Kinder und Homeoffice: Mit Spaß durch die Quarantäne

10 Tipps, wie Sie trotz Corona die Zeit mit Ihren Kindern genießen

Kitas und Schulen sind geschlossen, die Unternehmen ordnen Homeoffice an und die Bundeskanzlerin ruft die Menschen zu Social Distancing auf – möglichst wenige soziale Kontakte. Gerade für Eltern von Kleinkindern kann diese Situation eine Herausforderung sein. Aber: Mit unseren zehn Tipps bringen Sie Abwechslung und Entspannung in den von Covid19 geprägten Alltag – auch über Wochen.

Marlen Hartwig, Erzieherin der Berliner Kindertagesstätte "Prenzlpanther"
10 Tipps zur Corona-Quarantäne von
Marlen Hartwig
Erzieherin der Berliner Kita Prenzlpanther

Der Coronavirus macht‘s möglich. Kinder und Jugendliche haben kita- beziehungsweise schulfrei und Erwachsene arbeiten zu Hause. Das bedeutet: Eltern verbringen jetzt sehr viel Zeit mit ihrem Nachwuchs. Aber manche Mütter und Väter wissen erst einmal nicht, wie sie diesen ungewohnten Spagat zwischen Job und Kindern hinbekommen sollen.

Sie fürchten nicht nur Stress und Doppelbelastung oder Virus, Infektion und Krankheit. Sie sorgen sich auch um Budenkoller und Langeweile, Kissenschlachten und andere Randale im Kinderzimmer, weil ihnen die kreativen Ideen für tolle Spiele ausgehen. Sie wissen nicht, wie sie sich über längere Zeit mit ihrem Nachwuchs drinnen beschäftigen sollen. Dabei wünschen sich besonders Kleinkinder die Nähe der Eltern.

„Gerade in den kleinen Momenten steckt viel Großes“

„Diese Zeit könnte ein großes Geschenk für die Familien sein“, sagt Marlen Hartwig, Erzieherin an der Berliner Kindertagesstätte Prenzlpanther. Sie hat selbst zwei Kinder. „Sonst muss immer alles schnell, schnell gehen. Jetzt haben die Kleinen ihre Mütter und Väter – also die Menschen, die sie am meisten lieben – ganz für sich.“

Dass diese Situation für manche Eltern ungewohnt sei, kann Marlen Hartwig verstehen. „Oft sind sie unter Druck, weil sie alles perfekt machen wollen“, erklärt die Erzieherin. Das sei aber gar nicht nötig. „Gerade in den kleinen Momenten steckt für Kinder ganz viel Großes!“

Wie Eltern diese kleinen Momente gestalten und genießen können – und wie sie sich mit dem Homeoffice verbinden lassen, erklärt die Erzieherin in den folgenden zehn Tipps:

1. Kinder lieben Rituale

„Beginnen Sie jeden Tag mit einem Ritual“, empfiehlt Marlen Hartwig. „Das kann ein Lied sein oder eine gemeinsame Tagesplanung. Kinder lieben es, wenn sie einbezogen werden."

Dieses Ritual müsse nicht ausschließlich morgens stattfinden. Der Mittag oder Abend seien ebenso gute Zeitpunkte.

2. Lesen verbindet

Wenn es zum Tagesablauf der Eltern gehört, morgens die Zeitung zu lesen, sollten sie das auch beibehalten. „Sie können den Kindern aus Artikeln vorlesen oder ihnen ein Kinderbuch geben“, rät die Erzieherin. „So sind alle beschäftigt und können den Tag gemeinsam entspannt starten.“

3. Homeoffice – für alle

Natürlich kann es zur Herausforderung werden, wenn Eltern zu Hause arbeiten und dabei die Kinder betreuen müssen. „Das eine lässt sich mit dem anderen verbinden“, sagt Marlen Hartwig. „Stellen Sie den Kindern einen Spieltisch mit ein paar Blatt Papier, Bastelsachen und Bilderbüchern neben Ihren Arbeitstisch – und schon sind sie für eine Weile beschäftigt.“

Malen im Homeoffice

4. Kleine Pause zwischendurch? Snacks gestalten

Kinder lieben buntes Essen. Und sie freuen sich, wenn sie ihren Eltern helfen können, zum Beispiel beim Brote streichen oder Zubereiten von Obst. „Die Eltern schneiden Äpfel, Bananen und andere Früchte in Stücke. Die Kinder gestalten damit auf Tellern Gesichter, Sonnen oder andere Motive. So macht das Essen doppelt Spaß.“ Das funktioniert auch beim Kochen mittags oder abends.

5. Hausarbeiten – gemeinsam erledigen

Wäsche waschen und trocknen, Küche und Bad putzen, Staub wischen – das alles kann auch in der Quarantäne nicht warten. „Aber unsere Kinder können uns viel besser unterstützen, als wir denken“, erklärt Marlen Hartwig.

„Sie können mit den Eltern die Wäsche zusammenlegen oder mit einem feuchten Lappen etwas abwischen. Das schaffen sie auch schon alleine. Wie gesagt: Es muss nicht immer alles perfekt sein.“

6. Bewegung entspannt

Sie haben etwas gearbeitet? Dann ist es Zeit für Bewegung: „Gerade Dehnübungen können Eltern und Kinder gut gemeinsam machen“, rät die Erzieherin. „Wenn sie Lust auf Abwechslung haben, finden sich im Internet viele Übungen, die sie gemeinsam nachmachen können.“

Der Berliner Basketball-Bundesligist Alba hat dafür extra ein Onlineprogramm gestartet: Albas tägliche Sportstunde.

7. Redekreis: Demokratie üben

Es ist manchmal nicht einfach, so viel Zeit miteinander zu verbringen – und kaum Auszeiten zu haben. „Bei einem Redekreis kann man sich zuhören, Wünsche äußern oder sogar kleine Konflikte lösen“, so Marlen Hartwig.

„Die Regeln: Wer den Redestock hat, etwa einen Holzlöffel, kann sprechen und darf nicht unterbrochen werden. Wichtig ist, offen zu reden und aufmerksam zuzuhören!“

Plenum am Esstisch

8. Osterzeit ist Bastelzeit

Basteln ist immer eine gute Beschäftigung – gerade für kleine Kinder. „So lange es noch keine Ausgangssperre gibt, können die Eltern mit ihren Kindern in Wald oder Parks gehen, Birkenzweige abschneiden, Gras und Moos sammeln. Daraus können sie zu Hause dann schöne Nester basteln.“

9. Immer, immer wieder: Verstecken spielen

Eines der ältesten Kinderspiele ist heute noch sehr beliebt – auch drinnen: „Wenn Kinder sich verstecken und ihre Eltern sie suchen müssen, ist das für sie das Größte“, betont die Erzieherin.

10. Feines Feeling: Gegenstände erraten

Besonders gerne empfiehlt die Erzieherin ein Spiel, das über das Fühlen funktioniert: „Nehmen Sie eine große Schüssel, legen einen Gegenstand hinein und decken ein Tuch darüber. Die Kinder müssen dann erfühlen, um welchen Gegenstand es sich handelt. Das macht riesig viel Spaß – auch wenn die Kinder etwas unter das Tuch legen und die Erwachsenen es erraten müssen!“

Nähe ist das beste Rezept: Toben in der Quarantäne

Ein Thema liegt Marlen Hartwig in dieser außergewöhnlichen Situation besonders am Herzen: „Die Mütter und Väter sollten immer authentisch bleiben und sich nicht vor ihren Kindern verstellen“, sagt sie. Es sei für die Kinder in Ordnung, wenn ihre Eltern mal einen schlechten Tag haben. „Das kann man ja auch nett rüberbringen“, betont die Erzieherin. „Kinder sind sehr empathisch und nehmen gerne Rücksicht, wenn sie das können.“

Also: Offen und ehrlich zueinander sein – auch in Zeiten der Coronavirus-Quarantäne. Auf diese Weise und mit den Tipps von Marlen Hartwig gelingt der Weg durch die Krise.

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