Kino Calw

Die Spätzle-Connection

Armin Schnürle ist ein Besessener. Rund 30 Filme hat der Sparkassenberater mit seinem Amateurfilmverein Mania Pictures bislang produziert. Er bedient fast jedes Genre – gerne auch Trash. Die Zuschauer lieben seine Filme. Der große Durchbruch gelang Schnürle und seinen Mitstreitern, als sie zu ihren Wurzeln zurückkehrten.

„Wir können alles. Außer Hochdeutsch“, prangt es in großen schwarzen Lettern hoch über dem Schreibtisch von Karl Jäger, Kommissar der Kriminalpolizei Calw. Am Schreibtisch direkt gegenüber sitzt seine Sekretärin. Mit steifen Fingern haut sie in die Tasten ihrer Schreibmaschine. Die Schleife ihrer weißen Bluse wippt synchron im Takt.

„Des isch doch an Grambbf!“, schnaubt sie leise vor sich hin. Doch die Typen der Schreibmaschine verhaken sich immer wieder ineinander. Computer haben in der Amtsstube der schwäbischen Kleinstadt im Nordschwarzwald noch keinen Einzug gehalten.

Als die Sekretärin zum dritten Mal entnervt ein Formular wegwirft, betritt ihr Chef die Amtsstube. Amüsiert beobachtet er sie. Dann dreht Kommissar Jäger sich zur Garderobe, kneift das linke Augen zusammen und wirft seine Schirmmütze mit einem betont eleganten Wurf in Richtung Haken. Ohne Erfolg.

„Cut!“, ruft Armin Schnürle in die Szene. „Der Wurf muss sitzen. Wir machen das gleich nochmal.“

Sekretärin am Schreibtisch
Fast wie im richtigen Leben: der alltägliche Amtsstuben-Wahnsinn
Wir machen Spannung, Action – und natürlich auch Trash.

Mit schwarzem Basecap, grauem T-Shirt und kurzer Hose steht der Regisseur am Set. „In dem Film wird wieder all das stecken, wofür wir schon seit Jahren stehen: Spannung, Action, kerniger Humor – und natürlich auch Trash“, sagt Schnürle mit einem jungenhaften Grinsen.

In seinen Anfängen drehte er vor allem des Filmens wegen: „Die ersten Streifen konnte man auch nur wenigen Leuten zumuten“, erinnert er sich lachend. Billige Hollywood-Imitate seien das gewesen. „In jedem Film gab es Schießereien und Verfolgungsjagden, bei denen wir Autos geschrottet haben.“

Regisseur und Kameramann am Filmset
Basecap, T-Shirt und gute Laune: Regisseur und Sparkassenberater Armin Schnürle am Set
Nicht schlecht, aber dreht doch mal was Schwäbisches.

„1999 haben wir sogar einen Fantasythriller gedreht: ‚Fallen Angel‘ – in New York, Paris, London und Spanien. Es ging um nichts Geringeres als die Apokalypse“, erzählt Schnürle mit einem Schuss Selbstironie, aber auch mit etwas Stolz in der Stimme.

Das Publikum reagierte verhalten. „Der Tenor lautete: Nicht schlecht, aber dreht doch mal was Schwäbisches.“ So entstand der erste Calwer Mundart-Krimi. Die Schreibmaschine ist seitdem fester Bestandteil.

Eine der zentralen Figuren war von Anfang an der grantige, aber auch gutmütig-behäbige Kommissar Jäger. „Er ist der Ur-Schwabe“, erklärt Schnürle. „Sein Charakter verkörpert das klassische Stereotyp unserer Region.“

Jägers Darsteller ist Stefan Lörcher, Mann der ersten Stunde in Schnürles Filmunternehmungen. „Armin war immer hinter, ich vor der Kamera“, ergänzt Lörcher. Er ist einen halben Kopf kleiner als der Regisseur. Das verblichene kanariengelbe Hemd seiner Filmuniform füllt er gut aus. Es ist schwer, ihn sich anders als in dieser Polizeikluft vorzustellen.

Unser Kommissar Jäger ist der Inbegriff des Ur-Schwaben.
Schauspieler in der Maske
Schwäbischer Kult-Kommissar im Einsatz

Dabei sind sowohl er als auch Schnürle jenseits der Filmsets schon seit vielen Jahren Mitarbeiter der Sparkasse Pforzheim-Calw. „Armin berät Firmenkunden, ich arbeite im Electronic Banking“, sagt Lörcher, während die Maskenbildnerin sein Gesicht nachpudert.

Mehrfach hat die Sparkasse ihre Filmprojekte unterstützt: mit einem Drehort. Die Geschäftsstelle in Calw war ebenso Polizeizentrale wie Bankfiliale. „Dort haben wir auch schon einen Überfall gedreht“, erklärt Lörcher, als er zum Set zurückgeht.

Vor der Tür stellt sich der Schauspieler in Position, nimmt die Mütze, zielt, wirft und – sie landet wieder auf dem Boden. „Do kommd nix Gscheids raus“, grummelt er mit einem Augenzwinkern in die Runde.

Der schwäbische Dialekt ist wie ein Klebstoff für unsere Gemeinschaft.

Auch Armin Schnürle bezieht wieder Position. „Es ist schon bemerkenswert“, sagt er. „Früher haben wir immer versucht, unsere Herkunft zu verleugnen. Dabei hat sich unser steifes Hochdeutsch schon manchmal peinlich angehört. Aber seitdem wir über unseren Dialekt die schwäbische Identität ausleben, wachsen die Zuschauerzahlen. Er ist wie ein Symbol für Heimat“, stellt er fest, „wie ein Klebstoff für unsere Gemeinschaft.“

Der Dialekt trage dazu bei, dass die Menschen seine Arbeit schätzen und unterstützen, ist sich Schnürle sicher. Nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Nebendarsteller und Statisten. Ganz wichtig sei auch der Humor. „Die Leute lieben es, wenn sie lachen können. Es darf gerne derbe sein. Was wir vorher verstecken wollten, ist jetzt unser Motor.“

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