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Der die Wahrheit sagt

„Gemeinschaft kommt von schaffen. Darum lass uns gemeinsam aufraffen.“

Dennis Sadik Kirschbaum ist vieles: politischer Bildner, Student, Antirassismus-Trainer, interreligiöser Aktivist und Slam Poet. Bei seinen Demokratie-Workshops begeistert er die Menschen mit eher unkonventionellen Maßnahmen. Manchmal verstört er sie auch - mit Helene Fischer.

„Ihr kennt sie alle, oder...?
Die Einsamkeit zu zweit, in der Partnerschaft,
in der auf die Hochzeit nicht die Hoch-Zeit folgte.
In der Nachbarschaft, in welcher auf das erste Gespräch im Flur
kein zweites folgen sollte.
Im Kollegium, wo wir eigentlich gemeinsam mehr erreichen wollten.
Und am Ende doch viel lieber der eigenen Karriereleiter Aufmerksamkeit zollten.“

Mit starker Stimme und starken Worten steht der Poetry Slammer Dennis Sadik Kirschbaum vor seinem Publikum in Berlin. Hunderte junge Menschen hören ihm beim Z2X19-Festival des Nachrichtenportals „ZEIT ONLINE“ im September gebannt zu. Sein Thema – das Wechselspiel zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft – scheinen sie tatsächlich alle zu kennen.

Widerstände überwinden und Mut machen

Kooperation als Strategie

Dennis ist den Auftritt vor anderen Menschen gewöhnt: Neben seinem Lehramtsstudium an der Freien Universität in Berlin arbeitet der 29-Jährige ehrenamtlich als Antirassismus-Trainer und Trainer in der außerschulischen politischen Bildungsarbeit, als Teamer und als Vorstandsvorsitzender eines muslimischen Jugendvereins. Und eben auch als Poetry-Slammer.

Bei all diesen Tätigkeiten hat er ein großes Anliegen: Differenzen und Widerstände überwinden und den Menschen Mut machen. Mut für ein starkes Miteinander. Das teilt er den jungen Visionären des Z2X19-Festivals auch unmissverständlich mit:

„Gemeinschaft kommt nicht von allein.
Gemeinschaft kommt von schaffen.
Darum lass uns gemeinsam aufraffen.
Denn nur gemeinsam sind wir allem gewachsen.“

Deutsch, jüdisch und muslimisch

Dennis Sadik Kirschbaum, politischer Bildner, Student, Antirassismus-Trainer, interreligiöser Aktivist und Slam Poet aus Berlin

Dennis klingt nicht nur überzeugend. Er ist es auch. Ein großer Teil seines Lebens war geprägt von Einsamkeit – der Weg in die Gemeinschaft harte Arbeit.

Im Kindergarten in Berlin-Mitte, zu DDR-Zeiten, wollen die anderen Kinder nicht mit ihm spielen. Weil er mit seiner dunklen Haut und den schwarzen Haaren anders aussieht als sie. Außerdem klingt sein Nachname, Kirschbaum, jüdisch. Auch das macht ihn zum Außenseiter.

Und dann konvertiert er als Teenager auch noch zum Islam – der Religionsgemeinschaft, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern der westlichen Welt eine Minderheit darstellt.

Dabei sucht er sich einen arabischen Zweitnamen aus: Sadik. „Der, der die Wahrheit sagt“ oder „der Treue und Loyale“ heißt das auf Deutsch. Nun vereinen sich in seinem Namen drei Kulturen: deutsch, jüdisch und muslimisch.

Die Kraft der Gemeinschaft

Diese Verbindung ist zu seinem Leitmotiv, seiner Botschaft geworden: die Kraft der Gemeinschaft. Sie ist es auch, die er während des Z2X19-Festivals bei einem Betzavta-Workshop vermittelt.

Betzavta steht für Miteinander. Das Programm entstand 1988 am Jerusalemer „Adam Institute for Democracy and Peace“ mit dem Ziel, die Erziehung zur Demokratie in Israel zu fördern.

Dennis ist ausgebildeter Betzavta-Trainer. „Die Stärke dieses Ansatzes besteht darin, dass Konflikte besonders kreativ gelöst werden können. Dazu erkennen alle Beteiligten an, dass das Recht auf freie Entfaltung für alle Menschen gleichermaßen gilt“, erklärt er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops. „Das funktioniert aber nur, wenn die Menschen sich auf verbindliche Regeln verständigen.“

Gruppendynamik während des Betzavta-Workshops

Gemeinsam – auch gegen Schlager

Bei den folgenden Übungen während des Workshops lernen sie nun, dass es nie nur eine Lösung gibt. Dass viele Wege nach Rom führen, wenn man Dinge gemeinsam anpackt. Und seien sie noch so unkonventionell.

Dennis‘ Betzavta-Ansatz zeigt seine Wirkung: Als er während der letzten Übung bestimmt, laut einen Schlager von Helene Fischer zu hören, sind die Teilnehmenden zuerst einfach nur entsetzt. Dann diskutieren sie. Schließlich stellen sie gemeinsam eine neue Regel auf: Schlager gehören nicht zu ihrer Gemeinschaft. Und sie machen die Musik aus.

Das Spannungsfeld aus Widerstand, Miteinander und Mut hat zu genau dem Prozess geführt, den Dennis vorher vermittelt hat: einer gemeinschaftlichen Lösung. Er ist zufrieden.


Die Sparkassen haben das Z2X19-Festival als Partner unterstützt. Themen wie Zusammenhalt und Gemeinwohl sind für sie seit ihrer Gründung vor 200 Jahren wesentlich. Vor gut einem Jahr haben sie eine Kampagne gestartet, die diese Werte mit dem Slogan „Gemeinsam allem gewachsen“ in den Mittelpunkt stellt.

 

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