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Deutschland erblüht

Großstädter kultivieren neue Grünflächen

Überall auf der Welt sprießen Stadtgärten wie Pilze aus dem Boden – auch in Deutschland. Wir zeigen Ihnen wo und welche Möglichkeiten es gibt, mehr blühende Nutzflächen im Grau der Metropolen zu schaffen. Und: Natürlich gilt das auch für kleinere Städte.

Korkwand mit Polaroids von Grünflächen in Metropolen

Manche Städte ermüden. Grau ist die Farbe, die in vielen Varianten alles dominiert. Wohin wir auch schauen, sehen wir Asphalt, Steine und Beton. Daher sind gerade jetzt, da immer mehr Menschen in die Städte ziehen, Grünflächen wichtig für die Lebensqualität.

Denn nicht nur Parks und Gärten, auch die Bäume entlang der Straßen sind die Lungen einer Stadt: Sie verbessern die Luftqualität und wirken sich positiv aus auf Umweltlärm und Klima.

Urban Gardening: Naturoasen mit Tomaten – mitten in der Stadt

Ohnehin ist in den vergangenen Jahren jenseits von öffentlichen Parks und privaten Gärten das Grün in deutschen Großstädten vielfältiger geworden: Menschen haben sich zu privaten Initiativen zusammengeschlossen. Auf Verkehrsinseln und Parkplätzen, in Hinterhöfen und auf Parkhausdächern haben sie gemeinsam grüne Oasen erschaffen.

Dort gedeihen neben Gras, Blumen und Büschen auch Kräuter, Gemüse und Obst. Urban Gardening heißt der Trend aus den USA: Städtisches Gärtnern. Anstatt Obst und Gemüse in den Supermärkten zu kaufen, ziehen die Menschen mit Spitzhacke und Gießkanne los, säen Samen und pflanzen Setzlinge. So kommt ein Teil ihres Essens aus dem Gemeinschaftsbeet – mit den eigenen Händen geerntet.

Manchmal stehen in den Stadtgärten auch Bienenstöcke. Es gibt sogar den ein oder anderen Hühnerstall. Viele dieser grünen Nutzflächen bieten gute Gelegenheiten, um andere Menschen zu treffen. Sie sind ein Ort der Gemeinschaft. Und: Wo sonst Sauerstoff verbraucht wird, wird er hier produziert.

Polaroid vom Gartentor des Prinzessinnengartens

Bee Berlin: Urbanes Gärtnern und Bienenvölker in der Bundeshauptstadt

Berlin ist in Deutschland Vorreiter: Der Prinzessinnengarten im Stadtteil Kreuzberg ist eines der bekanntesten Urban-Gardening-Projekte Europas. Bis zum Jahr 2009 war die Fläche ein grauer Parkplatz. Heute ist sie ein üppiger Garten mitten in der Großstadt. Mehr als 400 verschiedene Pflanzen wachsen hier: Malve und Kapuzinerkresse, Kartoffeln, Grünkohl und Fenchel.

Auf dem Alexanderplatz im Bezirk Mitte beweist ein anderes Projekt, dass auch in der Großstadt ländliches Leben gedeihen kann: Seit 2015 haben auf dem Dach der Berliner Sparkasse 250.000 Bienen ein Zuhause gefunden. Damit unterstützt das Finanzinstitut die von der Stiftung für Mensch und Umwelt geschaffene Initiative „Berlin summt!“. 

Je nach Wetter können die Imker hier einhundert bis zweihundert Kilo Honig im Jahr abfüllen. Auch wenn es paradox klingt: In Parks und Gärten, auf den grünen Verkehrsinseln und Balkonen finden die Bienen mehr Nahrung als auf dem Land. Dort gibt es oft Monokulturen. Außerdem sind Parasiten und Pestizide in den Städten eine deutlich geringere Bedrohung.

Polaroid der Imker auf dem Dach der Berliner Sparkasse

Vertical Gardening: Senkrechte Gartenkunstwerke

Eine andere Zauberformel für mehr Grün in den Städten lautet „Vertical Gardening“: vertikale Gärten. Dieser Trend der Urban-Gardening-Szene stammt von dem Franzosen Patrick Blanc. Der Botaniker ist mittlerweile ein weltweit gefragter Experte für senkrechte Gartenkunstwerke.

Nicht nur in Miami, Mailand oder Madrid – auch in Berlin lässt Blanc Kleingehölze, Gräser und Moose, exotische Blüten und Blätter sowie Farne in üppiger Fülle die Wände hochgehen. Er empfiehlt, heimische wind- und wetterfeste Pflanzen zu wählen. In Deutschland sind das Zwergkoniferen, Gräser, Moos, aber auch Staudengewächse.

Polaroid einer bewachsenen Hauswand

„Essbare Gärten“ in Sankt Pauli

In der deutschen Finanzmetropole Frankfurt am Main wachsen noch keine senkrechten Gärten. Dafür entstehen immer mehr Urban Gardening-Projekte auf dem Asphalt – und an Zäunen. Im Stadtteil Ostend sprießen Pflanzen aus aufgeschnittenen Milchkartons, die an einem Metallzaun hängen. Diese Variante ist Teil des Projekts „Frankfurter Garten“.

Polaroid von Blumen in einer aufgeschnittenen Plastikflasche

Unterdessen hat Hamburg sich in den vergangenen Jahren weltweit einen Namen mit seiner Gründach-Strategie gemacht. Die Hafenstadt fördert Grünflächen auf Gebäuden. Sie verbessern das Raum- und Stadtklima. Auch hier bevölkern Bienen die Dächer und schwärmen täglich aus, um Nektar und Pollen zu sammeln.

Ein weiteres Dachprojekt gibt es im berühmten Stadtteil Sankt Pauli: Auf dem Dach einer leerstehenden Tiefgarage entstand 2011 ein „Essbarer Garten“. Seitdem säen, pflanzen und ernten die Menschen hier von März bis November.

Polaroid einer bewachsenen Dachterrasse

Eine neue Stadt ist pflanzbar

In Dessau ist Urban Gardening eine kommunale Initiative: Die Bauhaus-Stadt überlässt ihren Bürgerinnen und Bürgern im Stadtteil Roßlau für zehn Jahre ein Fleckchen Erde als Pate – kostenlos. Dessau hat diese Flächen freigegeben, da sie für Investoren nicht interessant und für Landwirte zu klein sind.

Die Paten können ihre abgesteckten Gärten von 20 mal 20 Metern weitestgehend so gestalten, wie sie das möchten: So hat ein lokaler Imkerverein eine Bienenweide gepflanzt, ein Hobbygärtner lässt auf einer Geröllhalde Pionierpflanzen wuchern und eine Apothekerin kultiviert einen Heilkräutergarten.

So wie in Dessau, Hamburg, Frankfurt und Berlin vollzieht sich auch in vielen anderen deutschen Städten etwas ganz Grundlegendes: eine Umkehrung. Was die Städte Jahrzehnte lang getrennt haben, verbinden sie nun: Mensch und Natur.

Infografik "Die wichtigsten Vorteile von Stadtgrün"

„Lebenswerte Kommunen – Was Menschen wollen und Sparkassen beitragen“

Das Leben in den Städten interessiert Sie? Dann schauen Sie sich doch die Ergebnisse des Workshops „Lebenswerte Kommunen – Was Menschen wollen und Sparkassen beitragen“  vom Deutschen Sparkassentag 2019 in Hamburg an.

Dort sprachen Expertinnen und Experten der deutschen Kommunen, Landkreise und der Finanzwirtschaft über dieses Thema und diskutierten spannende Lösungen.

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