Scheidungen: Nicht nur eine emotionale Angelegenheit

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Zum Ende einer Ehe gehören auch die Auflösung der gemeinsamen Konten, die Regelung bestehender Kredite, Änderungen von Daueraufträgen oder der Widerruf von Kontovollmachten.

 

Eine Trennung ist meist schon emotional eine große Herausforderung. Aber auch organisatorisch sind viele Dinge zu erledigen – denn aus einem Haushalt werden zwei. Kathrin Kirchhoff, Leiterin Kundenbetreuung bei der Sparkasse Herford, hat einige der wesentlichsten Fragen und ToDo‘s aufgelistet, die nun anstehen.

 

1.    Was ist das Wichtigste in Finanzangelegenheiten, wenn ich mich scheiden lasse?

 

Auch wenn es jetzt besonders schwerfällt: Vor allem sollten sich beide Partner zusammensetzen und alles in Ruhe besprechen. Denn schließlich geht es darum zu entscheiden, welche Konten, Kredite und Vollmachten aufgelöst oder neu gestaltet werden.

 

2.    Ende der Liebe = Ende der Haftung?

 

Im Laufe einer Beziehung schaffen Paare vom Auto bis zur Wohnung viele Dinge an. Meist geht das nur mit einem Kredit. Aber wer haftet für die Ansprüche des Kreditinstituts, wenn eine Beziehung getrennt wird?

 

Grundsätzlich sind Haftungsangelegenheiten gesetzlich geregelt. Aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 426 BGB) geht hervor, dass Gesamtschuldner zu gleichen Anteilen verpflichtet sind. Der Gläubiger (also das Kreditinstitut) kann die Leistung von jedem der beiden Schuldner ganz oder zum Teil fordern (§ 421 BGB).

 

Um schnell einen ersten Überblick über Haftungsfragen zu bekommen, hilft oft auch ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Kreditinstitute.

 

3.    Gemeinsame Konten, Kredite und Co.: Auflösen oder (auf einen der beiden Partner) weiterlaufen lassen?

 

Girokonten müssen aufgelöst werden. Eine Umschreibung auf einen der beiden Ehepartner ist nicht möglich. Dagegen ist die Umschreibung von Sparkonten auf einen Ehepartner nicht nur möglich, sondern auch
sinnvoll. Denn steuerlich relevante Freistellungsaufträge sind nur bis Ende des Trennungsjahres gültig. Vermögenswerte bzw. Depotbestände können in neue Depots übertragen werden.

 

Bestehende Kredite können grundsätzlich weiterhin gemeinsam getilgt werden. Ist aber abzusehen, dass einer der beiden Partner die Raten nicht zuverlässig zahlen kann, hilft eine Aufteilung. So kann man Ansprüchen des Kreditinstituts vorbeugen, sollte der andere nicht zahlen.

 

Aber: Bei einer Aufteilung wird das Kreditinstitut die wirtschaftlichen Verhältnisse beider Kreditnehmer erneut prüfen. Sollte die Bonität eines der beiden nicht ausreichen, wird das Kreditinstitut den bonitätsstärkeren, also zahlungskräftigeren, Partner nicht aus der Schuldhaft entlassen.

 

4.    Wie gehe ich am besten mit gemeinsamen Guthaben oder anderen Vermögenswerten um?

 

Gerade hier ist es wichtig, einvernehmlich zu entscheiden, wer was beziehungsweise wie viel bekommt. Ist das nicht möglich, fragt man am besten einen Anwalt.

 

Ganz wichtig: Hat der andere Partner eine Einzelverfügungsberechtigung bei einem Konto oder Depot, sollte diese schriftlich widerrufen werden. Dann sind beide Kontoinhaber nur noch gemeinschaftlich verfügungsberechtigt – und keiner kann ungefragt das ganze Guthaben abheben. Oder: Man löst das Konto auf.

 

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 Kathrin Kirchhoff ist Leiterin Kundenbetreuung bei der Sparkasse Herford.
5.    Wie steht es um Kontovollmachten und Daueraufträge?

 

Kontovollmachten für den Partner löscht man am besten. Gegebenenfalls kann man eine andere Vertrauensperson bevollmächtigen. Daueraufträge übernimmt zukünftig sinnvollerweise der Partner, der auch die Zahlungsverpflichtungen hat. Also derjenige, der zum Beispiel in einer ursprünglich gemeinsam gemieteten Wohnung bleibt und die Miete zahlt.

 

6.    Vor, während oder nach der Scheidung: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Beendigung gemeinsamer Konten und Kredite?

 

Das sollte jedes Paar individuell klären. Es empfiehlt sich aber, spätestens mit der vollzogenen Trennung auch die finanziellen Verhältnisse zu trennen.

 

7.    Kann das Kreditinstitut Entscheidungen treffen, wenn sich die beiden Parteien nicht einigen können? Oder gibt es verbindliche gesetzliche Grundlagen?  

 

Ein Kreditinstitut kann den Partnern natürlich keine Entscheidung abnehmen. Sollten sie (oder einer von beiden) aber ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, kann es von seinem Kündigungsrecht Gebrauch machen und die Geschäftsbeziehung auflösen.

 

8.    Ist eine Konto- oder eine Kreditauflösung beziehungsweise die Überschreibung auf eine der beiden Personen mit Kosten verbunden?

 

Das hängt von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des betreffenden Kreditinstituts ab. Die Auflösung des Girokontos ist in der Regel kostenfrei. Bei Darlehen kann es zu einer neuen Zinsvereinbarung kommen. Das bedeutet, der Zinssatz könnte (je nach Marktlage) höher oder auch niedriger ausfallen. Zusätzliche Kosten können außerdem anfallen, wenn man sich Kreditabsicherungen wünscht, zum Beispiel für den Todesfall oder bei Arbeitsunfähigkeit.

 

9.    Welche Nachteile können mir entstehen, wenn die Finanzangelegenheiten nicht verbindlich geklärt werden?

 

Bei Girokonten ist jeder Kontoinhaber berechtigt, über das Guthaben sowie den eingeräumten Kreditrahmen zu verfügen. Das heißt, Beträge in jeglicher Höhe abzuheben, bis hin zur Ausreizung des Dispokredits. Da jeder Kontoinhaber auch für die Verbindlichkeiten haftet, die durch Verfügungen des Mitkontoinhabers oder eines Bevollmächtigten über das Konto entstanden sind, kann einem hier also ein erheblicher Schaden entstehen.

 

Ähnlich sieht es bei Krediten aus: Aufgrund der gesamtschuldnerischen Haftung jedes Kreditnehmers macht ein Kreditinstitut seine Ansprüche bei einem der beiden Partner geltend, sollte der andere nicht zahlen.

 

10.    Auch bei Finanzangelegenheiten: Kinder nicht vergessen

 

Nicht nur vor, auch nach der Scheidung sind beide Eltern für die Kinder verantwortlich. Im Finanzkontext heißt das, dass bei Kontoeröffnung oder Änderung schon bestehender Konten immer beide persönlich unterschreiben müssen.

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