternehmen eines Indexes, also einer Liste, und die einzelne Aktie fällt im Kurs, wirkt sich das weniger stark aus. Denn gleichzeitig sind vielleicht gerade andere Aktien im Index im Wert gestiegen, wiederum andere bleiben nahezu konstant.
Kurz: Das Risiko verteilt sich. Expertinnen und Experten nennen das Streuen.
Stattdessen können Sie in einen ETF investieren. Dieser bildet den jeweiligen Index nach. Das heißt bei einer sogenannten physischen Nachbildung: Die Aktien des jeweiligen Aktienindexes sind im ETF enthalten. Von der Risikostreuung eines Index lässt sich einfacher profitieren: Ein ETF bildet den jeweiligen Index nach – ohne dass alle Einzelaktien selbst gekauft werden müssen.
In Bezug auf die Streuung funktioniert ein ETF also wie ein klassischer Investmentfonds. Anders als beim klassischen Fonds wählt aber kein Fondsmanagement die einzelnen Werte aus, sondern die Liste, der Index, steht fest. Anders als beim klassischen Fonds versucht beim ETF also niemand, den Markt durch eine gezielte Auswahl der Aktien zu übertreffen. Stattdessen wird der jeweilige Index genau nachgebildet und der Anleger oder die Anlegerin profitiert davon, wenn der Kurs des jeweiligen Börsenindexes steigt. Das ist weniger Arbeit für das Fondsmanagement. Daher fallen in der Regel weniger Gebühren an als für klassische Fonds.
Je nachdem, welche Liste, also welcher Index, als Basis gewählt wird, werden unterschiedliche Branchen (zum Beispiel Immobilien-ETFs), Strategien (zum Beispiel ETFs nach ESG-Kriterien) berücksichtigt. Bei ETFs nach ESG-Kriterien werden ökologische und soziale Kriterien, sowie Unternehmensführungskriterien als Basis verwendet.
Es gibt physisch und synthetisch nachbildende ETFs. Physisch heißt, dass die Aktien aller Unternehmen aus dem jeweiligen Index tatsächlich im ETF enthalten sind (oder alternativ alle anderen Wertpapiere des Indexes, wenn es sich nicht um einen Aktienindex handelt). Die DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen, setzt bei ETFs bevorzugt auf physische Nachbildungen. Dabei sind die tatsächlichen Wertpapiere des Index im ETF enthalten – die Zusammensetzung ist in den Produktunterlagen direkt einsehbar.
Es gibt aber auch ETFs, die einen Index synthetisch nachbilden. Das bedeutet: Die Werte aus dem Index sind dann zwar nicht 1:1 enthalten. Dennoch ist der Kurs des ETFs eng an den jeweiligen Kurs des Indexes gekoppelt. ETF-Anbieter wählen diesen Weg vor allem bei sehr großen Indizes. Ob ein ETF einen Index physisch oder synthetisch nachbildet, entnehmen Sie der ETF-Beschreibung beim jeweiligen Anbieter.
Den passenden erkennen und auswählen
Nun gibt es zahllose Indizes und ETFs. Zwei Merkmale helfen bei der Auswahl: der Indexname gibt erste Hinweise auf die verwendeten Kriterien, und die ETF-Beschreibung des Anbieters zeigt, welche konkreten ESG-Merkmale gelten. Zunächst können Sie auf den Indexnamen achten. Dort geben vor allem die Bezeichnungen Sustainable (nachhaltig), Sustainability (Nachhaltigkeit), SRI (Social Responsible Investment, also sozial verantwortliches Investment) oder ESG (Environment, Social, Governance, also Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung) einen ersten Aufschluss darüber, ESG-Kriterien überhaupt eine Rolle gespielt haben. So sind einschlägige Pendants, die auf Basis des MSCI World Index filtern, beispielsweise der MSCI World SRI Index und der MSCI World ESG.
Bei der Zusammensetzung werden unterschiedliche Kriterien berücksichtigt. Bei seriösen ETF-Anbietern sind die Kriterien transparent in der ETF-Beschreibung angegeben. So können Sie überprüfen, ob der jeweilige ETF Ihren Wertvorstellungen nach t entspricht. Häufig werden dabei zunächst bestimmte Ausschlusskriterien genannt. Ausschlusskriterien sind beispielsweise, dass nicht in Atomkraftwerke, Rüstungsgüter, kontroverse Waffen und Nuklearwaffen, Tabakwaren und Kohleförderung investiert wird.
Hinzu kommen in der Regel positive Auswahlkriterien. Unternehmen werden zum Beispiel danach bewertet, wie hoch ihr CO2-Ausstoß ist und welche Ziele sie zur Reduzierung verfolgen. Statt des CO2-Ausstoßes können aber auch soziale Kriterien oder eine gute Unternehmensführung eine Rolle spielen. Das ist beispielsweise bei den ESG-Kriterien der Fall, die eine Kombination aus ökologischen, sozialen und unternehmensführerischen Maßstäben darstellen.
Sie haben die Auswahlkriterien beim jeweiligen ETF-Anbieter eingesehen? Dann spielt noch eine Rolle, auf welche Weise die Unternehmen nach den positiven Auswahlkriterien gefiltert werden. Eine beliebte Möglichkeit ist dabei der Best-in-Class-Ansatz. Best-in-Class bedeutet, dass jeweils die in Bezug auf ein bestimmtes Kriterium besten Unternehmen einer Branche oder Kategorie im Index vertreten sind. Eine Alternative bildet der Best-in-Progress-Ansatz. Dabei werden nicht zwangsläufig die besten Unternehmen in Bezug auf das jeweilige Kriterium ausgewählt, sondern diejenigen, die in einer bestimmten Zeit den größten Fortschritt gemacht haben, also zum Beispiel am meisten CO2 reduziert haben.
Beide Ansätze garantieren nicht, dass alle enthaltenen Unternehmen sämtliche ESG-Kriterien vollständig erfüllen. Die genauen Anforderungen sind im Produktinformationsblatt des jeweiligen ETFs ausgewiesen.
Tipp: Vielleicht ist Ihnen im Namen vieler ETFs außerdem das Kürzel UCITS aufgefallen? Es steht für Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities. Das bezeichnet eine Richtlinie, die bestimmte Kriterien bei der Auswahl der Werte innerhalb eines Fonds vorschreibt und unter anderem Anlegerinnen und Anleger schützen soll. Auch hierauf können Sie bei Ihrer ETF-Auswahl achten.
Rendite von ETFs nach ESG-Kriterien im Vergleich zu klassischen ETFs
- ETFs nach ESG-Kriterien, wie sie in den jeweiligen Produktunterlagen ausgewiesen sind, können vergleichbare oder höhere Renditen als klassische ETFs erzielen.
- Unternehmen mit klar dokumentierten Strategien – etwa nach ESG-Kriterien – handeln oft vorausschauend, passen sich neuen Rahmenbedingungen an und investieren aktiv in ihre Zukunftsfähigkeit.
- Unternehmen mit ESG-Kriterien legen ihre ökologischen, sozialen und Unternehmensführungs-Standards offen. Das schafft Transparenz für Anlegerinnen und Anleger.
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Wichtige Fragen und Antworten zu ETFs nach ESG-Kriterien
Ja. Ein ETF kann einen Index nachbilden, der Unternehmen nach ökologischen, sozialen und unternehmensführerischen Kriterien (ESG) bewertet und filtert. Welche konkreten Kriterien gelten, ist in der Produktbeschreibung des jeweiligen ETF ausgewiesen.
Allein in Deutschland sind derzeit mehr als 150 ETFs mit ausgewiesenen ESG-Kriterien erhältlich. Die DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen, bietet aktuell fünf ETFs mit ESG-Merkmalen an – handelbar auf Xetra und an der Börse Stuttgart.
ETFs bilden einen bestimmten Börsenindex nach. ETFs mit ESG-Kriterien beziehen sich auf einen Index, der ökologische und soziale Kriterien, sowie Aspekte der Unternehmensführung berücksichtigt. Hinweise im Namen sind die Kürzel SRI (Socially Responsible Investment) oder ESG (Environment, Social, Governance). Varianten des MSCI World, die ESG-Kriterien berücksichtigen, sind zum Beispiel der MSCI World SRI und der MSCI World ESG. Die Kriterien sind in den jeweiligen Produktunterlagen ausgewiesen.
Die konkreten Auswahlkriterien unterscheiden sich je nach Anbieter. Bei sorgfältig aufgesetzten ETFs sind sie transparent in der Produktbeschreibung des Anbieters ausgewiesen – so lässt sich prüfen, ob die ESG-Merkmale den eigenen Vorstellungen entsprechen.
ETFs mit ESG-Kriterien sind schwer direkt zu vergleichen, weil jeder Anbieter unterschiedliche Auswahlstandards anwendet. Hilfreiche Vergleichspunkte sind:
- die konkret verwendeten ESG-Kriterien laut Produktbeschreibung
- die Renditehistorie sowie
- Kennzahlen und Ratings.
Besonders wichtig: Entspricht die Unternehmenszusammensetzung des ETF den eigenen Vorstellungen? Die Antwort findet sich in der ETF-Beschreibung des jeweiligen Anbieters.
Der MSCI World ist ein Aktienindex mit mehr als 1.600 börsennotierten Unternehmen aus 23 Ländern. Die Unternehmen werden ohne spezielle ESG-Filterung aufgenommen. Varianten mit ESG-Kriterien sind zum Beispiel der MSCI World SRI und der MSCI World ESG – deren Auswahlkriterien sind in den jeweiligen MSCI-Produktunterlagen ausgewiesen.


