Corona und Ehrenamt: Das Virus verändert das Vereinsleben

Viele Freizeitbeschäftigungen kommen zum Erliegen – doch es gibt Hilfe

Das Coronavirus wirbelt nicht nur die Arbeitssituation der Menschen durcheinander, es hat auch die Vereine fest im Griff: Sportplätze bleiben geschlossen, Chor- und Theaterproben fallen aus, Hauptversammlungen entfallen und Schützenfeste werden abgesagt. Aber das Leben geht weiter – unter anderem durch einen Beschluss des Bundestages und die Hilfe der Sparkassen.

Ganz gleich ob Musik, Kunst, Theater, Sport oder Kultur: Die Corona-Krise macht auch vor den Vereinen nicht Halt. Lesungen, Aufführungen oder Ausstellungen fallen aus. Sportvereine können nicht mehr trainieren. Die Mitglieder können sich nicht wie sonst üblich zu den Jahreshauptversammlungen treffen.

Noch schwieriger ist die Lage bei den Schützen. Durch die Absage der Schützenfeste, die traditionell im Frühjahr stattfinden, gehen ihnen wichtige Einnahmen verloren. Und sie können ihre Schützenhallen nicht mehr an andere vermieten. Auch das schmälert ihre Vereinskasse.

Bis auf Weiteres…

Dass Sportvereine zurzeit nicht trainieren können, ist weithin bekannt. Für viele von ihnen ist es aber ein mindestens ebenso großes Problem, dass sie ihren Spiel- und Ligabetrieb aussetzen mussten. So entfallen ihnen die Zuschauereinnahmen, mit denen sie sonst immer ihren Trainingsbetrieb finanzieren.

Drei Läuferinnen liegen erschöpft auf einer Laufbahn im Stadion

Fast alle Vereine in Deutschland haben ihre Aktivitäten bis auf Weiteres eingestellt. Das betrifft auch die die Jahreshauptversammlungen und Vorstandswahlen, die ihren Satzungen folgend in der Regel in den Monaten April oder Mai stattfinden. Während dieser Versammlungen werden üblicherweise verbindliche Rechtsgrundlage für das Vereinsleben sowie die zukünftige Ausrichtung beschlossen.

Bundestag verändert Vereinsrecht

Um den Vereinen zumindest ihre rechtliche Situation zu erleichtern, hat der Bundestag Ende März reagiert. Da sich die Mitglieder aufgrund der Versammlungsbeschränkungen nicht persönlich treffen können, um neue Entscheidungen zu fällen, bleiben Vorstandsmitglieder eines Vereins durch die nun erfolgte Gesetzesänderung auch nach Ablauf ihrer Amtszeit im Amt, bis ein Nachfolger gewählt ist.

Zudem gibt es für Vereine die Möglichkeit, auch ohne entsprechende Satzungsregelungen Versammlungen ohne physische Präsenz der Mitglieder durchzuführen. So können Beschlüsse etwa im Rahmen von Videokonferenzen getroffen werden.

Diese Gesetzesänderungen gelten bis zum 31. Dezember 2021. Sie stellen sicher, dass Vereine ihre Tätigkeit ordnungsgemäß und gesetzeskonform weiterführen können. So bleiben sie auch trotz der jetzigen Beschränkungen handlungsfähig.

Finanzielle Erleichterungen

Einige Bundesländer haben bereits finanzielle Maßnahmen in die Wege geleitet, um in Not geratene Vereine zu unterstützen. So hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg beispielsweise zusätzliche Mittel im laufenden Solidarpakt Sport eingesetzt. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, werde man sich für einen ergänzenden Notfallfonds einsetzen, teilte das Ministerium mit.

Schauspieler auf einer Theaterbühne

So wie Baden-Württemberg haben auch die anderen Bundesländer und die Bundesregierung reagiert: Die finanziellen Rettungsschirme können auch Vereine unterstützen, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausüben. So trägt das Kurzarbeitergeld dazu bei, ihre voll- und teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter vor Entlassung und Arbeitslosigkeit zu schützen. Das senkt auch die Personalkosten der Vereine.

Ebenso hilfreich sind die vom Bund und vom Land beschlossenen Hilfen für Solo-Selbstständige und Freiberufler. Viele von ihnen sind oft gleich für mehrere Vereine tätig: Dazu zählen etwa die selbstständigen Trainerinnen und Trainer im Sport, bei den Chören sind es die Dirigenten, in Nachbarschaftsvereinen beispielsweise Yogalehrer.

Das Ehrenamt nicht im Stich lassen

Auch die Sparkassen, die traditionell mit dem Ehrenamt verbunden sind und das Vereinsleben überall in Deutschland mit Spenden und Sponsoring fördern, bieten nun bereits unkomplizierte Hilfe an.

So schreibt die Kreissparkasse Steinfurt auf einer extra eingerichteten Unterstützungsseite für Vereine: „Solidarität ist Herzenssache“. Vereine im Geschäftsgebiet der Sparkasse, die durch die Krise finanzielle Einbußen erleiden, können hier die Corona-Hilfe des Instituts aus einem speziellen Fördertopf beantragen. Außerdem können sie ihre Situation auf der Spendenplattform des Instituts posten, um kostenfrei weitere Unterstützer zu finden.

Mehrere Menschen legen ihre Hände übereinander

Andere Sparkassen, wie etwa die Sparkasse Hochschwarzwald, sind mittlerweile bereits dazu übergegangen, Tilgungen für größere Kredite von Vereinen der Region zu stunden: Das gilt für den neuen Kunstrasen auf einem Sportplatz ebenso wie die Anschaffung eines Flügels für den Kirchenchor in einer Kantorei. Außerdem hilft das Institut anderen Vereinen bereits mit unkompliziert zur Verfügung gestellten Darlehen.

Die Sparkassen betrachten diese schnelle Unterstützung als Teil ihres öffentlichen Auftrages. Das Ehrenamt ist eine wesentliche Stütze der Gesellschaft ebenso wie die Institute selbst – da ist Solidarität selbstverständlich.