Artenerhalt im Zoo

Die Arche Noah von Krefeld

Die Zeit, in der Zoos Orte reiner Tierschau waren, ist lange vorbei. Heute setzen sie auf artgerechte Haltung und tragen entscheidend zum Erhalt bedrohter Tierarten bei. So auch der Krefelder Zoo – sehr zur Freude seiner Besucherinnen und Besucher.

Rückwärts. Rückwärts? „Papa, das Känguru klettert rückwärts den Baum runter!“, ruft Julius verwundert. „So was habe ich ja noch nie gesehen!“ „Ist doch egal, wie es klettert“, entgegnet ihm seine Schwester Pia begeistert. „Schau dir mal den langen Streifen auf seinem Rücken an, und sein Schwanz ist geringelt.“ „Das ist kein gewöhnliches Känguru, sondern ein Baumkänguru, ein Goodfellow-Baumkänguru“, klärt ihr Vater die beiden Grundschüler auf. Er steht hinter ihnen und unterdrückt ein Grinsen. Heimlich hat er das Informationsschild vor dem Gehege der Beuteltiere gelesen.

Pia, Julius und ihr Vater Friedjolf Klamp kommen aus Düsseldorf. Heute sind sie zum ersten Mal im Krefelder Zoo. Freunde hatten ihn empfohlen. „Er hat eine angenehme Größe, und man sieht einfach, wie gut es den Tieren hier geht“, schwärmt der Software-Entwickler. Auch die alten Bäume, die gepflegten Gehege und die Vielfalt der Tiere gefallen ihm sehr gut.

Es sind Schulferien. Daher hatte die Familie kurzerhand entschieden, den Zoo zu besuchen. Sie sind nicht die einzigen: Obwohl es kühl ist und regnet, ist der Zoo gut gefüllt. Er ist einer von zwölf in Nordrhein-Westfalen. Jedes Jahr kommen eine halbe Million Besucher. Nicht nur aus Krefeld, sondern vom ganzen linken Niederrhein, aus Düsseldorf, Köln und dem westlichen Ruhrgebiet, sogar aus den Niederlanden.

Bedrohtes Beuteltier

Auch Klamp ist überrascht, dass das Baumkänguru den Holzstamm rückwärts hinabgeklettert ist. Neugierig zieht er sein Smartphone aus der Jackentasche und sucht im Internet nach einer Erklärung. Er findet schnell heraus, dass die Tiere in ihrer Heimat Neuguinea vom Aussterben bedroht sind. „Warum denn?“, fragt seine Tochter bestürzt. „Weil die Regenwälder abgeholzt werden“, erklärt er. „Außerdem jagen die Menschen dort die Tiere, damit sie etwas zu essen haben.“

Ein anderer, der sich im Krefelder Zoo mit dem Aussterben des Baumkängurus beschäftigt, ist Direktor Dr. Wolfgang Dreßen. Schon seit vielen Jahren arbeitet der Zoologe mit einem internationalen Netzwerk daran, diese Entwicklung langfristig umzukehren. „Wir tun das auf zwei Arten“, sagt er, „durch ein Zuchtprogramm in den Zoos und durch Unterstützung von Schutzprojekten im Freiland auf Neuguinea.“

Zoodirektor Dr. Dreßen mit Riesenschildkröte
„Wer bei uns einmal exotische Tiere aus nächster Nähe betrachtet hat, versteht sehr viel besser, warum ihr Schutz in der freien Natur so wichtig ist.“ Dr. Wolfgang Dreßen

Aus einem Zoo in den USA kam in den 1990er Jahren das erste Paar Goodfellow-Baumkängurus nach Krefeld. „Das war der Grundstock für unsere interne Zucht. Weltweit ist der Bestand in den Zoos auf über 55 Exemplare angewachsen“, erklärt Dreßen. Mittlerweile leben vier von ihnen in den Gehegen am Niederrhein. „Viele Nachwuchstiere haben wir an Zoos überall auf der Welt abgegeben.“

Dreßen leitet und koordiniert das internationale Zuchtprogramm der Zoos und baut damit einen gesicherten Bestand weltweit auf. Er betont, wie wichtig es zugleich sei, die Lebensbedingungen der Menschen in den Ursprungsländern der Baumkängurus, insbesondere auf Neuguinea zu verbessern: „Die Projekte helfen ihnen, sich durch die Zucht von Fischen, Kaninchen und Hühnern andere Nahrungsquellen zu schaffen.“

Ganz wichtig: „Das Abholzen von Regenwald ist in der Region mittlerweile unter Strafe gestellt“, freut sich der Zoologe. „Aufgrund dieser Aktivitäten hat die Zahl der Baumkängurus auf Neuguinea wieder deutlich zugenommen.“

Ehrenamtliche Unterstützung
Besucher beobachten Gorilla
Imposanter Silberrücken: Kidogo im Gorillagarten des Krefelder Zoos

Während Pia, Julius und Friedjolf Klamp von den Baumkängurus zu den Sumatra-Tigern schlendern, steht Christa Lüfkens mit ihren beiden Großneffen vor dem Gorillagarten. Gespannt warten sie, dass die imposanten Menschenaffen in die Hügellandschaft mit Bachlauf, Termitenbau und Kräuterwiese kommen.

Die 84-Jährige ist keine übliche Besucherin, sondern eine der etwa 40 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Zoos. Sie alle sind Mitglieder des Fördervereins „Zoofreunde“. Schon seit mehr als 30 Jahren leitet Christa Lüfkens die Zoolotterie. Deren Einnahmen tragen entscheidend zur Umsetzung vieler Maßnahmen bei: Jährlich kommt ein Betrag von mehr als 45.000 Euro zusammen. Ohnehin ist der Einsatz der Zoofreunde eine wesentliche Unterstützung. Neben der Zoolotterie helfen sie unter anderem bei Aktionstagen sowie der Betreuung des Forscherhauses und der Infomobile mit.

Die beiden Jungs sind begeistert, als die Flachlandgorillas endlich im Außengehege erscheinen. Gerade der größte und älteste von ihnen, der Silberrücken Kidogo, hat es ihnen angetan. Kaum hat er die Zuschauer wahrgenommen, baut er sich vor ihnen auf und trommelt mit beiden Fäusten auf seine breite Brust.

Gelungene Flaschenaufzucht – als letzte Alternative

Neben den Flachlandgorillas haben auch Orang-Utans hier ein Zuhause: Sie leben in den Gehegen des Affentropenhauses. Einer von ihnen ist Hujan. Er kam erst im Sommer 2017 zur Welt und gehört zu den Lieblingen der Besucher. „Hujan“, ruft seine Pflegerin Eva Ravagni in die Anlage. Da hangelt sich der rotbraune Affe an einem der Seile in ihre Richtung. „Er war lange Zeit unser Sorgenkind“, erzählt die Pflegerin. „Seine Mutter hat ihn nach der Geburt verstoßen.“

Daher musste der Zoo schnell entscheiden, Hujan per Handaufzucht zu retten oder das Risiko einzugehen, ihn sterben zu lassen. „Wir haben uns für die Handaufzucht entschieden, auch wenn das seit den 1990er Jahren nicht mehr üblich ist.“ Dafür hat die Pflegerin ihn in den ersten Monaten der Pflegezeit rund um die Uhr betreut. Sie zog sogar in einen Container neben dem Affenhaus, um uneingeschränkt für ihn da sein zu können.

Es hat funktioniert: Nach einem dreiviertel Jahr war Hujan so gut entwickelt, dass Eva Ragni ihn in seine Familie eingliedern konnte. „Je früher, desto besser“, betont sie. „Wir versuchen, zwischen dem Jungtier und den anderen Mitgliedern seiner Familie schnellstmöglich eine Verbindung herzustellen. Denn nur so kann er das arttypische Sozialverhalten lernen.“

Tierpflegerin mit jungem Orang-Utan
Besucherliebling Hujan: Um sein Leben zu retten, musste Pflegerin Eva Ravagni ihn mit der Flasche aufziehen.
Artgerecht im Zoo – Artenerhalt in freier Wildbahn

Überleben ist auch bei Orang-Utans und Gorillas ein drängendes Thema: Ähnlich wie die Baumkängurus sind sie vom Aussterben bedroht. Das gilt auch für die Ameisenbären, Schneeleoparden, Spitzmaul-Nashörner, Humboldt-Pinguine und Roten Pandas, die im Krefelder Zoo ein Zuhause gefunden haben. „Natürlich setzen wir auch bei diesen Tierarten auf die Zucht vor Ort. Dafür benötigen wir gute Gehege-Bedingungen. Die gesicherte Haltung im Zoo sollte aber nie ihr Leben in freier Wildbahn ersetzen“, betont Direktor Dreßen. „Deshalb unterstützen wir auch bei diesen Arten Schutzprojekte in der ganzen Welt.“

Gemeinsam mit anderen Zoos und Organisationen finanziert der Krefelder Zoo zahlreiche Projekte: Sie beinhalten Anti-Wilderer-Patrouillen, Langzeit-Monitoring der Bestände und wenn nötig auch die Umsiedlung einzelner Tiere. „Außerdem fördern wir die Umwelterziehung der Bevölkerung, die Errichtung von Baumschulen, die Ausbildung zum Wildhüter und die Schaffung eines sanften Öko-Tourismus“, fügt Dreßen hinzu.

Nach vorne schauen

All diese Maßnahmen kann der Krefelder Zoo nicht alleine bewältigen. „Wir haben das große Glück, verlässliche Partner zu haben“, sagt Dreßen. Einer von ihnen ist die Sparkasse Krefeld. Sie gehört schon seit vielen Jahren zu den wichtigsten Sponsoren. „Sie hat oft geholfen, den Zoo zu unterstützen und in die Zukunft zu führen.“

„Könnt ihr euch denken, warum die Baumkängurus die Holzstämme rückwärts hinuntergeklettert sind?“, fragt Friedjolf Klamp, als er mit seinen Kindern Richtung Ausgang geht. Pia und Julius zucken mit den Schultern. „Vorwärts würden sie fallen“, klärt er sie auf. „Sie haben nicht den nötigen Gleichgewichtssinn dafür.“ Seine Tochter lacht, dreht sich um, und geht rückwärts durch die Drehtür. „Ist doch auch nicht wichtig“, sagt sie, „Hauptsache, man kommt gut ans Ziel.“

Krefeld: Bildung im Zoo

R wie Rüssel, Raubtier – und Respekt

Haben Elefanten wirklich ein so langes Gedächtnis? Warum sind Leoparden gefleckt? Und: Schmetterlinge können sprechen? Antworten auf all diese Fragen – aber auch darauf, wie jedes Tier auf seine Weise uns Menschen ähnlich ist – vermittelt der Krefelder Zoo seinen Besucherinnen und Besuchern.

Cross Mentoring für Frauen

Touché

Warum sollten die Sparkassen ihre Mitarbeiterinnen fördern? Gerade, wenn es um Führungspositionen geht? Weil sie von Können und Know-how dieser Frauen sehr profitieren. Das sagen Margareta Rieck, Gleichstellungsbeauftragte des RSGV, und Ina Begale, dort zuständig für personalwirtschaftliche Grundsatzfragen. Gemeinsam mit der Sparkassenakademie Nordrhein-Westfalen entwickelten sie für die rheinischen Sparkassen ein zwölfmonatiges Cross Mentoring-Programm für weibliche Nachwuchskräfte.