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Alle unter einem Dach

Fünf Fragen und Antworten zum gelungenen Miteinander im „Haus für Jung und Alt“

Eine Kindertagesstätte und ein Seniorenheim unter einem Dach – geht das? Die Einrichtung „Haus für Jung und Alt“ in Moers-Meerbeck hat das Experiment gewagt. Mit großem Erfolg, erzählen die Einrichtungsleiterinnen Daniela Kühl und Cornelia Otto.

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Cornelia Otto leitet den Johannes-Kindergarten, der sich im Erdgeschoss des Gebäudes befindet. Daniela Kühl ist die Einrichtungsleiterin der Grafschafter Diakonie Pflege gGmbH, die die Seniorinnen und Senioren betreut. Gemeinsam planen und organisieren sie die gemeinschaftlichen Aktivitäten der beiden Generationen. 

Porträt: Leiterinnen der Einrichtung Haus für Jung und Alt

1. Angebote wie Ihr „Haus für Jung und Alt“ gibt es nur wenige in Deutschland. Wie ist das Haus entstanden, und wer hat es ins Leben gerufen?

Daniela Kühl: Die Kitaplätze waren knapp. Also suchte der Johannes-Kindergarten nach einem Gebäude, um sich zu vergrößern. Gleichzeitig gab es in Meerbeck auch keine stationäre Pflegeeinrichtung für Senioren. Daher wollte die Grafschafter Diakonie ein Haus eröffnen.

So entstand das gemeinsame Projekt. Zusammen mit der Diakonie haben die Stadt Moers, die Kirchengemeinde und der Trägerverein des Kindergartens unser buntes Haus ermöglicht.

2. Sie haben dieses „Mehrgenerationenhaus“ vor eineinhalb Jahren eröffnet. Was sind Ihre wichtigsten Erfahrungen?

Cornelia Otto: Wir haben schnell gesehen, dass Kinder und Senioren auf einander achtgeben. Sie interessieren sich dafür, wie es den anderen geht. Kürzlich ist eine Bewohnerin vor dem Haus gestürzt. Eines der Kinder hat sofort Hilfe geholt.

Uns ist auch aufgefallen, wie lebendig die Senioren wieder werden: Bei der ersten gemeinsamen Bastelaktion haben alle gemeinsam gesungen. Plötzlich griff ein hochgradig dementer Bewohner, der nicht einmal mehr seinen Namen weiß, zu einer Mundharmonika und spielte die Melodie richtig mit.

Nach achtzehn Monaten können wir sagen: Groß und Klein nehmen sich so, wie sie sind.

Kinder und Seniorinnen vor dem Haus für Jung und Alt - Foto: Grafschafter Diakonie

3. Zu Beginn hatten einige Eltern Bedenken. Wie sind Sie damit umgegangen?

Cornelia Otto: Die Eltern konnten nicht einschätzen, wer in unserer Einrichtung leben würde. Sie hatten Angst, dass die Senioren aggressiv werden oder dass sie ansteckende Erkrankungen haben. Aber die Eltern haben schnell gemerkt, dass kein Grund für diese Ängste besteht, zumal bei allen gemeinsamen Aktivitäten immer Betreuer dabei sind.

Daniela Kühl: Ohnehin haben wir die Eltern der Kinder schon bei der Planung unseres Projekts mit einbezogen. Jetzt gibt es zwei große Veranstaltungen pro Jahr, bei denen sie anwesend sind. Natürlich erzählen die Kinder zu Hause mitunter ganz begeistert von ihren Erlebnissen mit den Senioren.

4. Wie tun Jung und Alt einander gut?

Cornelia Otto: Bei schönem Wetter sitzen einige der Senioren gern im Garten der Kita und schauen zu, wie die Kinder spielen. Gerade die Demenzerkrankten sind dann immer ganz ruhig und zufrieden.

Daniela Kühl: Die Kinder freuen sich, wenn sie den Senioren etwas helfen dürfen. Oder wenn sie sie für etwas loben, das sie gebastelt haben. Das gibt ihnen Selbstbewusstsein. Aber das gilt auch umgekehrt.

Und: Die Kinder haben durch den selbstverständlichen Umgang keine Angst vor dem Alter.

Kinder und Senioren beim Spielnachmittag - Foto: Grafschafter Diakonie

5. Kindheit und Alter sind natürliche Abschnitte unseres Lebens. Wie zeigt sich das im Alltag des Hauses für Jung und Alt?

Daniela Kühl: Wir haben monatliche Aktionen wie Basteln, Turnen oder ein Stehgreiftheater für Kinder und Senioren. Außerdem gibt es ein Smovey-Training. Dieses Spiel mit den Ringen, die die Sparkasse am Niederrhein gesponsert hat, beugt Haltungsschäden vor, verbessert Koordination und Beweglichkeit und hilft sogar bei Konzentrationsschwächen.

Aktuell findet wöchentlich eine gemeinsame „Vogelhochzeit“-Singprobe für das Sommerfest statt. Wir feiern auch regelmäßig einen Gottesdienst. Da die Balkone der Pflegeeinrichtung direkt auf den Garten hinausführen, unterhalten sich die Kinder oft mit den Bewohnern. Oder sie werfen ihnen Bälle zu.

Cornelia Otto: Außerdem ist bei uns allen klar, dass in einer Pflegeeinrichtung Menschen krank werden und sterben. In der Kita zünden wir dann eine Kerze an. Für die Kinder war das zuerst neu. Jetzt fragen sie immer, ob nun jemand tot sei, den sie kennen. Oft sagen sie: „Ja, der war ja auch schon alt.“ Dann spielen sie weiter. Sie gehen mit diesem Thema ganz angstfrei um.

Diese selbstverständliche Auseinandersetzung mit dem Alter wird ihnen dabei helfen, sehr viel natürlicher und positiver mit dem Leben umzugehen.

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